Weinstadt

Handballer dürfen mit Harz spielen

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Da war das Harzen noch verboten: Die erste Handball-Herrenmannschaft der SG Weinstadt im September 2017 bei einem Heimspiel in der Beutelsbacher Halle. © Christine Tantschinez

Weinstadt. Der Gemeinderat hat das jahrelange Harzverbot in der Beutelsbacher Halle gekippt: Zumindest bei Spielen der ersten Handball-Herrenmannschaft der SG Weinstadt darf das Haftmittel jetzt verwendet werden – so wie bei den meisten anderen Vereinen auch. Allerdings gilt die Erlaubnis erst mal nur bis Saisonende.

Wie sich die Zeiten doch ändern: Im Juli 2008 versuchten die Handballer schon einmal, von der Stadt Weinstadt zumindest für Spiele der ersten Herrenmannschaft eine Erlaubnis fürs Harzen zu bekommen – und kassierten eine Abfuhr. „Handballstreit spitzt sich zu“ lautete eine Schlagzeile damals, was nicht übertrieben war: Der SV-Weinstadt-Vorsitzende Klaus Silbernagel und seine Mitstreiter waren nämlich stinksauer auf die Stadt und den damaligen Oberbürgermeister Jürgen Oswald. Sie sammelten mehr als 600 Unterschriften, machten in der Bürgerfragestunde des Gemeinderats Dampf, aber es brachte nichts. Knapp zehn Jahre später hat die SG Weinstadt ihr Ziel nun doch erreicht – und all das ohne öffentlichen Wirbel. Die Handballer legten ein umfangreiches Konzept vor – und der Gemeinderat votierte am Donnerstagabend einstimmig dafür.

Die Stadt hat die Reinigung im Vorfeld getestet

Die Erlaubnis der Stadt, mit Haftmittel zu spielen, gilt erst mal nur vom 1. November bis Ende der Saison 2017/18 – und nur für die Beutelsbacher Halle, nicht für andere Hallen in Weinstadt. Das Sportamt der Stadt hat im Vorfeld vom Hausmeister testen lassen, wie gut sich das Haftmittel mit jenen Reinigungsmitteln entfernen lässt, die von der SG Weinstadt präferiert werden. Ergebnis: Es funktioniert. Amtsleiter Karl-Heinz Preget wies in der Sitzung des Gemeinderats darauf hin, dass im Gegensatz zu früher heute rund 90 Prozent der Kommunen den Einsatz von Haftmitteln erlauben. „Das ist eine Änderung gegenüber von vor zehn Jahren.“

Die Art, wie die SG Weinstadt und die Stadt diesmal in Sachen Haftmittelnutzung zusammengearbeitet haben, hält Stadtrat Armin Zimmerle (Freie Wähler) für ideal. „Das Konzept ist hieb- und stichfest.“ Auch Doris Groß (GOL) freute sich. „Das ist super.“ CDU-Stadtrat Bernhard Dippon wollte noch wissen, wie kontrolliert werden kann, ob die Handballer auch wirklich das wasserlösliche Haftmittel verwenden – und nicht etwa das viel schwerer zu entfernende Baumharz. OB Michael Scharmann verwies darauf, dass das bei der Reinigung sofort auffallen würde – und dann Konsequenzen hätte. Von Handball-Abteilungsleiter Roland Klass wollte Scharmann dann noch wissen, ob die SG mit dem Ende des Harzverbots nicht einen „Riesenheimvorteil“ aufgibt. Denn schließlich war es die SG ja eher gewohnt, ohne Haftmittel zu spielen, als gegnerische Mannschaften. Klass gab daraufhin zu, dass die SG bislang in der eigenen Halle in der Tat sehr stark ist – aber das ist aus seiner Sicht kein Grund, am Harzverbot festzuhalten. Vielmehr freue sich die erste Herrenmannschaft darauf, mit Haftmittel zu spielen. Schließlich gab es innerhalb der Liga immer wieder den Vorwurf, dass die Weinstädter durch das Verbot einen Vorteil hätten. Und Roland Klass will diesem Vorurteil nicht weiter Nahrung geben. „Wir wollen gute Gastgeber für die gegnerischen Mannschaften sein.“

Kein Baumharz

Haftmittel werden im Handball verwendet, um Vorteile im Spiel zu haben, etwa bei der Ballannahme. Die Zeiten, als nicht wasserlösliches Baumharz verwendet wurde, sind allerdings vorbei. Heutige Haftmittel lassen sich in Verbindung mit Reinigungsmitteln und Wasser wesentlich leichter vom Hallenboden entfernen.