Weinstadt

Diese Unterhose soll vor Vergewaltigung schützen - Schüler aus dem Remstal sind die Erfinder

Unterhose
Fynn Bukschat und Jana Klein mit ihrer Erfindung. © ZVW/Benjamin Büttner

Zwei junge Menschen aus dem Remstal haben eine Damenunterhose erfunden, die die Trägerin vor einer Vergewaltigung schützen soll. Mit diesem Projekt nehmen sie bei „Jugend gründet“ teil, einem Unternehmer-Wettbewerb für junge Menschen. Hier haben sie es schon unter die besten 32 Teams geschafft und hoffen nun auf das große Finale in Berlin.

Dem 19-jährigen Fynn Bukschat aus Kernen kam die Idee zu der Unterhose im März 2020. Er hatte eine Reportage über einen Vergewaltigungsfall in Deutschland gesehen und ihm wurde klar, dass Frauen und Mädchen auf der ganzen Welt vor derartigen Übergriffen kaum geschützt sind. Bei der Suche nach einer Lösung kam ihm der Taschenalarm in den Sinn. Zusammen mit seiner 18-jährigen Schulkameradin - beide besuchen das Albertus-Magnus-Gymnasium in Stuttgart - und Partnerin Jana Klein entwickelte er dann die Unterhose.

Ein Slip, der Krach macht - mehr als eine Alarmanlage

Am Telefon erzählen die beiden, wie ihre Erfindung funktioniert: Der Bund der Unterhose besteht aus einem Gummizug, in den der Alarm eingearbeitet ist. Wird an der Hose ruckartig gerissen, löst der Alarm aus. Und auch wenn die Frau schon zu Boden gebracht wurde, kann sie den Alarm noch auslösen. Um den Alarm auszuschalten, muss der Kontaktstift wieder an seinem Platz eingesetzt werden. Dadurch wird ein schnelles Deaktivieren des Alarms durch den Täter verhindert.

Die Unterhose meldet den Angriff mit einer Lautstärke von 120 Dezibel - gängige Funkalarmanlagen schaffen etwa 90 bis 110 Dezibel. Dabei sieht die Erfindung aber aus wie handelsübliche Damenunterwäsche, und auch der Tragekomfort ist vergleichbar, sagt Jana Klein. Lediglich unter engen Hosen und Kleidern falle der Alarm noch auf, aber daran wollen die beiden arbeiten.

Bislang haben die zwei Erfinder etwa 30 bis 40 Arbeitsstunden in ihr Projekt investiert. Nach dem Online-Unterricht der Schule arbeiteten sie an der Unterhose. Aufgrund der Corona-Pandemie waren andere Aktivitäten nach der Schule ohnehin vom Tisch. „Ohne den Lockdown wäre die Idee vielleicht gar nicht so weit gekommen“, sagt Fynn Bukschat am Telefon. Corona hat in diesem Fall also auch mal etwas Gutes gehabt.

Von ihren Mitschülern bekommen die beiden meist ein gemischtes Feedback zu ihrer Idee. Da sich viele unter der schützenden Unterhose zunächst nichts vorstellen können, ernten Jana und Fynn mitunter kurzes Gelächter. „Wie kommt man auf so was?“, werden sie dann gefragt. Nach der Erklärung, was die Unterhose leisten kann, sind die meisten Gleichaltrigen dann aber beeindruckt.

Ihre Erfindung ist noch ein Prototyp, der sie aber bei dem Unternehmerwettbewerb „Jugend gründet“ schon ganz weit nach vorne gebracht hat. Bei diesem Wettbewerb, für den die beiden ihre Erfindung vorab mit einem Gebrauchsmusterschutz sichern ließen, durchlaufen Projekte von jungen Menschen verschiedene Phasen: In der ersten Phase erstellen die Jugendlichen einen Businessplan. Anschließend müssen sie bei sogenannten „Pitch-Events“ ihre Ideen vorstellen und vor einer Jury verteidigen. Bei dem Pitch-Event in der Kategorie „Gesundheit und Wohlergehen“ am 16. März haben es Jana Klein und Fynn Bukschat auf Platz zwei von acht qualifizierten Teams geschafft.

Jetzt durchlaufen sie die Planspielphase, bei der die Teilnehmer ein Unternehmen virtuell durch acht Jahre Konjunktur steuern müssen. Die besten zehn Teams, die danach die meisten Punkte gesammelt haben, fahren im Juni zum Finale nach Berlin. Die Gewinner dürfen sich über eine Reise ins Silicon Valley - die Heimat zahlreicher Start-up-Unternehmen - in den USA freuen.

Der Gewinn ist Nebensache: Jana und Fynn wollen eine bessere Welt

Für die beiden Nachwuchs-Unternehmer ist die USA-Reise aber gar nicht der größte Anreiz, so viel Zeit in den Wettbewerb zu investieren. Jana Klein und Fynn Bukschat haben vor allem eine Vision: Jede Frau und jedes Mädchen auf der Welt soll die Möglichkeit erhalten, sich selbst besser vor gewalttätigen Übergriffen schützen zu können.

Aus diesem Bestreben entstand auch der Team-Name „Ourcon“ für den Wettbewerb: „Our contribution“, also „unser Beitrag“ für eine sicherere Welt.

Den Wettbewerb sehen die beiden Schüler daher als Sprungbrett. Hier können sie Kontakte knüpfen und Investoren gewinnen. Denn das Projekt und die beiden Erfinder brauchen neben der finanziellen Unterstützung auch Expertise. Sie sind offen für jede Hilfe und stehen jedem Rat, der ihre Erfindung voranbringt, aufgeschlossen gegenüber.

Produziert werden soll in Botswana

Jana Klein und Fynn Bukschat hoffen, dass ihre Erfindung auch eines Tages den Entwicklungsländern zugutekommen wird, in denen Vergewaltigungen noch häufiger geschehen als in Deutschland. Aus diesem Grund haben sie auch ein Entwicklungsland, nämlich Botswana im südlichen Afrika, für die Markterprobung der Unterhose ausgewählt. Zu Botswana hat Fynn Bukschat einen besonderen Bezug, da seine Schwester dort lebt und arbeitet. Hier soll die Unterhose genäht und damit auch Arbeitsplätze geschaffen werden.

Nach seinen Zukunftsplänen befragt, sagt Fynn Bukschat, er interessiere sich durchaus für eine unternehmerische Karriere und könne sich ein BWL-Studium vorstellen. Jana Klein möchte lieber im sozialen Bereich arbeiten, zum Beispiel als Lehrerin oder Sonderpädagogin. Nach dem Abitur wollen beide aber zunächst ins Ausland reisen.

Jana Klein äußert am Ende des Gesprächs ihren Traum: „Optimal wäre es, wenn wir unsere Idee so weit voranbringen, dass wir nach dem Abitur mal nach Botswana fliegen können.“

Zwei junge Menschen aus dem Remstal haben eine Damenunterhose erfunden, die die Trägerin vor einer Vergewaltigung schützen soll. Mit diesem Projekt nehmen sie bei „Jugend gründet“ teil, einem Unternehmer-Wettbewerb für junge Menschen. Hier haben sie es schon unter die besten 32 Teams geschafft und hoffen nun auf das große Finale in Berlin.

Dem 19-jährigen Fynn Bukschat aus Kernen kam die Idee zu der Unterhose im März 2020. Er hatte eine Reportage über einen Vergewaltigungsfall in

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