Weinstadt

Grundschulen: Stadt prüft Standorte

school-1974369_1920_0
Symbolbild. © Danny Galm

Weinstadt. Kann sich Weinstadt auf Dauer weiter fünf Grundschulen leisten? Bekommt neben den Grundschulen in Großheppach und Endersbach auch Beutelsbach einen Ganztagsbetrieb? All diese Fragen soll das neue Schulentwicklungskonzept beantworten, inklusive Finanzierung. Der Gemeinderat hat dazu das Büro Biregio aus Bonn beauftragt.

„Wir haben Sanierungsstau an den Schulen“: Ulrich Spangenberg, Leiter des Amts für Familie, Bildung und Soziales, versucht erst gar nicht, die Lage schönzureden. Er weiß auch, dass die Schulden der Stadt zuletzt nach oben geklettert sind und der Kämmerer für die kommenden Jahre mit einem weiteren Anstieg rechnet.

Kerngeschäft: Schulentwicklungspläne verbunden mit Raumoptimierungen

Sprich: Weinstadt kann es sich nicht leisten, ins Blaue zu planen. Und bei der Frage, was die Stadt künftig in ihre Schulen investiert, reichen aus Spangenbergs Sicht die Zahlen des Statistischen Landesamts nicht aus. Hier kommt nun das Büro Biregio aus Bonn ins Spiel, das bereits viele Kommunen beraten hat.

Sein Kerngeschäft sind Schulentwicklungspläne, verbunden mit Raumoptimierungen. Biregio soll zum Beispiel klären, ob sich Weinstadt eine dritte Grundschule mit Ganztagsbetrieb leisten sollte – und ob es möglich ist, auch in Zukunft an fünf Grundschulstandorten festzuhalten.

Empfehlungen sind nicht bindend

Spangenberg machte in der jüngsten Gemeinderatssitzung deutlich, dass die Empfehlungen des Büros für Weinstadt natürlich nicht bindend sind. „Wir müssen dem ja nicht folgen, was es uns vorschlägt.“ Die Stadt hat nach seiner Darstellung allerdings einen großen Nutzen von der Arbeit des Büros, weil eben nicht nur die Entwicklung der Schülerzahlen betrachtet wird, sondern ein richtiges Gutachten mit Handlungsvorschlägen erstellt wird, die alle mit einem Geldbetrag versehen sind.

Weiterer Vorteil: Das Büro verpflichtet sich, innerhalb von drei Monaten ein Ergebnis vorzulegen. OB Michael Scharmann versprach zudem, dass der Gemeinderat Ende des Jahres über das Konzept informiert wird. Im Gemeinderat gibt es allerdings auch einige Skeptiker. In der CDU-Fraktion, deren Mitglieder bis auf Bernhard Dippon (er enthielt sich) alle gegen die Beauftragung des Büros stimmten, waren die Zweifel am Sinn der Sache am größten.

Fraktionschef Ulrich Witzlinger fragte sich, warum das Konzept nötig ist. Um zu wissen, was an den Schulen getan werden muss, reicht es aus seiner Sicht, einfach die Schulen zu besuchen. Am Ergebnis lässt sich nach seinem Dafürhalten sowieso nichts ändern. „Wir haben im Moment kein Geld für eine weitere Ganztagsschule.“ Auch wundert sich Witzlinger, warum es der Stadtverwaltung nicht möglich ist, bei der Schulentwicklung das zu schaffen, was ihr seit Jahren bei der örtlichen Bedarfsplanung für die Kinderbetreuung gelingt: ohne ein externes Büro zu planen.

Freie Wähler, SPD und GOL stimmen zu

Rückendeckung für den Kurs der Stadtverwaltung gab es dagegen von GOL-Fraktionschef Manfred Siglinger. „Wir brauchen belastbare Grundlagen. Gerade, wenn man wenig Geld hat, muss man umso besser planen.“ Auch seine Fraktionskollegin Annette Rebmann sieht solch ein Schulentwicklungskonzept als sinnvoll an: „Für mich wäre es eine Entscheidungshilfe.“

Auch SPD-Stadtrat Theo Bachteler, der viele Jahre Konrektor an der Weinstädter Erich-Kästner-Schule war, unterstützt das Vorgehen der Stadt – weil aus seiner Sicht der Blick von außen hilfreich ist. Mit Blick auf die Beutelsbacher Grundschule betonte er, dass am Gebäude nur dann was gemacht werden muss, wenn gesundheitliche Gefahren bestehen. Und Freie-Wähler-Fraktionschefin Isolde Schurrer betonte, dass beim Schulkonzept eben auch herauskommen kann, dass Weinstadt nicht mehr für jeden Ortsteil eine eigene Grundschule betreiben kann. „Kurze Beine, kurze Wege – das muss man sich auch leisten können.“

Plan von 2015

  • 7,59 Millionen Euro: Diese Zahl hat die Stadtverwaltung im Sommer 2015 präsentiert, als es um die Kosten eines Umbaus der Grundschule Beutelsbach zur Ganztagsschule ging – inklusive Bau eines neuen Gebäudes. Es handelte sich allerdings nur um eine Grobkostenannahme. Als Mehrbedarf für den Ganztagsbetrieb wurden damals 761 Quadratmeter Bruttogrundfläche genannt.
  • Mancher Stadtrat liebäugelte damals als Alternative mit einer neuen Schule bei der Beutelsbacher Halle, die sich auch an Schnaiter Kinder richtet – was natürlich zum Abriss der Schnaiter Schule führen würde.

Kein Geld für Umbaupläne

Ein Kommentar von Redakteur Bernd Klopfer

Weinstadt hat derzeit kein Geld für den Ausbau der Beutelsbacher Grundschule zur dritten Ganztagsgrundschule – und wird es auch auf absehbare Zeit nicht haben. Das ist auch nicht weiter schlimm. Es kann Eltern aus Schnait, Beutelsbach und Strümpfelbach durchaus zugemutet werden, dass sie ihre Kinder entweder in Endersbach oder vom Herbst an auch in Großheppach auf die Grundschule schicken, wenn sie aus beruflichen Gründen auf den Ganztagsbetrieb angewiesen sind. Wichtig wird in den nächsten Jahren sein, dass dort alle Kinder, deren Eltern Bedarf haben, auch unterkommen. Nur wenn dies nicht mehr gelingt, ist eine weitere Ganztagsgrundschule nötig.