Weinstadt

Hilfe für Mütter: Mamabegleiterin Elena Ehrmann unterstützt im Wochenbett

Elena Ehrmann
Elena Ehrmann (28) aus Schnait betreut Mütter während des Wochenbettes. © Benjamin Büttner

Die erste Zeit mit dem Neugeborenen zu Hause - für viele Eltern und insbesondere für Mütter oft keine leichte Zeit. Im Wochenbett drehe sich alles um das Baby, sagt Elena Ehrmann: „Das ist ja auch schön.“

Nur dürfen die Bedürfnisse der Mama, die ja gerade erst eine Geburt hinter sich hat, nicht zu sehr in den Hintergrund treten. Hebammen haben meistens schlicht nicht die Kapazität, nach der Geburt die Frauen noch umfassend zu begleiten. Hier kommt die „Mamabegleiterin“ ins Spiel.

Im ersten Wochenbett hätte sie sich zusätzliche Betreuung gewünscht

2019 ist Elena Ehrmanns erstes Kind zur Welt gekommen, damals war sie gerade 23 Jahre alt. Auch wenn sie sich so gut wie möglich auf die Geburt und aufs Mama-Werden vorbereitet habe: In der ersten Zeit habe sie einfach dringend zusätzliche Unterstützung, eine „helfende Hand“ und emotionale Begleitung gebraucht, erzählt die heute 26-Jährige. „Ich habe persönlich erfahren, dass das nicht selbstverständlich ist.“

Heutzutage sei es einfach nicht mehr so, dass man in einem Dorf aufwachse, dort wohnen bleibe und sich alle dann kümmern. Ganz im Gegenteil: Viele junge Menschen ziehen weit weg von den Eltern, um zu studieren. Und gute Freunde nach dieser Art von Hilfe zu fragen während des Wochenbetts - da sei die Hemmschwelle oft hoch.

Nach eigener Geburt im Freundeskreis ausgeholfen

Elena Ehrmann interessiert sich sehr für medizinische Themen. Zwei Jahre lang hat sie als Auszubildende in der Gesundheits- und Krankenpflege gearbeitet, dort, wie sie erzählt, praktische Erfahrungen im Bereich Geburtshilfe gesammelt, auch wenn sie die Ausbildung schlussendlich nicht abgeschlossen hat.

Nach ihren eigenen Erfahrungen im ersten Wochenbett habe sie zunächst versucht, das, was sie sich selbst als Hilfe gewünscht hätte, in ihrem Freundeskreis zu leben, eben so eine Unterstützung von sich aus anzubieten. Über eine Ehrenamtliche habe sie dann den Beruf der Mütterpflegerin oder auch der „Mamabegleiterin“ kennengelernt.

Sie begleitet Familien für die Zeit des Wochenbetts

Inzwischen studiert die Weinstädterin Gesundheitsförderung, hat zahlreiche Fortbildungen besucht und betreut im Schnitt drei bis vier Familien gleichzeitig. Dabei arbeite sie immer noch nicht in Vollzeit, so die 26-Jährige, denn ihr jüngerer Sohn geht noch nicht in den Kindergarten.

In ihrer Aufgabe als Mütterpflegerin lernt sie die werdenden Eltern oft schon während der Schwangerschaft kennen. Oft gebe es vor der Geburt schon viele Fragen zum Ablauf und auch dazu, was einen als Mutter im Wochenbett erwartet.

Nach der Geburt begleitet Elena Ehrmann die Klienten meistens ab dem Zeitpunkt, wo Mutter und Kind aus dem Krankenhaus nach Hause kommen, und dann für die gesamte Dauer des Wochenbetts: In den ersten zwei Wochen komme sie meistens täglich oder jeden zweiten Tag vorbei und unterstütze, danach noch so zweimal pro Woche, sagt die 26-Jährige.

„Mamabegleiter“ sind keine Hebammen, wirken aber dem Mangel entgegen

Dabei ist ihr wichtig, klarzustellen: „Ich kann keine Hebamme ersetzen und das möchte ich auch gar nicht.“ Doch oft sei es für die Mütter einfach schon wertvoll, wenn jemand von außen zu ihnen kommt, der nicht wie der Rest der Familie emotional eingebunden ist. Jemand, mit dem man reden kann, der einen Rat geben kann. Oder der einem einfach nur für eine kurze Zeit das Baby abnimmt, damit man mal in Ruhe duschen kann.

„Ich kann mir einfach mal einen kompletten Vormittag Zeit nehmen für die Frau.“ Eine Hebamme könne das selten leisten. Die Realität sei aber aktuell auch, dass manche werdenden Mütter gar keine Hebamme finden. Auch den Hebammen-Mangel kennt die zweifache Mutter aus eigener Erfahrung: „Ich habe bestimmt 25 Hebammen angeschrieben, bis mal eine konnte. Und ich war relativ früh dran“, erzählt die Weinstädterin.

Bei der Mütterpflege geht es um Prävention

Das Interesse an der Mütterpflege sei unheimlich groß. Bisher gebe es außer ihr auch nur wenige andere „Mamabegleiterinnen“ in der weiteren Umgebung. „Es ist ein Feld, das bekannter werden müsste“, fordert Elena Ehrmann. Denn bei der Mütterpflege gehe es nicht etwa um irgendeinen Luxus, sondern ganz klar um Prävention. Bei bestimmten Diagnosen, zum Beispiel den Zustand einer Frau nach einem Kaiserschnitt betreffend, übernimmt die Krankenkasse sogar die Kosten für die Betreuung.

Elena Ehrmann ist überzeugt, dass viele Schwierigkeiten und Komplikationen wie Wochenbett-Depressionen oder auch Probleme beim Stillen abgewendet oder zumindest verringert werden können, wenn neue Mütter in dieser ersten Zeit besser unterstützt werden und nicht so schnell in eine Überforderung hineingeraten.

Junge Eltern aus der Überforderung herausholen 

Denn ein Neugeborenes zu Hause zu haben, sei einfach verunsichernd. Egal, wie gut man sich darauf vorbereitet hat, weiß sie aus eigener Erfahrung: „Einfach die Umstellung, plötzlich eine ganz andere Verantwortung zu tragen.“ Während der Körper noch die Geburt verarbeitet, die in einigen Fällen ja auch schwierig oder sogar traumatisch war, und noch eine hormonelle Umstellung stattfindet, müssen wichtige Entscheidungen getroffen werden, die zum Beispiel die Gesundheit des Babys betreffen.

„Es geht darum, die Mutter zu bemuttern“, erklärt die 26-Jährige ihre Tätigkeit. Während sie das tut und die Familien so begleitet, könne sie sehr schön beobachten, wie wirklich alle nach und nach in ihre neue Rolle als Eltern hineinwachsen. Über Situationen, die die Betroffenen anfangs vielleicht noch zur Verzweiflung getrieben haben, könne dann gelacht werden. „Eigentlich haben wir das als Familie doch ganz gut gemeistert“, heiße es dann oft. Diese positive Entwicklung konnte sie bisher bei allen „ihren“ Familien feststellen, erzählt Elena Ehrmann. Genau das sei es, was ihren Beruf für sie so schön und wertvoll mache - und weshalb sie auch nach ihrem Studium in diesem Bereich weitermachen will.

Die erste Zeit mit dem Neugeborenen zu Hause - für viele Eltern und insbesondere für Mütter oft keine leichte Zeit. Im Wochenbett drehe sich alles um das Baby, sagt Elena Ehrmann: „Das ist ja auch schön.“

Nur dürfen die Bedürfnisse der Mama, die ja gerade erst eine Geburt hinter sich hat, nicht zu sehr in den Hintergrund treten. Hebammen haben meistens schlicht nicht die Kapazität, nach der Geburt die Frauen noch umfassend zu begleiten. Hier kommt die „Mamabegleiterin“ ins

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper