Weinstadt

Haben in Weinstadt besonders viele Corona?

Rathaus Weinstadt
In Weinstadt sind im Vergleich zu anderen Kommunen im Kreis verhältnismäßig viele Leute an Covid-19 erkrankt. © Gabriel Habermann

Wer sich die Statistik der offiziell bestätigten Coronavirus-Fälle im Rems-Murr-Kreis ansieht, dem fällt schon seit längerem auf, dass Weinstadt hier zu den Spitzenreitern zählt. Der Weinstädter Jürgen Siegle schrieb jüngst an unsere Zeitung, dass er sich fragt, worin die Gründe bestehen könnten.

Ihn besorgt zudem, dass die Tendenz weiter nach oben geht. „Auch vermisse ich von der Stadt Weinstadt Informationen über eingeleitete Maßnahmen dazu und über einen mahnenden Aufruf“, schreibt unser Leser in einer Mail, die er zeitgleich auch an den Weinstädter Oberbürgermeister Michael Scharmann schickte. Unsere Zeitung nahm dies zum Anlass, nachzuhaken. Warum hat Weinstadt verhältnismäßig viele Fälle?

Vergleich mit Backnang, Schorndorf und Waiblingen

Auf der Homepage des Landratsamts stand am vergangenen Freitag, dass sich Stand 24. April um 13.15 Uhr insgesamt 114 Menschen in Weinstadt mit Corona infiziert haben. In Schorndorf waren es zu diesem Zeitpunkt 134 Infizierte, in Waiblingen 161, in Backnang 114. In all diesen drei Städten wohnen wesentlich mehr Menschen als in Weinstadt mit seinen 26 902 Einwohnern.

In Waiblingen leben 56 671 Menschen, in Schorndorf 40 532 und in Backnang 37 596. Wer diese Zahlen betrachtet, dem ist klar, dass Weinstadt bei diesem Vergleich im Rems-Murr-Kreis in Bezug auf seine Einwohnerzahl überproportional viele Infizierte hat. Wenn allein die absoluten Zahlen betrachtet werden, also ohne Rücksicht auf die Einwohnerzahl, dann liegt Waiblingen an der Spitze. Solch ein Vergleich ist aber nicht fair.

Stand 28. April um 13.30 Uhr waren in Weinstadt laut Landratsamt 117 Personen infiziert (drei mehr als am 24. April), in Backnang 116 (zwei mehr als am 24. April), in Schorndorf 143 (neun mehr als am 24. April) und in Waiblingen 174 (13 mehr als am 24. April).

Es wird vermehrt in Alten- und Pflegeheimen getestet

Holger Niederberger, Sprecher der Stadt Weinstadt, weist auf Nachfrage unserer Zeitung darauf hin, dass die besagte Grafik des Landratsamts nur die amtlich bekannte Anzahl der positiv auf Corona getesteten Menschen darstellt. „Da die Laborkapazitäten derzeit begrenzt sind, wird kreisweit nur eingeschränkt getestet, also nur begründete Verdachtsfälle und deren enge Kontaktpersonen.“ Seit einiger Zeit werde jetzt vermehrt in Alten- und Pflegeheimen getestet. „Die amtlich bekannten Corona-Fälle haben daher nur eine begrenzte Aussagekraft. Die Situation wie auch die Fallzahlen sind dabei sehr dynamisch“, betont Niederberger.

Die Internetseite des Landratsamtes ist laut dem Weinstädter Pressesprecher zudem nicht immer tagesaktuell, da die Zahl der aus der Quarantäne entlassenen Personen nur zweimal in der Woche aktualisiert werde. Personen, die nach Infektion mit dem Coronavirus verstorben sind, werden den einzelnen Kommunen vom Landratsamt nicht zugeordnet, sondern erscheinen als Gesamtzahl für den ganzen Kreis. Stand 28. April um 13.30 Uhr sind 44 Menschen an Covid-19 gestorben.

Sechs Weinstädter sind bislang an Covid-19 gestorben

In Weinstadt wurde nach Niederbergers Angaben verhältnismäßig viel getestet, was auch zu einer hohen Zahl an positiv getesteten Fällen geführt habe. „Experten gehen davon aus, dass es eine sehr hohe Zahl nicht amtlich bekannter Infektionsfälle gab und gibt.“

Verstorben sind bislang sechs Weinstädter Bürger. Von den insgesamt 120 Infizierten in Weinstadt sind laut dem städtischen Pressesprecher – Stand Montag, 27. April, um 12 Uhr – 80 Personen wieder gesund beziehungsweise aus der Quarantäne entlassen worden. Neun befänden sich außerhalb von Weinstadt in Pflegeheimen beziehungsweise auf Reha und 25 Menschen noch in Quarantäne. „Bei diesen Zahlen sind Wegzüge oder Umzüge nicht berücksichtigt“, betont Niederberger. Die Zahlen der Stadt und des Landkreises unterscheiden sich nur leicht. Weinstadt spricht von 120 Infizierten, der Kreis geht von 117 aus.

Rechtzeitig, umfassend und fundiert

Darüber hinaus tut die Stadtverwaltung nach eigenen Angaben wie der Landkreis alles, um die Bürger rechtzeitig, umfassend und fundiert zu informieren. Dazu gehören laut Niederberger Hinweise, Empfehlungen, aber auch die konkreten Auslegungen der Verordnung sowie Tipps, wo was in Weinstadt zu finden ist. Mehr Infos gibt’s unter www.weinstadt.de/de/Aktuelles-Service/Corona-Virus im Internet.

Wer sich die Statistik der offiziell bestätigten Coronavirus-Fälle im Rems-Murr-Kreis ansieht, dem fällt schon seit längerem auf, dass Weinstadt hier zu den Spitzenreitern zählt. Der Weinstädter Jürgen Siegle schrieb jüngst an unsere Zeitung, dass er sich fragt, worin die Gründe bestehen könnten.

Ihn besorgt zudem, dass die Tendenz weiter nach oben geht. „Auch vermisse ich von der Stadt Weinstadt Informationen über eingeleitete Maßnahmen dazu und über einen mahnenden Aufruf“, schreibt

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper