Weinstadt

Halde V: Änderungen im Bauplan

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Ein Luftbild von Weinstadt-Endersbach: Das Neubaugebiet Halde V. © Laura Edenberger

Weinstadt. Nach vielen Beschwerden von Anwohnern und Naturschützern ist der Bebauungsplan für das Gebiet Halde V angepasst worden. Unter anderem wird die Höhe einiger Gebäude reduziert und es werden Maßnahmen zum Lärm- und Artenschutz ergriffen. Simon und Katrin Hayler von der angrenzenden Gärtnerei ist das Baugebiet weiter ein Dorn im Auge. Sie halten daran fest: Sie wollen die Stadt verklagen.

Bereits im vergangenen Jahr hatten Anwohner im Quartier Halde IV gegen das für das Baugebiet Halde V geplante Blockheizkraftwerk protestiert. Nachdem der Bebauungsplan Anfang dieses Jahres der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden war, waren zahlreiche weitere Einwände bei der Verwaltung eingegangen. Darin monierten Anwohner zum Beispiel die Höhe der geplanten Gebäude. Naturschützer wiesen außerdem darauf hin, dass das überplante Gebiet geschützten Arten Lebensraum bietet.

Gebäude werden niedriger

Die Stadt hat jetzt auf die Kritik reagiert und einen angepassten Entwurf der Bauplanung vorgestellt. Demnach soll entlang des Kornblumenwegs die Gebäudehöhe von vier auf drei Stockwerke reduziert werden, um die dortigen Passivhäuser weniger zu beschatten. Dort hatten Anwohner insbesondere um die Abendsonne gefürchtet. „Durch den Verzicht auf jeweils ein Stockwerk bei zwei Gebäuden können wir den Verschattungsfaktor der Passivhäuser reduzieren“, sagte Christiane Schäfer vom Planungsbüro. So könnten die Bewohner eventuell Heizkosten sparen. Außerdem rücken die geplanten Gebäude am Kornblumenweg um bis zu einen Meter zurück.

Historische Obstbäume können nicht erhalten werden

Auch entlang des Fußwegs Süd rücken die Gebäude von der Baugrenze ab: um bis zu vier Meter. Außerdem wird die Bezugshöhe der geplanten Gebäude an der Eichenstraße als Reaktion auf eine Unterschriftensammlung um 35 Zentimeter gesenkt. Die historischen Obstbäume können nicht erhalten werden. Allerdings sollen im gesamten Neubaugebiet nach dem Konzept einer „essbaren Stadt“ neue Obstbäume gepflanzt werden.

Zauneidechsen sollen umgesiedelt werden

Weil Naturschutzverbände auf Konflikte mit dem Artenschutz hingewiesen hatten, ist auch hierzu ein neues Konzept erarbeitet worden. Demzufolge sollen die im Baugebiet ansässigen Zauneidechsen in ein Gebiet im Beibachtal umgesiedelt werden. Für die beiden Schmetterlingsarten Nachtkerzenschwärmer und Großer Feuerfalter sollen Ausweichflächen bereitgestellt werden. Den Brutvögeln sollen künstliche Nistkästen und Gehölze helfen.

Streit mit Haylers soll Gericht klären

Abweichend von den bisherigen Erkenntnissen müssten außerdem an der Straße Metzgeräcker Schallschutzmaßnahmen ergriffen werden, teilte Schneider weiter mit. Das Gutachten sei überarbeitet und der Bebauungsplan angepasst worden. So soll beispielsweise an den Gebäuden gegenüber der Gärtnerei Hayler auf „öffenbare Fenster von Wohnräumen“ verzichtet werden.

Für Simon Hayler, den Inhaber der an das Baugebiet grenzenden Gärtnerei Hayler, sind die Änderungen „Kokolores“. Er und seine Ehefrau Katrin wollen weiterhin gegen den Bebauungsplan klagen. Gegenstand des Streits mit der Stadt ist unter anderem der Lärmschutz (wir berichteten) und damit verbunden die Frage, ob eine nächtliche Betriebserlaubnis besteht oder nicht. Während die Verwaltung der Auffassung ist, nachts dürfe keine Anlieferung stattfinden, ist Hayler vom Gegenteil überzeugt. Beides soll nun ein Gericht klären.

Stadt: Wert des Ackers soll unverhältnismäßig steigen

Streit gibt es auch wegen eines Areals, das den Haylers gehört und das sie als einzige Grundstücksbesitzer der Stadt Weinstadt nicht verkaufen wollten. Simon Hayler bleibt dabei, er werde es auch jetzt nicht verkaufen – zumindest nicht zu den derzeitigen Konditionen. Die Verwaltung teilt zu der Sache mit: „Alle Vorschläge des Eigentümers, die er bislang mit dem Verkauf der kleinen Grundstücksfläche im Bebauungsgebiet Halde V verbunden hatte, hatten durchgängig unverhältnismäßige Wertsteigerungen seiner Ackerflächen im Außenbereich zum Inhalt.“ Diesen Vorschlägen könne die Stadt aus Gründen der Gleichberechtigung nicht zustimmen, allen Grundstücksbesitzern sei der gleiche Preis angeboten worden. Demnach habe Hayler beispielsweise die Bebauung seines eigenen Betriebsgrundstücks mit einem weiteren Wohnhaus oder die Umwandlung der betreffenden Flächen in ein Mischgebiet vorgeschlagen, so die Mitteilung der Stadt. In einem solchen Mischgebiet könnten dann neue Wohnhäuser, auch solche mit Mietwohnungen, gebaut werden.


Das soll im Baugebiet Halde V entstehen

Das Baugebiet Halde V umfasst knapp fünf Hektar und soll Wohnraum für etwa 420 bis 450 Einwohner bieten.

Es soll neben familiengerechtem Wohnen auch altersgerechtes Wohnen umfassen. Deshalb sind im Bebauungsplan verschiedene Gebäudetypen vorgesehen: vom Einfamilienhaus bis zum Geschosswohnungsbau.

Das Gebiet grenz direkt an die bestehenden Baugebiete Halde III und IV an. Laut Stadt soll so ein „schlüssiger westlicher Ortsrand Endersbach“ entstehen.

Als Verbindungsweg mit dem Wohngebiet Halde IV soll eine Fußgängerbrücke entstehen.

Die Zufahrt zum gesamten Neubaugebiet ist weiterhin über die Rommelshauser Straße geplant.

Derzeit werden die Flächen vorwiegend landwirtschaftlich genutzt. Der nährstoffreiche Humusboden wird vor Baubeginn abgetragen und ins Gebiet Kreuzhobel gebracht.