Weinstadt

Ein Kürbisfest für alle Sinne

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Der Förderverein Heimatmuseum Pflaster 14 in Endersbach hat erstmals ein Kürbisfest veranstaltet. © ZVW/Gabriel Habermann

Weinstadt. Weil er seine Kürbissuppe dieses Jahr nicht beim Streuobsttag anbieten kann, hat der Förderverein Heimatmuseum Pflaster 14 zu einer Kürbis-Hocketse ins Museum eingeladen. Bei idealem nasskaltem „Suppenwetter“ ließen die Besucher nicht lange auf sich warten.

Den großen Deckel ihres Thermotopfs darf Bärbel Güttinger oft lupfen. „Suppentassen-Management“ nennt sie den Vorgang, wenn sie die Schöpfkelle in den Topf taucht und die selbst gekochte Kürbissuppe in bereitstehende Suppenschalen gießt. Bekrümelt mit Kürbiskernen, beträufelt mit steirischem Kürbiskernöl und einem Schuss flüssige Sahne überreicht sie rund 50 Portionen an dankbare Abnehmer, die aus der Kälte flüchten in die warme Stube.

Vor rund zehn Jahren sei sie auf den Kürbis gekommen, für den sie etliche Rezepte aus dem Stegreif parat hat: überbacken, gratiniert, gedünstet, karamellisiert oder püriert zu Suppe. „Er ist so vielseitig, auch Desserts und Brotaufstriche kann man machen.“ Beim ersten Kürbisfest, zu dem der Förderverein Heimatmuseum einlädt, sind auch Chutneys, Marmelade und herzhafte sowie süße Kuchen mit Kürbisbeteiligung zu haben.

Das erste Kürbisfest ist eine Art Ersatzfest für den Streuobsttag, bei dem der Förderverein heuer nicht mitmacht und der dieses Jahr im Rahmen der Gartenschau auf die Mühlwiesen nach Großheppach verlegt wurde. „Die Kürbissuppe war beim Streuobsttag immer ein Anreiz für die Besucher, hierherzukommen“, erklärt Diethard Jakob. Damit das Suppen-Vergnügen kein Jahr aussetzen muss, sei man auf die Idee eines Kürbisfests gekommen. Begünstigt durch die Kürbis-Köchin, die sich sofort bereiterklärt habe, in die Küche zu stehen. Sie ist mit ihrem Mann als 99. und 100. Mitglied Anfang des Jahres in den Verein eingetreten und bringt, wie sie sagt, gerne ihre Kürbis-Kochkünste ein.

Ein acht Kilogramm schwerer Moschuskürbis - „das ist der mit den Wülsten auf der Haut“ - sei am Vortag im großen Topf, in dem sie sonst gern Marmelade einkocht, verschwunden. Der habe ein feineres, maronenähnliches Aroma als der allseits beliebte Hokkaido. „Den nehmen die meisten nur, weil man ihn nicht schälen muss.“ Was alles drin ist in der Suppe, bleibt ihr Geheimnis. Immerhin: Sie verrät, dass sie insgesamt acht Gewürze mitgedünstet hat. „Auch etwas Chilli, aber nicht so viel, dass man das Gesicht verziehen muss.“ In den Gesichtern der Suppen-Verkoster ist denn auch einhellige Begeisterung abzulesen. „Absolut lecker“, meint die siebenjährige Alessia, die mit ihrer Mutter aus Schnait und mit einer Freundin aus Beutelsbach nach dem Essen auf Kürbissuche ins Museum geht. Im Stil einer Ostereiersuche gilt es, die zuvor von Diethard Jakob versteckten Kürbisse aufzuspüren. Auf Tischen, in Regalen und sonstigen Ecken schauen etliche Kürbissucher nach - die beiden sind eine Weile beschäftigt in der großen Ausstellungsfläche. Wie reichhaltig die Sammlung ist, erfahren jene Interessierte, die sich einer von zwei speziell zum Kürbisfest angebotenen Führungen mit Stadtarchivar Dr. Bernd Breyvogel anschließen. „Ich finde es toll, wenn hier offen ist und schaue regelmäßig vorbei“, sagt Alessias Mutter. „Hier ist einiges mehr geboten als immer nur Fernsehschauen.“

Besuchern, die im Museumsstüble Platz nehmen, fallen die originellen Dekorationen mit Kürbissen in alten Saucieren auf. Oder sie sagen, dass sie sich „vorkommen wie bei der Oma in der Stube“, wenn sie ein Stück Salzkuchen vom Teller mit Goldrand essen oder zum Suppelöffeln einen alten Silberlöffel in der Hand halten. Auch an den mit Kastanien und Äpfeln herbstlich dekorierten Tischen in der landwirtschaftlichen Scheune und im heimelig aufgeheizten Gewölbe-Weinkeller wird es gut voll. Der salzige Kürbiskuchen und der Salzkuchen sind schon kurz nach 14 Uhr weg. „Es läppert sich, es herrscht ein Kommen und Gehen“, sagt Gabriele Jakob vom Förderverein. Im ersten Stock, wo historische Handwerksgeräte ausgestellt sind, hat die Formen- und Farbenvielfalt der Kürbisse ein exponiertes Plätzchen gefunden: Auf einem Tisch sehen Besucher gesprenkelte, meist mehrfarbige Zierkürbisse mit Pocken auf der Haut und daneben essbare Kürbisse. Woran erkenne ich einen essbaren? „Probieren. Wenn er bitter ist, nicht weiteressen“, sagt Bärbel Güttinger.