Weinstadt

Freispruch im Prozess um demoliertes Auto vor Asylunterkunft in Weinstadt

Obdachlosenunterkunft
Immer wieder gibt es in den Unterkünften am Heuweg Probleme. Zwei Ursachen: Frust, beengte Verhältnisse und zu viel Alkohol. © Gabriel Habermann

Weil er zur Tatzeit schuldunfähig war, hat das Stuttgarter Landgericht den Asylsuchenden, der vor der Unterkunft im Großheppacher Heuweg das Auto eines Security-Mannes demoliert hat, freigesprochen. Der Mann steht allerdings unter Vorbewährung: Passiert so etwas noch einmal, wird er in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen. Weil das schon dieses Mal im Raum stand, war der Fall vom Amtsgericht Waiblingen an die höhere Instanz übermittelt worden. Ein Gutachter war zu dem Ergebnis gekommen, der Angeklagte leide unter einer „schizoaffektiven Störung, am besten als manisch zu bezeichnen“. Der Mann habe eine „erheblich eingeschränkte Steuerungsfähigkeit“.

Den Schaden bekommt der Sicherheitsmann ersetzt

750 Euro von dem Schaden in Höhe von 3500 Euro an dem Auto des Security-Mannes hatte der Beschuldigte zum Zeitpunkt des Prozesses vor der neunten großen Strafkammer unter Vorsitz von Richter Rainer Gless bereits bezahlt. Die Verteidigerin des angeklagten Pakistani, Saskia Hölscher aus Waiblingen, sorgt dafür, dass der Rest in Raten abgestottert wird. Der 30-jährige Security-Mann war nicht verletzt worden, als der Asylbewerber mit einem der Stühle, mit denen er das Auto zertrümmert hatte, auf ihn losgehen wollte.

Keine Erinnerung mehr an den Vorfall

Ob der 46-jährige Pakistani überhaupt wusste, was er tat, musste sich das Gericht in diesem Fall von vornherein fragen. Er war zur Tatzeit, am Abend des 30. September vergangenen Jahres, sturzbetrunken gewesen. Vor Gericht hat der Mann ein Geständnis abgelegt, obgleich er an seine Krawallmacherei mit den Stühlen gar keine Erinnerung mehr hat.

Der Zorn auf die Security-Mitarbeiter ist ihm jedoch mehr als gegenwärtig, war er doch mit deren Arbeit in dem Männerheim überhaupt nicht einverstanden. Derjenige, dem er das Auto zertrümmerte, war auch noch arabischer Herkunft und Muslim, wohingegen er als ehemaliger Islam-Lehrer dieser Glaubensrichtung längst den Rücken gekehrt hatte.

Die Ehefrau und die drei Töchter des früheren Goldschmieds und Islam-Lehrers leben noch in Pakistan, wohin der Mann aus dem Großheppacher Männerwohnheim im Oktober ausreisen soll. Sein Asylantrag wurde abgelehnt, obgleich er schon seit 2015 in Deutschland lebt. In der Container-Unterkunft am Heuweg, wo viele Männer auf engem Raum leben, ist er nicht der Einzige, der zu viel Alkohol trinkt – etwas, das er aus Pakistan gar nicht kannte.

Woher rührt der Groll auf die Security?

Als Motiv dafür, dass sich der Groll auf die Security am Auto eines deren Mitarbeiters entladen hat, gibt der Pakistani an, es hätte ihn aufgeregt, dass in der Asylbewerber- und Obdachlosenunterkunft, in der etwa 70 Männer untergebracht sind, mit Drogen gedealt würde. Wie es die Öffentlichkeit aufnahm, dass ein Mann mit Stühlen alle Scheiben an einem Auto einschlägt und die Karosserie auch noch demoliert, bekam dieser am nächsten Tag – als er wieder nüchtern war – von anderen Leuten erzählt.

Der Mann will nicht zurück nach Pakistan

Selber hatte er einen sogenannten Filmriss, und das war auch kein Wunder bei mindestens 1,8 Promille zur Tatzeit. Wie sagte noch der 30-jährige Security-Mann im Zeugenstand? „Der war wild wie ein Verrückter, hat auf den Islam geflucht, und als die Polizei kam, hat er sich einfach umfallen lassen.“ Nächtigen musste der zerstörungswütige Krawallmacher in der Gewahrsamszelle der Polizei, und wenn er sich so etwas noch mal leistet, gilt das als Bewährungsbruch und Eintrittskarte in die geschlossene Psychiatrie.

Abgeschoben werden kann er trotzdem nach Pakistan, wo er aber nicht mehr hinwill, weil er nach eigenen Angaben 2014 von der Muttahida-Qaumi-Bewegung (MQM) entführt und verletzt worden ist.

Weil er zur Tatzeit schuldunfähig war, hat das Stuttgarter Landgericht den Asylsuchenden, der vor der Unterkunft im Großheppacher Heuweg das Auto eines Security-Mannes demoliert hat, freigesprochen. Der Mann steht allerdings unter Vorbewährung: Passiert so etwas noch einmal, wird er in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen. Weil das schon dieses Mal im Raum stand, war der Fall vom Amtsgericht Waiblingen an die höhere Instanz übermittelt worden. Ein Gutachter war zu dem Ergebnis

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