Weinstadt

Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg in Endersbach?

Gas Schorndorfer Str
Hier soll im September und Oktober die Wasserleitung erneuert werden. © Gabriel Habermann

Besteht die Gefahr, dass in Endersbach Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden werden? Tatsache ist, dass die Weinstädter Stadtwerke bei der bevorstehenden Auswechslung einer Wasserleitung in der Schorndorfer Straße einen Mitarbeiter einer Kampfmittelbeseitigungsfirma hinzuziehen wollen. Grund dafür ist eine Luftbildauswertung im Vorfeld der Baumaßnahme, die darauf hindeutet, dass im Boden Kampfmittel gefunden werden könnten. Dazu kommt, dass die im Gehweg liegende Wasserleitung parallel zu einer Hochdruck-Gasleitung verläuft.

Gab es überhaupt schon mal Bombenfunde in Weinstadt?

Ende der Sommerferien, in der ersten Septemberwoche, sollen laut Stadtwerke-Geschäftsführer Thomas Meier die Arbeiten beginnen. Das sagte er Ende Mai unserer Zeitung. Die Arbeiten erfolgen auf einer Länge von rund 70 Metern Hauptleitung und 20 Metern Hausanschlussleitung – und zwar auf Höhe der Einmündung in die Birkelstraße respektive der Esso-Tankstelle. Die Gefahr, dass in der Schorndorfer Straße Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden werden könnten, wirft indes Fragen auf. Heißt das, dass während der Bauarbeiten möglicherweise ein größeres Gebiet evakuiert werden muss? Wie lang dauert überhaupt die Entschärfung einer Bombe? Und gab es überhaupt schon mal nachgewiesene Bombenfunde in Weinstadt?

Luftbildaufnahmen aus dem Zweiten Weltkrieg

Unsere Zeitung hat mit jemandem gesprochen, der Antworten auf solche Fragen hat. Mathias Peterle arbeitet beim Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes, der im Regierungspräsidium Stuttgart angesiedelt ist. Dass eine Kampfmittelbeseitigungsfirma wie im Fall von Weinstadt kontaktiert wird, ist bei Eingriffen ins Erdreich nach seiner Darstellung nötig. Grundlage sei hier eine entsprechende Richtlinie der Berufsgenossenschaft. Zu Beginn würden Luftbildaufnahmen aus dem Zweiten Weltkrieg ausgewertet, die zeigen, ob Amerikaner oder Briten in dem betroffenen Areal Bomben abgeworfen haben. Diese hatten es meist auf Infrastruktureinrichtungen wie Bahnhöfe, Großstädte und Industrie abgesehen. Wenn dann auch kleinere Gemeinden getroffen wurden, lag dies laut Mathias Peterle oft an der fehlenden Präzision. „Genaue Navigation wie heute gab es nicht.“ Die Briten hätten zudem oft nachts angegriffen – mit der Folge, dass die Treffgenauigkeit ebenfalls abgenommen habe.

Das führt letztlich dazu, dass die Kampfmittelbeseitigung auch in einer Stadt wie Weinstadt zum Thema werden kann. Da der Dienst des Landes laut Mathias Peterle für ganz Baden-Württemberg nur 34 Mitarbeiter hat (24 davon im Außendienst), ist es aus seiner Sicht nur logisch, dass Aufträge wie im Weinstädter Fall von privaten Firmen erledigt werden.

Was passiert, wenn eine Bombe gefunden wird?

Wird bei den Tiefbauarbeiten im August in der Erde tatsächlich eine Bombe gefunden, müsste die parallel verlaufende Hochdruck-Gasleitung abgestellt und entlüftet werden. Dies, erklärt Mathias Peterle, erfolge in Absprache mit dem Versorgungsunternehmen. Dann spielt es eine Rolle, wie tief die Bombe in der Erde liegt, wie groß sie ist und um welchen Typ es sich handelt.

Bei der Frage, ob ein Gelände in einem bestimmten Radius evakuiert werden muss, ist das Gewicht der Bombe entscheidend. In Baden-Württemberg gilt folgende Faustregel: Unter 250 Kilo wird im Umkreis von 300 Metern evakuiert, zwischen 250 und 500 Kilo wird im Umkreis zwischen 300 und 500 Metern das Gebiet geräumt. Laut Mathias Peterle habe der Rekord beim Radius im Land bei etwa 760 Metern gelegen. In anderen Bundesländern sei es indes üblich, grundsätzlich innerhalb eines Umkreises von 1000 Metern zu evakuieren. „Das ist aber ein Riesenaufwand.“

Je länger die Bombenabwürfe zurückliegen, desto stärker wird das Material in Mitleidenschaft gezogen – und das hat Auswirkungen auf die Arbeit. „Die Entschärfungszeiten werden immer länger werden. Ich war schon bei Entschärfungen dabei, die haben drei, vier Stunden gedauert“, sagt Mathias Peterle. Vorsicht ist in diesem Job schließlich das oberste Gebot.

Phosphorbrandbombe in Strümpfelbach gefunden

Es ist übrigens in Weinstadt schon mal vorgekommen, dass Kampfmittel beseitigt werden mussten. Mathias Peterle nennt den Fund von Abwurfmunition 1997 in Strümpfelbach. Dabei habe es sich um eine Phosphorbrandbombe gehandelt. „Das ist ein Kampfmittel, das nicht gesprengt wird.“ Wichtig sei hier, dass es luftdicht verschlossen abtransportiert wird.

Bei der Auswechslung der Wasserleitung in der Schorndorfer Straße gibt es übrigens neben einem möglichen Bombenfund und der parallel verlaufenden Gasleitung noch eine weitere Herausforderung: teerhaltiges Material im Untergrund. Als die Schorndorfer Straße einst neu gebaut wurde, da wurde sie laut dem Weinstädter Stadtwerke-Chef Thomas Meier einfach über der alten errichtet. Das rächt sich nun. Teer ist giftig, vor allem seine Dämpfe. Er enthält polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die das Erbgut schädigen.

Die parallel verlaufende Hochdruck-Gasleitung soll im Zuge der Maßnahme von der Netze BW (Tochter des EnBW-Konzerns) neu verlegt werden. Das Unternehmen soll auch die Kosten für die Verkehrssicherung und die Kampfmittelbeseitigung anteilig den Stadtwerken erstatten. Der Betrag soll bei rund 30 000 Euro liegen. Die Gesamtmaßnahme selbst kostet die Stadtwerke 225 000 Euro. Thomas Meier rechnet damit, dass die Baumaßnahme durchaus sechs bis acht Wochen in Anspruch nehmen könnte. Bei einem Start Anfang September würde sie also im schlechtesten Fall bis Anfang November andauern.

Besteht die Gefahr, dass in Endersbach Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden werden? Tatsache ist, dass die Weinstädter Stadtwerke bei der bevorstehenden Auswechslung einer Wasserleitung in der Schorndorfer Straße einen Mitarbeiter einer Kampfmittelbeseitigungsfirma hinzuziehen wollen. Grund dafür ist eine Luftbildauswertung im Vorfeld der Baumaßnahme, die darauf hindeutet, dass im Boden Kampfmittel gefunden werden könnten. Dazu kommt, dass die im Gehweg liegende Wasserleitung

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