Weinstadt

Eine zentrale Kelter in Endersbach

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remstalkellerei Prinz-Eugen-Halle Generalversammlung der Remstalkellerei. Versammlung mit Rede vom Vorstandsvorsitzenden Felger. Bericht zur Neukonzeption der Traubenannahme, sprich: was passiert mit den Keltern. Wein Foto: Alexandra Palmizi © ZVW
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Modell der neuen Kelter in Endersbach. Bild: Remstalkellerei © ZVW
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remstalkellerei Prinz-Eugen-Halle Generalversammlung der Remstalkellerei. Versammlung mit Rede vom Vorstandsvorsitzenden Felger. Bericht zur Neukonzeption der Traubenannahme, sprich: was passiert mit den Keltern. Wein Foto: Alexandra Palmizi © ZVW

Weinstadt.
Manfred Felger sieht sich nach 17 Jahren am Ziel: In Endersbach wird eine zentrale Kelter für die Remstalkellerei gebaut. Nur hinter dem Grunderwerb steht noch ein kleines Fragezeichen. Voraussichtlich werden die rund 1250 Mitglieder ab 2018 ihre Trauben in Endersbach anliefern. Für den Vorstandsvorsitzenden ein Schritt in eine sichere Zukunft der Genossenschaft.

In den drei Jahren, in denen Manfred Felger als Vorstandsvorsitzender auch die Geschäfte der Remstalkellerei führt, hat die Genossenschaft nicht nur die Weichen für eine zentrale Traubenannahme gestellt, sondern auch ein drei Millionen Euro teures Sanierungsprogramm beendet, die Kosten in den Griff bekommen und das Traubengeld für die Mitglieder erhöht. Manfred Felger hat bei der Generalversammlung am Freitagabend in der Prinz-Eugen-Halle in Weinstadt-Großheppach bereits die personellen Weichen gestellt für das Jahr 2017, wenn er als Vorsitzender und Kellermeister Manfred Wipfler aus dem Vorstand ausscheiden. Felgers Nachfolger als Vorstandsvorsitzender soll Claus Mannschreck aus Strümpfelbach werden. Neuer technischer Betriebsleiter wird Jens Bolte, 37, der aktuell für die Produkt- und Qualitätssicherung in der Remstalkellerei zuständig ist. Die Position von Manfred Wipfler im Vorstand bleibt nach seinem Ausscheiden bis zu den nächsten turnusgemäßen Wahlen unbesetzt.

Manfred Felger zeigte sich rückblickend auf das Weinjahr 2015 sehr zufrieden. Die starke Trockenheit des Sommers wirkte sich zwar auf die Gesamtmenge aus, die gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozent niedriger ausfiel. Die geernteten Qualitäten waren jedoch hervorragend.

Der Startschuss für die zentrale Kelter ist gefallen, sagte Felger über das Sieben-Millionen-Euro-Projekt, das die Diskussionen unter den rund 1250 Mitglieder in den vergangenen Jahren prägte und auch in den kommenden Monaten und Jahren zu Debatten führen wird. Nachdem die Mitglieder bereits im vergangenen Jahr mehrheitlich für die Planung einer zentralen Traubenannahme votierten, stimmten im Frühjahr 2016 die Generalversammlungen der Ortsgenossenschaften mehrheitlich einer detaillierten Projektplanung zu. Lediglich Remshalden-Schorndorf schert aus und bleibt bei ihrer eigenen, noch relativ jungen Kelter. Am 18. Mai ist die neue Genossenschaft „Weingärtner Remstal eG“ gegründet worden. Sie fungiert künftig als Projektträger. Die nächsten Schritte sind nun der Grunderwerb sowie Ausschreibungen für die Wirtschaftsgebäude und die Technik. „Der Kelterneubau ist ein zukunftsweisendes Projekt und ein großer Schritt für die wirtschaftliche Entwicklung der Remstalkellerei“, so Felger. „Wir bündeln damit unsere Kräfte und investieren in die Zukunft des Weinanbaus im Remstal.“ Zurzeit nutzt die Remstalkellerei noch die neun teilweise veralteten Keltern der jeweiligen Ortsgenossenschaften. Diese sind kostenintensiv und für größere Anlieferungen nicht ausgelegt. Die bisherigen Keltern sollen verkauft werden, was rund die Hälfte der Investitionssumme für den Neubau einbringen soll.

Ganz unwidersprochen ging dieser Tagesordnungspunkt bei der Generalversammlung denn noch nicht über die Bühne. Ein Mitglied wies auf die knappen Mehrheiten hin, mit denen die zentrale Traubenannahme in den neun Ortsgenossenschaften beschlossen worden seien – sofern es überhaupt Mehrheiten gab. Für den Aufsichtsratsvorsitzenden Thomas Lenz gibt es aber schon aus wirtschaftlichen Gründen keine Alternative zur zentralen Annahme.

Das gleiche Mitglied hatte bereits seine Zweifel an der aus seiner Sicht zu optimistisch dargestellten wirtschaftlichen Entwicklung der Genossenschaft angemeldet und auf die um eine Million Euro gesunkenen Umsatzerlöse hingewiesen. Der Umsatzverlust sei der Preis für die Preiserhöhungen, die die Remstalkellerei am Markt durchzusetzen versuche, erklärte Lenz. Dass die Remstalkellerei auf dem richtigen Weg sei, beweise das Traubengeld, das mit 11 800 Euro je Hektar Rebfläche immerhin wieder im Durchschnitt der württembergischen Genossenschaften läge. (Ein weiterer Bericht folgt in unserer Montagausgabe).

Der Genossenschaftsverband hatte in seinem Prüfungsbericht die nach wie vor nicht zufriedenstellende Ertragslage der Genossenschaft kritisiert. Bei der Verkaufslösen läge die Remstalkellerei mit 2,66 Euro je Liter unter dem Durchschnitt. Auch das Traubengeld ist aus Sicht des Verbandes „nicht befriedigend“.

Bei den Wahlen sind das Vorstandsmitglied Werner Schaal wie auch die Aufsichtsräte Günter Bauer, Eckhart Hubschneider, Bernhard Mayer und Jörg Ritter mit großer Mehrheit wiedergewählt worden.

Remstalkellerei in Zahlen
Die Rebfläche der Remstalkellerei sinkt und betrug 2015 noch 563 Hektar. Zum Vergleich: 2011 waren es noch 611 ha. Der Trend geht zu größeren Betrieben: Die 26 großen Betrieben bewirtschaften inzwischen 209 ha (2006: 132 ha). Nebenerwerbsbetriebe (unter einem Hektar) hatten 2006 noch rund die Hälfte (307 ha); 2015 waren es nur noch 189 ha.
Im Jahr 2015 hat die Genossenschaft 7,25 Millionen Kilogramm Trauben eingelagert (2014: 7,7 Mio. kg, 2013: 7 Mio. kg). Auf Rotwein entfielen 4,16 Millionen Liter, auf Weißwein 1,35 Millionen Liter und auf Schiller rund 0,5 Millionen Liter.
Weingärtnern lohnt sich wieder. Die Remstalkellerei hat das Traubengeld für den Jahrgang 2011, der jetzt endabgerechnet wurde, auf 75 Ct./kg Trauben erhöht (2010: 59 Cent). Insgesamt zahlte die Genossenschaft 5,5 Millionen Euro an Traubengeldern aus. Der Umsatz sank 2015 auf 12,9 Millionen Euro (2014: 13,9 Mio. Euro).
Beschäftigt werden bei der Remstalkellerei 31 Personen, davon zehn in Teilzeit, drei Auszubildende und elf Aushilfen.