Weinstadt

Hof-Feste, Besen, Ausschank: Was planen die Weinstädter Winzer im Sommer 2021?

Besen Bollerwagen
Sabine Sigle vom Weingut Sigle in Großheppach mit Mann Rainer und Sohn Marian. Ihr neues Konzept: Wein und Vesper im Bollerwagen. © Gabriel Habermann

Die Zwangspause für Gastronomen ist vorbei – steigen jetzt auch die Weinstädter Wengerter und Besen-Betreiber wieder in die Bewirtung ein? Wer sich auf den Weingütern umhört, stößt teils auf Tatendrang, teils auf Zurückhaltung. Die weiterhin strengen Corona-Regeln schrecken viele ab, doch manche legen schon in dieser Woche los. Pläne für Veranstaltungen oder Ausschank im Sommer 2021 haben fast alle.

Die Gaststube geschlossen, im „Besengarten“ geht’s bald los

Die Familie Sigle zum Beispiel hält zwar ihren Großheppacher Besa „Am Schloßberg“ nach wie vor geschlossen, will im Besengarten aber bald wieder loslegen. An jedem Sonn- und Feiertag soll es im Sommer Bewirtung im Freien geben, kündigt Sabine Sigle an. In dieser Woche allerdings noch nicht, weil der Aufwand trotz der jetzt in Kraft getretenen Lockerungen beim Infektionsschutz enorm ist. „Ich kann hier keinen aufstellen, der die Tests und Impfpässe kontrolliert“, sagt die Besenwirtin. Sie hofft auf weitere Erleichterungen.

Vorerst gibt’s die Weinflaschen, Käse, Wurst, Obst, Gemüse und Brot zum Mitnehmen. Wobei viele Abholer ehrlicherweise nicht weit wandern, sondern sich in der näheren Umgebung des Weinguts niederlassen. Neuerdings bieten Sigles das Weinvesper auch in einem Bollerwagen mit Kühltasche und Picknickdecke an, zum Beispiel für eine Wanderung hinauf zur Luitenbächer Höhe. Rund 25 Euro pro Person verlangt das Weingut dafür. „Das wird schon jetzt super angenommen“, freut sich Sabine Sigle und zeigt die Fotos einer begeisterten Familie, die kürzlich mit dem Bollerwagen in die Weinberge gezogen ist.

Ähnliche Mitnehm-Konzepte haben sich zuletzt auch andere Wengerter ausgedacht, als die Bewirtung von Gästen noch per Corona-Verordnung oder Bundesnotbremse verboten war. Jetzt, wo die Infektionszahlen es zulassen, beschäftigen sich viele Weingüter mit der Öffnung ihrer Weinstuben, Besenwirtschaften und Höfe.

Weingüter Idler, Dobler, Mödinger Klopfer verlieren keine Zeit

Das Weingut Idler in Strümpfelbach verliert keine Zeit und bietet von Donnerstag (Fronleichnam) bis Sonntag, 3. bis 6. Juni, einen Sommer-Ausschank an. Auf der Homepage (www.weingut-idler.de) wirbt es für „Bewirtung rund um das Weingut mit leckeren Gerichten vom Lamm aus Feuerbach“. Spontane Einkehr ist allerdings nicht möglich – online sind Zeitfenster von zweieinhalb, am Abend drei Stunden an den einzelnen Tagen unter Angaben der Kontaktdaten buchbar. Wer rund um die Vinothek an einem Tisch Platz nehmen möchte, muss natürlich negativ auf Corona getestet, geimpft oder genesen sein.

Das gilt auch beim Weingut Klopfer, das seine Vinothek am Steingrüble schon an diesem Mittwoch öffnen möchte. Allerdings werden hier keine Reservierungen entgegengenommen. Die Registrierung vor Ort funktioniert per „Luca-App“. Immer mittwochs von 17 bis 21 Uhr – bei möglichen Lockerungen bis 22 Uhr – und sonntags von 15 bis 20 Uhr wird ausgeschenkt.

Ebenfalls vorne dabei ist das Weingut Dobler, das von diesem Donnerstag bis Sonntag jeweils nachmittags einen „Ausschank to go“ am Wengerthäusle auf den drei Riesen anbietet. Mit Wein, anderen Getränken und sogar einem Wildragout. Die Dobler’sche Weinstube in Beutelsbach öffnet am 10. Juni wieder, vorerst bis 26. Juni – nur sonntags ist Ruhetag.

Kerstin Mödinger vom gleichnamigen Weingut kündigt für Donnerstag das erste Mal Bewirtung am neu gebauten Wengerthäusle unweit des Stammsitzes in Strümpfelbach an. „Da können wir im Freien schön großzügig aufstellen“, berichtet sie gut gelaunt. Bestenfalls den ganzen Sommer über freitags bis sonntags soll es hier gemütlich werden, auch wenn der Aufwand aktuell noch groß ist. Kerstin Mödinger: „Wir sind froh über jedes Wochenende, an dem wir dürfen!“

Abwarten und Beobachten in Schnait und Strümpfelbach

Andere planen verhaltener. Der Schnaiter Hermann Stilz kündigt zwar an, er wolle „auf jeden Fall“ seinen Besen aufmachen, nur wann, da sei er noch „in der Findungsphase“. Ohne Pandemie hätte er den Besen traditionell im April, rund um Pfingsten und dann wieder Ende Oktober geöffnet. „Dieses Jahr ist natürlich alles anders“, sagt Stilz – und ärgert sich im Gespräch über „nervige Regeln“und Bürokratie bei der Stadt, die aus seiner Sicht zu starr auf Fristen und Formen beim Antrag einer Ausschankgenehmigung poche und Aktionen in den Weinbergen viel zu kritisch sehe. Tendenz: Im „Oberstüble“-Besen seines Weinguts Wissmann-Stilz wird die Lage erst einmal aufmerksam beobachtet.

So hält es auch das Weingut Wilhelm in Strümpfelbach. „Wir wollen erst mal sehen, ob die Leute es annehmen“, sagt Siegfried Wilhelm und meint das Angebot der Gastronomen, die jetzt wieder öffnen. „Für uns ist es dadurch, dass wir an der Weinstube keine Außenplätze haben, schwierig. Und im Hof braucht man für jeden Ausschank eine Genehmigung.“ Gut möglich, dass es trotzdem das ein oder andere Hoffest gibt, damit endlich mal wieder Geselligkeit einkehrt: „Wir hatten ja ewig lang nicht offen.“

Weingut Schwegler in Endersbach: Hofbesen soll Ende Juni öffnen

Die Pläne des Endersbacher Wengerters Jörg Schwegler für einen „Hofbesen“ haben schon etwas konkretere Formen angenommen. Wann will er im Hof Tische und Bänke aufstellen? „Wir gehen eher von Ende Juni aus. Bei allen Richtlinien, die wir gerade einhalten müssen, bräuchte ich zwei zusätzliche Leute“, sagt Jörg Schwegler. Die Aussicht: Von Ende Juni, Anfang Juli an wird’s immer donnerstags bis sonntags gemütlich bei Schweglers. „Das wollen wir im Sommer dann durchziehen. Wir sind ja fast wetterunabhängig mit unserem Hofdach.“ Die eigentliche Besenwirtschaft, der „Käppelesbesen“ im Untergeschoss, bleibt weiterhin geschlossen. Für den Winter plant ohnehin kaum jemand.

Strümpfelbacher Daniel Kuhnle will die Gastronomen nicht verärgern

Eine besondere Einstellung zu Hoffesten und anderen Angeboten in diesen Wochen hat übrigens der Strümpfelbacher Daniel Kuhnle. Seine Meinung: „Jetzt sollen erst mal die Gastronomen zwei Wochen aufmachen und was verdienen, bevor ich großartig Veranstaltungen organisiere. Wir wollen der Gastro keine Konkurrenz machen, sondern eine Ergänzung sein – das sind ja auch meine Kunden, die will ich nicht verärgern.“ Das heißt aber nicht, dass Kuhnle seinen Weingarten den ganzen Sommer über geschlossen hält. Öffnen würde er in einigen Wochen am liebsten ohne Testpflicht, gerade weil es in Strümpfelbach noch gar keine Möglichkeit für einen Corona-Schnelltest gibt. Auf der Luitenbächer Höhe ist Kuhnle, wie einige seiner Kollegen, auch dabei – gleich zum Auftakt am 2. Juli.

Sabine Sigle hat die Teilnahme an der „Sunset Lounge“ abgesagt

Die Bewirtung der dortigen „Sunset Lounge“ hat die Großheppacherin Sabine Sigle in diesem Jahr hingegen abgesagt. Zwar sei die Luitenbächer Höhe ein herrlicher Ort, aber Sigle befürchtet, wegen der Corona-Beschränkungen – die maximale Anzahl von 120 Gästen darf nicht überschritten werden, Tickets müssen die Besucher im Vorverkauf erwerben – am Ende treue Stammgäste zu vergraulen. Denn wer spontan des Wegs kommt, darf dieses Jahr nicht eingelassen werden.

Ob nun über den Weinbergen oder am Großheppacher Schlossberg: Sabine Sigle freut sich auf den bevorstehenden Sommer, die Geselligkeit ihrer Gäste und jeden weiteren Schritt zurück zur Normalität. Mit dieser Vorfreude ist sie ganz sicher nicht allein.

Die Zwangspause für Gastronomen ist vorbei – steigen jetzt auch die Weinstädter Wengerter und Besen-Betreiber wieder in die Bewirtung ein? Wer sich auf den Weingütern umhört, stößt teils auf Tatendrang, teils auf Zurückhaltung. Die weiterhin strengen Corona-Regeln schrecken viele ab, doch manche legen schon in dieser Woche los. Pläne für Veranstaltungen oder Ausschank im Sommer 2021 haben fast alle.

Die Gaststube geschlossen, im „Besengarten“ geht’s bald los

Die Familie Sigle

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