Weinstadt

GOL geht in Ortsverband der Grünen auf: Was ändert sich in Weinstadt?

GOL Weinstadt
Von links: Thomas Müller, Marie-Luise Schmidt und Manfred Siglinger von der GOL Weinstadt. © Gabriel Habermann

Es ist ein historischer Schritt: Am 1. Januar 2023 schließt sich die Grüne Offene Liste Weinstadt (GOL) dem Ortsverband Kernen-Weinstadt von Bündnis 90/ Die Grünen an - und löst sich damit nach fast 30-jährigem Bestehen auf. Es ist eine Entscheidung, über die die Kommunalpolitiker schon lange nachgedacht haben. Doch was ändert sich dadurch - und wieso gerade jetzt?

Mit sieben Sitzen im Weinstädter Gemeinderat ist die Grüne Offene Liste inzwischen eine starke politische Kraft in Weinstadt. Als Gesicht der GOL kann sicherlich das Vorstandsmitglied und Fraktionsvorsitzender Manfred Siglinger gelten, der sich im Gremium mit starken Meinungen zu fast allen Themen und ausgesprochener Diskussionsfreudigkeit hervortut. Aber natürlich braucht es viel mehr ehrenamtliche Kräfte als nur die gewählten Mitglieder des Gemeinderats, um lokalpolitisch aktiv sein zu können.

Ziele und Ideologie von GOL und Grünen mittlerweile identisch

Ehrenamtliche zu finden, ist zur Zeit für keinen Verein einfach. „Da sind wir keine Insel der Glückseligen“, sagt Manfred Siglinger. Dazu komme, dass sehr viele Ehrenamtliche zurzeit sowohl bei der GOL als auch beim Ortsverband der Grünen für Weinstadt und Kernen aktiv sind - da dopple sich inzwischen sehr viel: Die Ziele und Inhalte der GOL seien heutzutage mit denen vom Bündnis 90/Die Grünen identisch.

„In den 90er Jahren, als die GOL gegründet wurde, war das sicherlich noch anders“, glaubt der Fraktionsvorsitzende. Damals sei die grüne Partei längst nicht so etabliert gewesen in der politischen Landschaft, für einige war sie wohl erst einmal ein „Schreckgespenst“ - davon kann heutzutage keine Rede mehr sein.

Bei Wahlen nur noch eine Liste

Ebenfalls im Vorstand der GOL ist Thomas Müller, Marie-Luise Schmidt ist die Vorsitzende des Ortsverbands Weinstadt-Kernen vom Bündnis 90/Die Grünen. Wie Manfred Siglinger auch sind sie aktuell in beiden Gruppierungen aktiv. Die drei begleiten den Prozess der Auflösung an vorderster Front - und hoffen, dass der Normalbürger von der Veränderung gar nicht so viel merken wird. Zumindest nicht im negativen Sinne.

Der Schritt erfolgt absichtlich noch vor den Kommunalwahlen im Mai 2023. Für Wähler soll es künftig einfacher werden: Jetzt gibt es nur noch eine Liste, die Grünen, für den Gemeinderat wie auch für die Kreisebene. Das habe in der Vergangenheit schon hin und wieder für Verwirrung gesorgt, sagt Marie-Luise Schmidt. An den politischen Akteuren soll sich durch die Verschmelzung mit dem Grünen-Ortsverein aber erst einmal nicht viel ändern.

Interregionale Zusammenarbeit soll gestärkt werden

Man gehe davon aus, dass die GOL-Fraktionsmitglieder im Gemeinderat auch 2023 wieder kandidieren werden, so Manfred Siglinger. Nur heißt die Fraktion ab 1. Januar 2023 „Bündnis 90/ Die Grünen Weinstadt“. Es werde auch weiterhin so sein, dass auch Menschen kandidieren können, die nicht Mitglied in der Partei sind.

Ein weiterer Vorteil des Zusammenschlusses sei die künftig bessere Vernetzung über Stadtgrenzen hinaus, sagt Marie-Luise Schmidt. Die Weinstädter hoffen, künftig mehr interkommunale Veranstaltungen mitgestalten zu können und auch mit den Grünen-Vertretern im Kreis- und Landtag mehr interagieren zu können.

Überregionale Zusammenarbeit und neue Veranstaltungsformate

Gute Beispiele dafür, wieso es diesen übergreifenden Zusammenhang brauche, seien zum Beispiel der ÖPNV und der Radschnellweg RS 5, sagt Manfred Siglinger. Entscheidungen auf Kreisebene zum öffentlichen Nahverkehr wirken sich in den Ortschaften aus, trotzdem habe der Gemeinderat da kaum ein Mitsprache-Recht. Und beim Radschnellweg habe in der Vergangenheit jede beteiligte Kommune viel zu stark nur auf den Abschnitt im eigenen Gebiet geschaut. „Da gibt es einfach auch Anschlussfragen, die geklärt werden müssen“, sagt Marie-Luise Schmidt.

Fürs kommende Jahr sind einige Veranstaltungen mit dem Ortsverband Weinstadt-Kernen geplant. Als Erstes wird es am Samstag, 14. Januar, eine Weinbergwanderung mit Glühwein geben. Dort sollen sich alle aus der ehemaligen GOL und dem Grünen-Ortsverband kennenlernen können, die sich bisher noch nicht kennen.

Grüne hoffen auch auf Neuzugänge im Ehrenamt

Aber auch für alle anderen ist die Veranstaltung offen: „Jeder, der Lust und Interesse hat auf einen Austausch, ist herzlich eingeladen“, sagt Thomas Müller. Als weiteres niederschwelliges Angebot möchten die Weinstädter Grünen den "Grünen Mittwoch" als festes Format wiedereinführen: Bei diesen Diskussionsrunden stehen alle möglichen Themen zur Debatte.

Marie-Luise Schmidt, Manfred Siglinger und Thomas Müller hoffen, dass durch den Zusammenschluss die grünen Themen in Weinstadt noch stärker vorangetrieben werden können - und dass sich vielleicht auch noch ein paar Neuzugänge finden. „Es ist immer auch der Appell an die Mitmenschen, sich zu engagieren und einzubringen“, sagt Thomas Müller. Ehrenamtlich tätig zu sein - für ihn auch eine Form der Nachhaltigkeit.

Es ist ein historischer Schritt: Am 1. Januar 2023 schließt sich die Grüne Offene Liste Weinstadt (GOL) dem Ortsverband Kernen-Weinstadt von Bündnis 90/ Die Grünen an - und löst sich damit nach fast 30-jährigem Bestehen auf. Es ist eine Entscheidung, über die die Kommunalpolitiker schon lange nachgedacht haben. Doch was ändert sich dadurch - und wieso gerade jetzt?

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Mit sieben Sitzen im Weinstädter Gemeinderat ist die Grüne Offene Liste inzwischen eine starke politische Kraft

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