Weinstadt

Erster bestätigter Corona-Fall in einer Asylunterkunft des Rems-Murr-Kreises

Corona Testzentrum
Testergebnis: positiv. Das Landratsamt vermeldet die erste offiziell bestätigte Corona-Infektion in einer der vom Rems-Murr-Kreis betriebenen Flüchtlingsunterkünfte. Foto: Büttnrer © Benjamin Büttner

Es gibt aktuell kaum noch Corona-Ansteckungen – Entwarnung aber ist nach wie vor nicht in Sicht, jederzeit können sich Brennpunkte bilden, vor allem in Einrichtungen, wo viele Menschen auf engem Raum beieinanderleben. Genau die Gefahr besteht aktuell: Zu vermelden ist der erste bestätigte Fall einer Infektion in einer der Flüchtlingsunterkünfte des Rems-Murr-Kreises. Betroffen: ein Bewohner des Asylheims im Großheppacher Heuweg.

Dass es früher oder später zu Coronafällen auch in Flüchtlingsheimen kommen würde, hatten Experten von Beginn der Krise an prognostiziert. Bei den Maßnahmen, die der Landkreis nach Bekanntwerden der Ansteckung ergriffen hat, geht es nun maßgeblich darum, ein Übergreifen des Virus auf andere Bewohner innerhalb und auch außerhalb der Unterkunft zu verhindern oder die Ausbreitung im Haus zumindest einzudämmen.

Der Corona-Verdacht keimte an Donnerstag

Am Donnerstag wurde bei dem Mann ein Abstrich genommen, da offenbar einschlägige Symptome vorlagen. Umgehend wurden sowohl der Mann als auch sein einziger Zimmergenosse innerhalb der Unterkunft in abgesonderte Räumlichkeiten verlegt, um Kontakte zu anderen Asylbewerbern zu verhindern.

Am Samstag lag dann das Testergebnis vor: positiv.

Daraufhin ergriff der Landkreis in Abstimmung mit der Weinstädter Stadtverwaltung und dem Kreisdiakonieverband weitere Schutzmaßnahmen:

  • Unverzüglich wurden sowohl „die infizierte Person“ als auch „dessen Zimmermitbewohner“ ganz aus der Unterkunft herausgenommen und in einem anderen leerstehenden Gebäude in Weinstadt untergebracht – „in getrennten Zimmern“, wie das Landratsamt in einer Pressemitteilung schreibt.
  • Enge Kontaktpersonen des Infizierten – also Leute, die mindestens 15 Minuten Gesicht an Gesicht mit ihm zu tun gehabt hatten – wurden umgehend ermittelt und unter Quarantäne gesetzt.
  • An alle übrigen Heimbewohner – selbst, wenn sie nicht als enge Kontaktpersonen eingestuft wurden – erging die Bitte, „die Unterkunft nach Möglichkeit nicht zu verlassen und streng auf die notwendigen Hygienemaßnahmen zu achten“.
  • Am Sonntag wurden dann Abstriche bei Heimbewohnern und Mitarbeitern genommen, „um schnellstmöglich Klarheit darüber zu bekommen, ob sich weitere Personen mit dem SARS-CoV-2-Erreger infiziert haben“, wie es in der Pressemitteilung heißt. Die Testergebnisse stehen noch aus. Sie dürften bis spätestens Mitte der Woche vorliegen.
  • Wenn feststeht, ob es weitere Ansteckungen im Heuweg gab – und wenn ja, wie viele –, wird zu entscheiden sein, ob die bisher eingeleiteten Schutzregeln ausreichen oder noch weitergehende Schritte erfolgen müssen.

Insgesamt derzeit kaum Corona-Infektionen im Rems-Murr-Kreis

„Auch wenn die Corona-Neuinfektionen bundesweit derzeit erfreulicherweise weiter zurückgehen, müssen wir vom Auftreten neuer Infektionsherde weiterhin ausgehen“, kommentiert Peter Zaar, Gesundheitsdezernent im Landratsamt. Es sei entscheidend wichtig, solche Brennpunkte „frühzeitig zu erkennen und schnellstmöglich unter Kontrolle zu bringen“. Nach derzeitigem Stand spricht einiges dafür, dass das im Großheppacher Heuweg gelingen könnte. „Ich fürchte aber, das Virus wird uns noch länger beschäftigen“, folgert Zaar aus dem aktuellen Vorfall. Es gelte, „weiterhin achtsam zu bleiben“.

Zwischen dem 30. Mai und dem 5. Juni hat es im Rems-Murr-Kreis nur zwölf offiziell bestätigte Neuinfektionen gegeben. Die Warnschwelle für den Kreis liegt bei 150 Ansteckungen binnen sieben Tagen; ein Alarm, der weitergehende Maßnahmen erfordert, wird bei 213 Ansteckungen ausgelöst (die Zahl entspricht 50 Infektionen pro 100 000 Einwohner).