Weinstadt

Hilfe aus Weinstadt: Warum Jugendliche in den Slums von Nairobi Trikots des TSV Strümpfelbach tragen

trikots
Jugendliche Fußballer aus Nairobi im Strümpfelbach-Trikot – eine Aktion einer noch jungen Hilfsorganisation mit Wurzeln in Weinstadt. © privat

Rosanna Knospe (29) bezweifelt nicht, dass es auch in Deutschland Menschen gibt, denen es wegen der Corona-Krise sehr schlecht geht. „Ich finde es aber wichtig, den eigenen Blickwinkel zu weiten und sich mal umzuschauen: Wie leben denn andere Menschen? Das kann Hoffnung geben und dazu ermutigen, Verantwortung zu übernehmen.“ Die junge Frau hat gemeinsam mit ihrer Freundin Milena Baumbusch (28) die Hilfsorganisation „Holding Hands“ gegründet, die Familien in den Slums der kenianischen Hauptstadt Nairobi unterstützt. Die Probleme, von denen ihr Kontaktmann vor Ort den Frauen berichtet, haben eine andere Dimension als die in Deutschland.

Manche können die Miete für die Blechhütte nicht mehr zahlen

Die beiden Arbeitskolleginnen haben „Holding Hands“ nach privaten Kenia-Reisen im Jahr 2017 ins Leben gerufen. Ihr Fokus liegt darauf, nachhaltig zu helfen: Ein großer Teil der Spendengelder wird in die Schulbildung von Kindern in den Slums von Nairobi investiert. Deren Familien können sich Bücher, Uniform und Schulgeld nicht leisten. „Dieses Jahr ist alles ein bisschen anders. Aufgrund von Corona sind die Schulen seit April geschlossen. Wir wollen die Gelder aber nicht bunkern. Deshalb wurden sie zum Beispiel für Familien verwendet, die ihre Miete nicht mehr zahlen können“, berichtet Rosanna Knospe im Videotelefonat mit unserer Zeitung.

Die Strümpfelbacherin Milena Baumbusch ergänzt: „Selbst in den Slums, wo sie sowieso schon in Blechhütten gewohnt haben, sind Menschen obdachlos geworden. Die Lebensmittel in Nairobi sind wahnsinnig teuer geworden, da hat Holding Hands viel unterstützt.“ Ein großes Problem sei, dass sich Jugendliche in ihrer Perspektivlosigkeit prostituierten.

Der direkte Draht der Frauen in die Armenviertel von Nairobi ist der Sozialarbeiter Emmanuel Katana Mlewa. Die Infektionszahlen steigen, berichtet er ihnen. Zwar dürften sich bis zu 50 Personen treffen, wenn sie die Abstände zueinander einhielten, die Schulen seien allerdings – mit Ausnahme der Abschlussklassen – weiterhin geschlossen. Milena Baumbusch zeigt eine Nachricht, die Katana, wie er genannt wird, per Whatsapp geschrieben hat: „Die Familien in den Slums leiden immer noch sehr. Die meisten Menschen haben ihren Arbeitsplatz verloren. Das hat die Situation in den Armenvierteln noch verschlimmert. Die Menschen brauchen Essen und und Medikamente“, schreibt er. Mit Hilfe der Spenden, die Baumbusch, Knospe und ihre Mitstreiter in Deutschland gesammelt haben, hat der Sozialarbeiter zuletzt Essenspakete unter den Bedürftigen verteilt.

Der Sozialarbeiter vor Ort engagiert sich selbst ehrenamtlich

So ist zum Beispiel der Erlös der Eintrittsgelder zum Sommerfest im Strümpfelbacher Wirtshaus „Zum Gretle“ über Holding Hands nach Nairobi geflossen. Gretle-Wirt Markus Ritter ist ein Freund von Milena Baumbusch. Unter normalen Umständen steht in seinem Restaurant stets eine Spendenkasse. Eine weitere Freundin aus Beutelsbach hat bei einer Reise nach Kenia einen Satz Trikots für jugendliche Kicker mitgenommen. Die Fußballer des TSV Strümpfelbach haben die Shirts gespendet.

Neben diesen Gesten und kurzfristigen Hilfen sind die Ehrenamtlichen in Deutschland daran interessiert, die Situation vor Ort langfristig zu verbessern. Sozialarbeiter Katana hat ein „Leadership“-Programm ins Leben gerufen, in dem Jugendliche lernen, Verantwortung zu übernehmen: beim Müllsammeln für die eigene Umgebung, aber auch in puncto Bildung für das eigene Leben. Derzeit baut Emmanuel Katana Mlewa ein Haus, in dem er selbst mit seiner Familie wohnen wird, das aber auch die Anlaufstelle für Holding Hands sein soll und Veranstaltungsort für die Treffen seines Bibelclubs.

Holding Hands soll weiterwachsen, professioneller werden. Emmanuel Katana Mlewa, der selbst ehrenamtlich arbeitet, wollen die Verantwortlichen in Deutschland irgendwann fest anstellen.

Und, sagt Rosanna Knospe: „Wir würden gerne Volunteers die Möglichkeit geben, nach der Schule vor Ort zu helfen.“ Auch diese Freiwilligen könnten dann im Haus des Hilfsprojekts unterkommen. Milena Baumbusch sagt: „Ganz wichtig sind Patenschaften. Damit regelmäßig Spenden reinkommen. Das haben wir noch sehr wenig, dass ein Kind regelmäßig mit Schulgeld versorgt wird.“

Kommen die Spenden wirklich dort an, wo sie gebraucht werden?

Doch kommen die Spenden, die über Holding Hands nach Kenia gelangen, auch wirklich dort an, wo sie gebraucht werden? Davon sind die beiden Frauen überzeugt. Emmanuel Katana Mlewa, den sie beide persönlich kennen- und schätzen gelernt haben, halte sie immer auf dem Laufenden und lege regelmäßig Rechenschaft ab. „Er gestaltet selbst aktiv, wir halten aber immer wieder Rücksprache. Das ist eine sehr gute Kooperation“, sagt Rosanna Knospe. Ein Mitstreiter der beiden, Valentin Weckerle, habe den Kontaktmann vor Ort ganze fünf Wochen lang intensiv begleitet – ein falsches Spiel werde mit der Hilfe aus Deutschland sicher nicht getrieben.

Rosanna Knospe (29) bezweifelt nicht, dass es auch in Deutschland Menschen gibt, denen es wegen der Corona-Krise sehr schlecht geht. „Ich finde es aber wichtig, den eigenen Blickwinkel zu weiten und sich mal umzuschauen: Wie leben denn andere Menschen? Das kann Hoffnung geben und dazu ermutigen, Verantwortung zu übernehmen.“ Die junge Frau hat gemeinsam mit ihrer Freundin Milena Baumbusch (28) die Hilfsorganisation „Holding Hands“ gegründet, die Familien in den Slums der kenianischen

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