Weinstadt

Ein Piks gegen Covid: So lief die Corona-Impfung im Wilhelmine-Canz-Zentrum

Altenheim
Magdalena Dobler vom Robert-Bosch-Krankenhaus setzt die Nadel am Arm einer Betreuerin im Wilhelmine-Canz-Zentrum an. Nach dem Piks gibt’s von der medizinischen Fachkraft ein „Pfläschterle“ und einen entsprechenden Vermerk im Impfpass. © Alexandra Palmizi

Am Dreikönigstag sind in diesem Jahr nicht die Weisen aus dem Morgenland ins Wilhelmine-Canz-Zentrum gekommen, sondern drei Gesandte aus dem Robert-Bosch-Krankenhaus. Auch sie hatten eine wertvolle Gabe dabei: den Impfstoff gegen Covid-19. An zwei Tagen haben Bewohner und Mitarbeiter der Pflegestation ihre erste Injektion bekommen. Doch längst nicht alle wollten sich impfen lassen – da stellt Großheppach keine Ausnahme dar. 

Rund 60 Prozent des Personals hat sich impfen lassen

Geimpft wird an diesem Donnerstagvormittag in einem Raum im Erdgeschoss des Wilhelmine-Canz-Zentrums. Weiter vorn im Foyer, hinter Trennwänden, werden parallel Abstriche genommen: Zweimal pro Woche müssen die Mitarbeiter im Haus einen Corona-Schnelltest über sich ergehen lassen. Das ist Pflicht. Für die Impfung hingegen konnten sich die Pflegerinnen und Pfleger freiwillig melden. Ein großer Teil der Belegschaft hat das nicht getan.

Dr. Gryta Alscher, die eines von fünf mobilen Impfteams des Robert-Bosch-Krankenhauses leitet, bekümmert das. Entgegen höheren Erwartungen hat sie in den vergangenen Tagen in verschiedenen Heimen im Umland von Stuttgart die Erfahrung gemacht: Wenn sich 50, 60 Prozent der Angestellten eines Pflegeheims impfen lassen, dann ist das „eine sehr gute Quote“.

Immerhin das gilt auch für das Wilhelmine-Canz-Haus: 46 von 80 Mitarbeitenden, die derzeit im Einsatz sind, haben sich für die Impfung angemeldet, also fast 60 Prozent (nicht gezählt wurden 13 weitere Mitarbeiter, die sich derzeit im Krankenstand oder im Erziehungsurlaub befinden beziehungsweise aufgrund einer Schwangerschaft nicht arbeiten dürfen).

Die Ärztin versucht, das Vertrauen in die Impfung zu stärken

Dr. Gryta Alscher hat zwei Gehilfinnen mitgebracht zu ihrem Einsatz in Großheppach: eine medizinische Fachkraft, die den Patienten die Nadel setzt, und eine Mitarbeiterin der Malteser, die jeden Piks dokumentiert. Die Medizinerin selbst ist am Mittwoch und Donnerstag vor allem für die Aufklärung und Fragen der Impfwilligen zuständig: Wie funktioniert der Stoff, den das Biotechnologieunternehmen Biontec gemeinsam mit dem Pharmakonzern Pfizer entwickelt hat? Sind 95 Prozent Wirksamkeit nun gut oder schlecht? Welche Nebenwirkungen könnten auftreten?

„Wir überreden hier niemanden“, sagt Dr. Gryta Alscher. Gleichwohl versuche sie, das „Vertrauen zu stärken“ in den Stoff, der einen 95-prozentigen Impfschutz biete – das sei ein großartiger Wert.

Dr. Alscher sagt, sie bitte alle, die ohne Komplikationen geimpft worden seien, Werbung dafür zu machen. Nur über das Impfen, ist sie überzeugt, lässt sich die Corona-Pandemie in den Griff bekommen.

Quote bei Bewohnern ist deutlich höher

Unter den Bewohnern, die allesamt zur Risikogruppe zählen, ist die Impfquote deutlich höher als beim Pflegepersonal. Am Ende der beiden Aktionstage im Wilhelmine-Canz-Zentrum haben nur neun von 67 Bewohnern in der stationären Pflege die erste Injektion nicht erhalten. Alle anderen werden innerhalb der nächsten drei Wochen ein zweites Mal gepikst und sind dann sehr wahrscheinlich für längere Zeit immun gegen Sars-CoV-2. Für viele von ihnen, wenn sie zum Beispiel fortgeschritten an Demenz erkrankt sind, haben die Angehörigen über die Impfung entschieden.

Schon im Dezember hatten die Verantwortlichen im Wilhelmine-Canz-Zentrum eine Abfrage bei den Bewohnern in der stationären Pflege beziehungsweise bei deren Angehörigen gestartet und auch das Personal im Haus um Rückmeldung gebeten. Schließlich gehören die Heimbewohner aus der Risikogruppe und ihre Pfleger zu den Ersten, die in Deutschland einen Anspruch auf die Corona-Impfung haben.

Am Donnerstagvormittag steht Heimleiterin Cilia Benedikt-Straub mit einem Filzstift vor dem Raum, in dem geimpft wird, und hakt Namen ab. Zwischendurch schickt sie den „Bufdi“, einen Mann, der hier seinen Bundesfreiwilligendienst absolviert, auf die Zimmer. Er soll jene Senioren abholen, die als Nächstes von Dr. Gryta Alscher zum Vorgespräch gebeten werden. Die Bettlägrigen wird das Impfteam später am Tag auf ihren Zimmern besuchen.

„Viele sagen: Ich warte erst mal ab, ich muss keine von den Ersten sein“

Die Heimleiterin selbst wartet noch auf ihre Injektion. Sie ist von der Sinnhaftigkeit der Impfung überzeugt, hat sich auch gegen die Grippe impfen lassen. Sie gibt aber zu, wegen der rasend schnellen Entwicklung und Zulassung des Vakzins zunächst unsicher gewesen zu sein. Neben ihr sitzt Seelsorgerin Bettina Müller. Sie ist eben geimpft worden und soll nun eine Viertelstunde ruhen, falls der Kreislauf Probleme macht. „Vernünftig und wichtig“ finde sie es, dass die Impfung zunächst für Mitarbeiter und Bewohner in Pflegeheimen zur Verfügung gestellt werde. „Für mich ist es eine Beruhigung, dass ich wahrscheinlich kein Risikofaktor bin, wenn ich hier im Haus arbeite“, sagt Bettina Müller.

Kurz darauf hat Betreuungskraft Nanny Rosin im Impfzimmer Platz genommen. Sie macht ihren Oberarm frei. Die medizinische Fachkraft Magdalena Dobler desinfiziert die Stelle, an der sie gleich die Nadel ansetzen wird. Nach der Spritze drückt Rosin ein Stück Mull auf die Einstichstelle. „Jetzt bekommen Sie noch ein Pfläschterle, und das war’s schon“, sagt Magdalena Dobler. Kurz nach der Nadel im Arm folgt für Nanny Rosin das Stäbchen in der Nase: Corona-Schnelltest. Negativ. Jetzt hat sie Zeit, mit dem Zeitungsredakteur zu sprechen.

Warum so viele ihrer Kolleginnen sich nicht für die Impfung angemeldet hätten? „Viele sagen: Ich warte erst mal ab, ich muss keine von den Ersten sein.“ Ihr sei die Entscheidung hingegen nicht schwergefallen: „Ich bin selbst Risikopatientin und ich arbeite im Pflegeheim. Die Impfung gibt mir ein besseres Gefühl.“

Am Dreikönigstag sind in diesem Jahr nicht die Weisen aus dem Morgenland ins Wilhelmine-Canz-Zentrum gekommen, sondern drei Gesandte aus dem Robert-Bosch-Krankenhaus. Auch sie hatten eine wertvolle Gabe dabei: den Impfstoff gegen Covid-19. An zwei Tagen haben Bewohner und Mitarbeiter der Pflegestation ihre erste Injektion bekommen. Doch längst nicht alle wollten sich impfen lassen – da stellt Großheppach keine Ausnahme dar. 

Rund 60 Prozent des Personals hat sich impfen

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