Weinstadt

Für Klimaschutz mit Konzept: Weinstadt startet Holzbauoffensive

wirtschaftsbeilage Rikker
Holz: Der klimafreundliche Baustoff der Zukunft? © Benjamin Büttner

Städtebau auf der Basis von Holz soll Bestandteil des kommunalen Klimaschutzes werden. Das hat der Gemeinderat Ende Februar einstimmig beschlossen.

Grundlage für die Diskussion war die Teilnahme der Stadt Weinstadt an einem Ideenaufruf der Holzbauoffensive Baden-Württemberg, mit der sich die Stadt nun schon für die zweite Stufe eines umfassenden Förderprogramms des Landes qualifiziert hat.

Land fördert Städtebau mit Holz mit 6,5 Millionen Euro

Das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg hat den Ideenaufruf „Holzbau als Bestandteil des kommunalen Klimaschutzes“ laut Stadtverwaltung im Herbst 2020 gestartet.

Im Mittelpunkt stehen dabei nicht etwa einzelne Bauprojekte aus Holz, Kommunen sollen vielmehr bei der Entwicklung von Mechanismen und Wegen, die zur Umsetzung von Holzbauprojekten führen, finanziell unterstützt werden. Für den Ideenaufruf und die zugehörigen Förderverfahren stehen demnach insgesamt 6,5 Millionen Euro zur Verfügung.

Städtebau nach klimafreundlichen Gesichtspunkten ausrichten

Das Förderprogramm soll der Stadt Weinstadt dabei helfen, klimafreundliche städtebauliche Instrumente zu entwickeln, mit denen sich die gesamte städtebauliche Planung nach Gesichtspunkten des Klimaschutzes ausrichten lässt, erläutert Dennis Folk, Leiter des Stadtplanungsamts.

Gerade alte, aber noch rechtskräftige Bebauungspläne stellen dabei laut Stadt nicht selten ein Problem dar. Der erste Schritt in diese Richtung sei schon gelungen: Gemeinsam mit dem Planer-Büro Ebök aus Tübingen hat die Stadt eine Ideenskizze entworfen und diese im Rahmen der Bewerbung für die Förderstufe eins beim Land eingereicht.

Mit Plänen für die Furchgasse fing alles an

In dieser Skizze war es laut Stadt ganz konkret um das neue Schnaiter Wohngebiet Furchgasse gegangen: An diesem Beispiel haben die Planer eine städtebauliche Strategie für das Bauen mit Holz auf Quartiersebene entwickelt. Hier sind ohnehin schon Holzfassaden laut Bebauungsplanentwurf ausdrücklich erwünscht, die neuen Gebäude sollen außerdem den Kriterien des European Energy Award (EEA) entsprechen, an dem Weinstadt seit 2017 teilnimmt.

Diese Kriterien sind ebenfalls Bestandteil des Bebauungsplans und der Weinstädter Bauvorschriften. Mit der Ideenskizze zur Furchgasse wurde Weinstadt im Mai 2021 als eine von insgesamt 26 Kommunen im Land in die erste Förderstufe aufgenommen und hat die maximale Mittelzuwendung in Höhe von rund 20 000 Euro erhalten. Insgesamt hatten 44 Kommunen in Baden-Württemberg Anträge eingereicht.

Projektteam aus Stadtplanern, Energieexperten und Architekten

Im Rahmen der ersten Förderstufe musste an der Ideenskizze weitergearbeitet werden. Um ein umfassendes Umsetzungskonzept erstellen zu können, habe man ein Projektteam zusammengestellt, so Dennis Folk. Er als Leiter des Stadtplanungsamtes ist mit im Boot, genauso wie ein Experte vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg, ein Diplom-Geograf vom Büro Ebök und mehrere Architekten und Bauphysiker, die sich mit dem Baustoff Holz gut auskennen.

Im vergangenen Sommer hat dieses Projektteam den ursprünglichen Entwurf so weiterentwickelt und konkretisiert, dass es darin mittlerweile nicht mehr nur um das Baugebiet Furchgasse geht – der Entwurf bezieht sich nun auf die gesamte Stadtentwicklung in Weinstadt. Unter dem langen Titel „Holzbau als Lösungsstrategie für einen nachhaltigen Städtebau: Nachverdichtung im Bestand, Revitalisierung von Gewerbegebieten, Neuerschließung von Wohngebieten“ soll mit einem brandneuen Umsetzungskonzept im Rahmen der zweiten Förderstufe nun eine neue Ära in der städtebaulichen Planung der Stadt Weinstadt anbrechen.

Land übernimmt Löwenanteil der Kosten

Für das Projekt sind Gesamtkosten von rund 325.000 Euro angesetzt. Gefördert werden davon vom Land satte 80 Prozent, für die Stadt verbleibt ein Eigenanteil von 65.000 Euro, der auf die zwei Jahre verteilt werden soll, die als Projektlaufzeit angesetzt sind. Erhalten hat die Stadt die Fördermittel noch nicht, mit dem durch das Ministerium ausgestellten Teilbescheid soll es jetzt aber so schnell wie möglich losgehen.

Eine wichtige Rolle bei der Umsetzung dieser Holzbauoffensive soll den Weinstädter Bürgern zukommen: „Die Bürgerbeteiligung geht quasi die ganze Zeit durch“, so Dennis Folk. Als konkrete Maßnahmen sieht das Konzept das Erstellen von Leitlinien zur Entwicklung nachhaltiger Quartiere vor, die Konzentration bei der Planung auf ressourceneffiziente und klimaschonende Lösungen sowie die Entwicklung und Begleitung von Modellvorhaben. Auch Privatleute sollen Hilfestellung beim nachhaltigen Bauen bekommen können.

Stadträte begrüßen das neue Konzept

Den Fraktionen gefällt das Konzept gut: Es sei eine gute Maßnahme, die dem Ziel der Stadt, bis 2035 klimaneutral zu werden, zuträglich sei, lobte Manfred Siglinger, Fraktionsvorsitzender der Grünen Offenen Liste (GOL).

Auch CDU-Gemeinderat Friedrich Dippon, von Beruf Zimmermann und Inhaber einer Holzbau-Firma, begrüßte die Pläne der Stadt ausdrücklich: „Hier geht’s um effektiven Klimaschutz“, so Dippon.

Städtebau auf der Basis von Holz soll Bestandteil des kommunalen Klimaschutzes werden. Das hat der Gemeinderat Ende Februar einstimmig beschlossen.

Grundlage für die Diskussion war die Teilnahme der Stadt Weinstadt an einem Ideenaufruf der Holzbauoffensive Baden-Württemberg, mit der sich die Stadt nun schon für die zweite Stufe eines umfassenden Förderprogramms des Landes qualifiziert hat.

Land fördert Städtebau mit Holz mit 6,5 Millionen Euro

Das

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper