Weinstadt

Elternbeirat kritisiert AfD-Lehrer-Pranger

Der AfD-Abgeordnete Räpple hatte die Meldeplattform freigeschaltet_0
Der AfD-Abgeordnete Räpple hatte die Meldeplattform freigeschaltet. © ZVW/Danny Galm

Weinstadt.
Der baden-württembergische AfD-Landtagsabgeordnete Stefan Räpple hat eine digitale Meldeplattform freigeschaltet, auf der Schüler Lehrer melden können, die sich kritisch über die Partei äußern. Der Lehrer-Pranger ist seit Tagen nicht mehr online, nach AfD-Angaben ist der Grund dafür ein Hackerangriff. Das hat bundesweit für Entrüstung gesorgt – und der schließt sich auch der Gesamtelternbeirat der Weinstädter Schulen an.

"Beängstigend und gefährlich“

„Das erinnert an die dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte im letzten Jahrhundert, ist beängstigend und gefährlich“, heißt es in einer Stellungnahme des Gremiums, die der Vorsitzende Thomas Vuk unserer Zeitung zukommen ließ. Kinder würden dazu aufgerufen, ihre Lehrer zu denunzieren. „Es wird gezielt versucht, das Vertrauensverhältnis zwischen Lehrkräften, Schülern und Elternschaft zu beschädigen.“

Der Schulunterricht soll Kinder zu mündigen Bürgern erziehen. Dazu gehört laut dem Gesamtelternbeirat auch die sachliche Auseinandersetzung mit unterschiedlichen politischen Positionen. Diese politische Bildung sei von besonderer Bedeutung angesichts der Verantwortung aus den totalitären Erfahrungen des vergangenen Jahrhunderts. Die Lehrkräfte leisteten dadurch einen unverzichtbaren Beitrag zur Sicherung der freiheitlich-demokratischen Ordnung.

„Wir verurteilen die Meldeplattform aufs Schärfste"

Der „Beutelsbacher Konsens“, ein Grundsatz politischer Bildung und Ergebnis einer Tagung der Landeszentrale für politische Bildung 1976 in Beutelsbach, regelt den Umgang im Unterricht. Demnach dürfen Lehrer ihren Schülern nicht ihre Meinung aufzwingen und sie müssen gesellschaftlich kontroverse Themen auch kontrovers darstellen. Darüber hinaus regelt der Grundsatz, dass Schüler in die Lage versetzt werden, sich am politischen Leben zu beteiligen.

Bei Konflikten gibt es laut dem Gesamtelternbeirat einen Dienstweg, Eltern können sich an die Schulleitung wenden. „Wir verurteilen daher die Meldeplattform aufs Schärfste und stellen uns ausdrücklich hinter die Lehrerschaft und die Schulleitungen, denen wir unser vollstes Vertrauen aussprechen.“