Weinstadt

Fast wie eine richtige WG

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Sie leben gern im Wohnheim der Evangelischen Fachschule (von links): Swantje Boiar, Charlotte Müller, Verena Frantz, Mai Nguyen Phuong und Melissa Kaschuba. © Habermann / ZVW
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Charlotte Müller (links) besucht Swantje Boiar in ihrem Zimmer. © Habermann / ZVW
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Viel Geld müssen Bewohnerinnen wie Verena Frantz (links) und Katerina Kruse für die Unterkunft nicht bezahlen – und das Frühstück ist im Preis inbegriffen. © Habermann / ZVW
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Die Gemeinschaftsküche ist ein Treffpunkt für die Bewohnerinnen. Von links: Katerina Kruse, Verena Frantz, Melissa Kaschuba, Swantje Boiar, Mai Nguyen Phuong und Charlotte Müller. © Habermann / ZVW

Weinstadt-Beutelsbach. Sie haben einen Garten zum Sonnen, eine Gratis-Sauna und eine Riesenküche: Im Jungen Wohnen der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik leben junge Frauen von 17 bis 27 – fast wie in einer richtigen WG.

Video: Swantje, Charlotte und Verena fühlen sich wohl im Wohnheim.

Wenn sich Charlotte Müller mal zurückziehen will, dann macht sie einfach ihre Zimmertür zu. So viel Privatsphäre ist im Wohnheim der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik ohne Probleme möglich. Denn Konflikte gibt es unter den jungen Frauen natürlich immer mal wieder. „Ich habe hier sehr gute Erfahrungen gemacht mit den Mädels – aber man muss ja nicht jeden mögen“, sagt die 19-Jährige und lächelt. Vor eineinhalb Jahren hatte sich Charlotte Müller die Fachschule schon mal angesehen und sich damals dagegen entschieden. Nun hat sie in diesem Jahr nach Umwegen ihre Erzieherausbildung doch in Beutelsbach begonnen – und es nicht bereut. Mit Schulgeld zahlt sie knapp 300 Euro, inklusive Frühstück und Putzmittel. Mittags können die Schülerinnen in die Kantine gehen – müssen sie aber nicht. „Man kann auch hier oben kochen, was man möchte, wenn einem das Essen nicht schmeckt.“ Charlotte Müller gefällt es jedenfalls im Wohnheim so gut, dass sie hier bis zum Ende der Ausbildung bleiben will – und da ist sie nicht die Einzige.

„Das ist zum Schutz der Bewohnerinnen“

Derzeit sind überhaupt nur ein Platz im Doppelzimmer und ein Einzelzimmer unbelegt. Cornelia Staib, die bei der Großheppacher Schwesternschaft das Junge Wohnen in der Fachschule betreut, wundert das nicht. Die Miete ist niedrig, die Schule ist im selben Gebäude, die S-Bahn-Haltestelle nicht weit – und es gibt viele Freiheiten. So können die Frauen tagsüber bis 22 Uhr Besuch bekommen, sei es von ihrem Freund, der Familie oder Freunden. Obwohl die Großheppacher Schwesternschaft durchaus für christlich-konservative Werte steht, heißt das nicht, dass das Wohnheim eine männerfreie Zone ist. Cornelia Staib legt nur auf eines Wert: Wenn jemand im Zimmer einen Gast übernachten lassen will, dann muss die Person ihr Bescheid geben. „Das ist zum Schutz der Bewohnerinnen.“

Auch Externe wohnen in der Fachschule

Cornelia Staib liebt ihre Arbeit. Bis 2010 war sie Lehrerin für Musik und Bewegungserziehung. Nach drei Jahren Studium in Zürich ist die Beutelsbacherin nun seit drei Jahren fürs Wohnheim zuständig, das sich seither sehr gewandelt hat. Früher gab es nur 16 Plätze für Schülerinnen der Evangelischen Fachschule, verteilt auf ein Stockwerk. Seit die Schwestern aus dem oberen Stockwerk ins Wilhelmine-Canz-Zentrum in Großheppach gezogen sind, wurde aufgestockt. Die Zimmer wurden renoviert, dazu die Duschen und Toiletten, und bis Anfang des Jahres werden auch noch die Flure aufgehübscht. Außerdem wurde das Konzept geändert: Nun können sich auch junge Frauen ein Zimmer mieten, die gar nicht die Schule besuchen. Melissa Kaschuba (24) ist zum Beispiel längst mit ihrer Ausbildung fertig. Sie arbeitet als Altenpflegehelferin im Beutelsbacher Luitgardheim, wohnt aber als Externe in der Fachschule. Sie lebt in einem der zwei Apartments, das nicht nur aus einem Zimmer besteht, sondern auch eine eigene Küche und ein eigenes Bad hat. Studentinnen, Praktikantinnen, Bundesfreiwilligendienstleistende – sie alle können ein Zimmer erhalten, solange sie zwischen 17 und 27 Jahre alt sind.

„Und ab und zu gehen wir einen Cocktail trinken“

Wer ins Wohnheim zieht und denkt, dass er sich um nichts mehr kümmern braucht, denkt allerdings verkehrt. Es gibt Putzpläne für die Gemeinschaftsräume, lediglich die Toiletten werden von einer Reinigungskraft gesäubert. Einmal im Monat gibt es eine Wohnheimkonferenz, auf der alles besprochen wird, was die Frauen umtreibt. Auch Gemeinschaftsaktivitäten werden da geplant, wie etwa das Raclette-Essen im Advent. „Und ab und zu gehen wir einen Cocktail trinken“, sagt Cornelia Staib. Sie ist immer von 16 bis 21.30 Uhr für die jungen Frauen da, hilft beim Lernen genauso wie bei anderen Dingen.

An sich sind die Bewohnerinnen mit ihrer Wohnsituation mehr als zufrieden. So können sie zum Beispiel jeden Dienstag und Mittwoch die hauseigene Sauna aufsuchen. „Die nutzen wir – da geht’s ab“, sagt Verena Frantz (21). Sie stammt aus Grunbach, ist mittlerweile im dritten Ausbildungsjahr an der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik. Toll findet sie auch den Garten, der von den Schwestern der Großheppacher Schwesternschaft gepflegt wird. Dort sonnen sich die jungen Frauen gerne, außerdem können sie dort auch Volleyball und Badminton spielen. „Da muss man nicht ins Freibad“, findet Verena Frantz. Und für die Zukunft ist noch eine Grillstelle geplant.

Mittagessen gibt es für 3,50 Euro

Wenn sie was verbessern könnte, dann würde Verena Frantz beim Frühstück anfangen. Kaffee, sagt sie, werde gar nicht so viel getrunken, dafür sei Saft sehr beliebt – aber den gebe es nur jeden zweiten Tag. Mit dem Mittagessen wiederum ist sie zufrieden, für den Preis von 3,50 Euro gibt es hier für die Schüler immerhin eine Suppe, ein Hauptgericht, einen Nachtisch und einen Salat („Das Salatbüffet ist sehr gut“).

Während für Verena Frantz der Umzug von Grunbach nach Beutelsbach nun nicht gerade eine Weltreise war, ist Swantje Boiar für ihre Erzieherausbildung extra von der Ostseeinsel Fehmarn ins Remstal gezogen. Für die 18-Jährige war die Evangelische Fachschule erste Wahl – nicht zuletzt wegen der Unterkunft. „Ich wollte schon immer mal im Internat wohnen.“

Die Fachschule

Rund 400 Frauen und Männer besuchen derzeit die Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik, die sich neben dem Mutterhaus der Großheppacher Schwesternschaft befindet. Wer hier Schüler ist, kann auf unterschiedlichen Wegen Erzieher werden.

Zum einen gibt es die klassische dreijährige Ausbildung mit zwei Jahren Schule mit Praxisphasen und anschließendem einjährigen Berufspraktikum. Dann gibt’s noch die praxisintegrierte Ausbildung, genannt Pia, in der sich Schul- und Praxisphasen abwechseln sowie eine Ausbildung in Teilzeit.

Das Junge Wohnen ist an die Fachschule angegliedert, richtet sich aber an alle Frauen zwischen 17 und 27, unabhängig davon, ob sie die Schule besuchen. Fragen dazu beantwortet Leiterin Cornelia Staib: 0 71 51/9 93 41 36.