Weinstadt

Friseur Oliver Scholz: Schließung wegen steigender Corona-Infektionszahlen wäre „Willkür“

Scholz Academy
Friseurmeister Oliver Scholz hält nichts davon, die Salons zu schließen, wenn der Rems-Murr-Kreis zum Hotspot wird. „Da von Friseuren keine Infektion ausgeht, kann eine Schließung in Folge nichts bewirken, außer wirtschaftlichen Schaden.“ © Alexandra Palmizi

Die Infektionszahlen mit dem Coronavirus steigen weiter, die Todeszahlen ebenfalls. Der Rems-Murr-Kreis ist auf dem Weg zum Hotspot: Strengere Einschränkungen von kommenden Montag an sind wahrscheinlich. Eine entsprechende Allgemeinverfügung aus dem Landratsamt würde auch die Schließung von Friseursalons bedeuten. Bei dem Weinstädter Friseurmeister Oliver Scholz stößt dieser Plan auf Unverständnis: „Dem für den Erlass zuständigen Sozialminister Manne Lucha ist Willkür zu unterstellen“, schimpft der 56-Jährige, der Vorstandsmitglied der Friseur- und Kosmetik-Innung Rems-Murr ist.

Friseure haben Maßnahmen zum Infektionsschutz ergriffen

Erinnerungen an das Frühjahr werden wach: Von Ende März bis Anfang Mai waren die Friseursalons wegen der Coronakrise erstmals geschlossen – manche griffen in dieser Zeit selbst zur Schere oder baten Familienmitglieder um Hilfe. Seit der Wiedereröffnung vor einem halben Jahr gilt: Haareschneiden nur mit Maske. Sowohl Kunden als auch Friseurinnen und Friseure haben sich daran zu halten. Darüber wurden weitere Maßnahmen zum Infektionsschutz ergriffen, wie Oliver Scholz berichtet, der im Rems-Murr-Kreis insgesamt zehn Filialen betreibt. Es sei in Lüftungsanlagen investiert worden, Arbeitsplätze wurden reduziert. Es seien Scheiben als „Spuckschutz“ aufgestellt, Markierungen zur Einhaltung des Mindestabstands aufgeklebt, Desinfektionsmittel beschafft worden, Mitarbeiter geschult, ... Kurz: „Friseursalons sind ein absolut sicherer Ort!“

Hausbesuche von Friseuren hingegen, deren Möglichkeit Landrat Dr. Richard Sigel für den Fall eines Lockdowns prüfen lassen möchte, „erhöhen das Risiko deutlich“, sagt Oliver Scholz.

Der Friseurmeister erinnert an eine Aussage von Jens Spahn

Als Vorstandsmitglied der Rems-Murr-Innung der Friseure spricht Oliver Scholz nicht nur für sich selbst. Und geht mit der Politik hart ins Gericht. Er habe überhaupt kein Verständnis für die angekündigte Schließung, sagt Scholz. Diese wird vollzogen, wenn der Rems-Murr-Kreis an drei Tagen in Folge eine Inzidenz von über 200 bei den Corona-Neuinfektionen aufweist.

Oliver Scholz verweist auf Gesundheitsminister Jens Spahn. Dieser hatte am 1. September eingeräumt: „Man würde mit dem Wissen heute keine Friseure und keinen Einzelhandel mehr schließen.“ Bundesweit, sagt Oliver Scholz, sei den Verantwortlichen nicht eine Ansteckung von Friseur zu Gast oder umgekehrt bekannt. „Im Fall der Hotspotstrategie hätte Sozialminister Manne Lucha das Verwenden der FFP2-Maske einführen können. Da von Friseuren keine Infektion ausgeht, kann eine Schließung in Folge nichts bewirken, außer wirtschaftlichen Schaden.“

Schaden wäre in der Vorweihnachtszeit besonders groß

Dieser Schaden wäre in der Vorweihnachtszeit nach Scholz’ Einschätzung besonders groß. „Im Falle einer Hotspot-Schließung im Remstal ist das eine willkürliche Ungleichbehandlung. Kundinnen und Kunden werden in benachbarte Landkreise ,gezwungen‘. Somit trifft uns der wirtschaftliche Schaden in den wichtigsten zwei Wochen des Jahres nachhaltig. Die Monate Oktober und November waren pandemiebedingt beeinträchtigt. Die Friseure hofften auf ein gutes Weihnachtsgeschäft. Der Mai-Boom wird im Januar ausbleiben.“ Derzeit sei die Existenz der Friseure noch nicht durch Finanzhilfen gesichert, sollte es zu einer erneuten Schließung kommen.

Wenn schon neue Maßnahmen, dann für alle? Aus Scholz’ Sicht wäre ein „harter Lockdown“ die „sinnvollste Strategie“, um „die Situation in den Griff zu bekommen“.

Derzeit erleben die Friseure einen regelrechten Ansturm

An der Rechtmäßigkeit der Hotspot-Schließung zweifelt der 56-Jährige hingegen. Schließlich gelte laut Grundgesetz das Recht, seinen Beruf auszuüben: „Jeder Friseursalon im Rems Murr-Kreis oder den bereits betroffenen Landkreisen – Heilbronn, Calw, Pforzheim, Lörrach ... – muss um seine Existenz fürchten. Die betroffenen Friseur-Innungen prüfen aktuell die Vorbereitung einer Klage im Eilverfahren.“

Zunächst erleben die Friseure aber einen regelrechten Ansturm, auch in Weinstadt, wo die Scholz-Akademie jetzt als zusätzlicher Salon genutzt wird, wie Scholz berichtet: „Wir werden diese Woche alle Kraft daran setzen, allen Anfragen gerecht zu werden. Kommt ein Rems-Murr-Lockdown, bieten wir unseren Gästen per Hotline Termine in unseren Salons in Stuttgart an. Dennoch sei an alle unsere Gäste und an all die Gäste meiner Kollegen gerichtet: Halten Sie Ihrem Friseur oder Ihrer Friseurin die Treue! Wandern Sie nicht in benachbarte Landkreise! Haben Sie Geduld!“

Denn die Hoffnung, dass die Frisöre die Corona-Krise überstehen, herrscht auch dann noch vor, wenn tatsächlich eine erneute Schließung verfügt wird. Alle Arbeitsplätze werden aber nicht zu retten sein: Erst Anfang Dezember ist bekanntgeworden, dass die Friseurkette Klier mit deutschlandweit rund 1350 Salons aufgrund der Einbußen in diesem Jahr Insolvenz angemeldet hat. Klier betreibt auch in Weinstadt eine Filiale. Wie viele und welche Salons geschlossen werden müssen, dazu macht die Kette noch keine Angaben.

Die Infektionszahlen mit dem Coronavirus steigen weiter, die Todeszahlen ebenfalls. Der Rems-Murr-Kreis ist auf dem Weg zum Hotspot: Strengere Einschränkungen von kommenden Montag an sind wahrscheinlich. Eine entsprechende Allgemeinverfügung aus dem Landratsamt würde auch die Schließung von Friseursalons bedeuten. Bei dem Weinstädter Friseurmeister Oliver Scholz stößt dieser Plan auf Unverständnis: „Dem für den Erlass zuständigen Sozialminister Manne Lucha ist Willkür zu unterstellen“,

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