Weinstadt

Frust bei Kita-Eltern in Weinstadt: Früh- und Spätbetreuung gestrichen

Kinderhaus Irisweg
Das Kinderhaus im Irisweg: Die fünfte Gruppe macht auf, dafür verkürzen sich die Betreuungszeiten. © Benjamin Büttner

Die Personalnot in Kindertageseinrichtungen spitzt sich immer weiter zu, gleichzeitig steigt der Betreuungsbedarf bei vielen Familien an - dieses Dilemma hält längst auch die Stadt Weinstadt mit ihren 17 Betreuungseinrichtungen ordentlich auf Trab.

Gerade 2021 hatte die Stadt massiv mit fehlenden Fachkräften, aber auch mit vielen Krankheitsfällen beim Personal zu kämpfen. Schon in den vergangenen Monaten mussten sich Eltern in verschiedenen Kitas wohl oder übel mit zeitweise verkürzten Betreuungszeiten arrangieren.

Eltern müssen Betreuung bis Oktober geregelt bekommen

Gerade kriselt es erneut, Eltern sind verärgert: Denn im Kinderhaus Zügernberg, dem Kinderhaus Benzach sowie dem Kinderhaus Irisweg wird die Früh- und Spätbetreuung vorerst komplett gestrichen. Die Eltern müssten jetzt ab Oktober ad hoc umdisponieren und selbst schauen, wie sie eine Betreuung für ihr Kind organisieren könnten, ärgert sich eine Weinstädter Mutter. Außerdem kursiere das Gerücht, die Stadt wolle alle Kita-Kinder in der Zehn-Stunden-Betreuung in eine Einrichtung verlegen.

Die Verlegung der Kinder in eine Einrichtung sei ein Gerücht ohne Grundlage, stellt die Stadt Weinstadt klar. Der Wegfall der Früh- und Spätbetreuung wird aber tatsächlich stattfinden. Die Änderung betrifft die Eltern, die ihr Kind für die zehnstündige Ganztagsbetreuung (GT 10) angemeldet haben. Auch die Stadt Weinstadt sei vom allgegenwärtigen Fachkräftemangel nicht nur im Kitabereich betroffen, gibt die Pressestelle Auskunft.

Stadt sucht in mehreren Einrichtungen dringend Personal

„Die Personalgewinnung läuft auf Hochtouren, dennoch verzeichnen wir frei bleibende Stellen und mehrmonatige Vakanzen, so dass wir leider inzwischen in drei Einrichtungen darauf reagieren und dort die Betreuungszeiten einschränken beziehungsweise die bereits bestehenden Einschränkungen verlängern müssen.“ Die Eltern der drei betroffenen Einrichtungen seien bereits informiert worden, der Gesamtelternbeirat ebenso.

Ein Blick in die Stellenanzeigen der Stadt Weinstadt zeigt: Es werden dringend Erzieher und pädagogische Fachkräfte gesucht. Für den Kindergarten Trappeler, das Kinderhaus Irisweg, das Kinderhaus Zügernberg und das Kinderhaus Benzach wird Personal gesucht. In drei der Einrichtungen fehlt demnach eine Gruppenleitung, in fast allen Fällen gleichzeitig auch mindestens eine weitere Fachkraft.

Fünfte Gruppe bietet 20 neue Kita-Plätze

Doch wieso wird dann – obwohl es doch zu wenig Personal zu geben scheint - im Kinderhaus Irisweg trotzdem eine fünfte Gruppe aufgemacht? „Im Irisweg haben wir eine besondere Situation“, erklärt die Stadt. Seit der Eröffnung des Kinderhauses im November 2020 habe die Stadt Weinstadt eben wegen des fehlenden Personals die geplante fünfte Gruppe nicht öffnen können. „Nun kann - sowohl durch Personalgewinnung als auch -umschichtung - im Januar 2023 glücklicherweise diese Gruppe an den Start gehen.“

Durch die fünfte Gruppe soll es bis zu 20 neue Kitaplätze geben bei einem Betreuungsumfang von insgesamt sieben Stunden täglich. Die Konsequenz: „Die bisherigen vier Gruppen sind ab Oktober von der Streichung der Früh- und Spätbetreuung betroffen“, so Pressesprecherin Claudia Leihenseder. Die Streichung der Randzeiten falle der Stadtverwaltung schwer: „Wir wissen um den Betreuungsbedarf der Eltern. Allerdings zwingt uns leider der Personalmangel zum Handeln. Falls Eltern besondere Probleme haben sollten, können sie gerne das Gespräch mit der Verwaltung suchen.“ Die Gebühren würden, so sei es auch in den Elternbriefen zu lesen, entsprechend der tatsächlichen Betreuungszeiten reduziert.

Gebühren werden im Januar 2023 erhöht

Doch noch etwas anderes stößt den Kita-Eltern sauer auf: Ab Januar werden trotz der andauernden personalbedingten Einschränkungen die Kita-Gebühren erhöht – das steht aber eigentlich schon seit Mai fest und ist an und für sich auch nichts Ungewöhnliches: „Der Gemeinderat hat sich schon vor Jahren mit dem Thema der Kita-Gebühren intensiv auseinandergesetzt“, so die Stadt.

Seit 2016 gebe es eine neue Struktur, die die Stadtverwaltung gemeinsam mit dem Gemeinderat vereinbart habe. „Zudem wurde beschlossen, die Betreuungsgebühren regelmäßig anzupassen. Die jüngste Erhöhung wurde vom Sozial- und Kulturausschuss am 12. Mai und vom Gemeinderat am 19. Mai beschlossen.“

Gebührenerhöhung wurde schon nach hinten verschoben

Die neue Satzung hätte tatsächlich bereits diesen Herbst in Kraft treten sollen, wegen der schwierigen Gesamtsituation an den Kitas einigten sich Verwaltung und Gemeinderat aber darauf, die Gebührenerhöhung um vier Monate nach hinten zu verschieben – so hatte die Stadt auch schon die Anpassung der Gebühren im Vorjahr 2021 gehandhabt: Auch damals waren die Änderungen erst im Januar 2022 in Kraft getreten.

Ab Januar 2023 wird die Betreuung für ein Kind über drei Jahre zwischen vier Euro (Regelgruppe) und acht Euro (Ganztag) mehr im Monat kosten, bei den unter Dreijährigen sind es zwischen acht und 15 Euro Unterschied. Weil der Einkaufspreis für die warmen Mittagsmahlzeiten gestiegen ist, tritt hier schon ab diesem Monat eine Preiserhöhung in Kraft.

Die Personalnot in Kindertageseinrichtungen spitzt sich immer weiter zu, gleichzeitig steigt der Betreuungsbedarf bei vielen Familien an - dieses Dilemma hält längst auch die Stadt Weinstadt mit ihren 17 Betreuungseinrichtungen ordentlich auf Trab.

Gerade 2021 hatte die Stadt massiv mit fehlenden Fachkräften, aber auch mit vielen Krankheitsfällen beim Personal zu kämpfen. Schon in den vergangenen Monaten mussten sich Eltern in verschiedenen Kitas wohl oder übel mit zeitweise

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