Weinstadt

Hoffen und Bangen im Weinstädter Einzelhandel: Es wird "ein zäher Winter"

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Wenig los in der Einkaufsstraße – ob’s an den gestiegenen Infektionszahlen und den strengeren Corona-Regeln liegt? © Benjamin Büttner

Bereits nach wenigen Monaten hat das Brautmodengeschäft „Stilikone“ Endersbach wieder verlassen. Die Betreiberin hatte schon die Eröffnung im Frühjahr wegen der Corona-Pandemie verschieben müssen, die vielen Hochzeitsabsagen haben das Projekt vermutlich vollends scheitern lassen. Was wird jetzt aus dem Laden? Und wie blicken andere Ladenbesitzer in der Einkaufsstraße, zum Beispiel die Betreiberin des Reisebüros Schiller, der kalten Jahreszeit entgegen?

Christian Hartmann: Es könnte „ein zäher Winter“ werden

Christian Hartmann, der Geschäftsführer von „Mode am Markt“ und Sprecher der Endersbacher Einzelhändler in der Einkaufsstraße, befürchtet, es könnte „ein zäher Winter“ werden. Schon in der vergangenen Woche, nachdem wieder verschärfte Corona-Regeln in Kraft getreten sind, wurden die Kunden weniger. „Man merkt, dass die Frequenz zurückgeht, aber noch in einem erträglichen Maß“, sagt Christian Hartmann, „wir hoffen alle, dass es sich nicht weiter zuspitzt.“ In Stuttgart, wo Hartmann ebenfalls ein Geschäft betreibt – den „Meat Club“, den er mit den Fußballprofis Martin Harnik und Daniel Ginczek gegründet hat – sei die verschärfte Maskenpflicht deutlich stärker zu spüren, sagt der Unternehmer.

Und in Weinstadt? Wie geht’s den Einzelhändlern um Christian Hartmann herum? Wer schon vor der Corona-Krise Schulden abzubezahlen hatte, sagt er, den habe es vermutlich schlimmer erwischt als ihn, der jetzt freilich auch einen Landeskredit abzustottern habe. Einen zweiten Lockdown, sprich eine erneute Schließung der Geschäfte, würden nach Hartmanns Einschätzung manche Geschäfte nicht überleben.

Das neue Brautmodengeschäft hat das Corona-Jahr nicht überlebt

Das Brautmodengeschäft Stilikone in Endersbach ist schon heute Geschichte. Bereits der Start stand unter keinem guten Stern. Als die Inhaberin Ende März mit dem Verkauf von hochpreisigen Hochzeitskleidern loslegen wollte, machte ihr der Corona-Erlass der Landesregierung einen Strich durch die Rechnung. Später eröffnete das Geschäft zwar, aber nur nach Terminvereinbarung. Großer Betrieb herrschte hier nie – kein Wunder, wurden doch im Frühjahr und Sommer etliche Hochzeitsfeiern abgesagt. Als die warme Jahreszeit dem Ende entgegenging, waren hinter der Glasfront schon keine Kleider mehr zu sehen. Für eine Stellungnahme hat unsere Zeitung die Betreiberin selbst – wie schon im Frühjahr – leider nicht erreicht.

Was es aber zu vermelden gibt: Die Vermieter der Ladenräume, in denen von 2016 bis 2019 das Back- und Partyparadies Dolci Delizie untergebracht war, ehe es in den Kalkofen umgezogen ist, sind bereits auf der Suche nach einem Nachfolger. Am Eingang hängt ein Schild: „Laden zu vermieten – Ab sofort“ mit einer Telefonnummer. Wie zu hören ist, gibt es auch schon Interessenten: Frisöre, Lebensmittler, ein Solarium, Osteopathen ... Die Nachfolge soll offenbar noch in diesem Jahr geregelt werden.

Wird es wegen Corona zu weiteren Schließungen kommen? Momentan ist davon in der Einkaufsstraße nichts zu hören. Auch im Reisebüro Schiller denkt niemand ans Aufgeben, dabei trifft die Krise die Tourismusbranche besonders hart.

„Unsere Grundeinstellung ist immer noch positiv“, sagt Geschäftsführerin Heike Schiller-Balzer, die für alle acht Angestellten bis Ende 2021 Kurzarbeit angemeldet hat, „wir werden durchhalten.“ Beschönigen will sie die Lage aber nicht. Der Sommer sorgte für Entlastung, doch seit die Infektionszahlen wieder stark gestiegen sind, werden kaum noch Reisen gebucht. Es mangele an möglichen Zielgebieten – und selbst wenn Urlaub uneingeschränkt möglich wäre, würde im Reisebüro wohl kein Hochbetrieb herrschen: „Ganz klar, die Leute sind verunsichert“, sagt die Unternehmerin. Winterurlaube würden reihenweise storniert.

Im Reisebüro: Kritik an Ausweisung von Risikogebieten

Kritik übt Heike Schiller-Balzer auch an der Politik. So habe es auf manchen Kanaren-Inseln kaum Corona-Fälle gegeben, dennoch sei vor Reisen dorthin gewarnt worden – erst vor wenigen Tagen ist diese Warnung aufgehoben worden. Manche Politiker, diesen Eindruck hat Heike Schiller-Balzer gewonnen, wüssten auch die Tragweite ihrer Worte nicht einzuschätzen. Wenn die Bundeskanzlerin schon vor Familienbesuchen zu Weihnachten warnt, wer bucht dann noch einen Winterurlaub?

„Wir bekommen aber auch viel Zuspruch“, sagt die Reisebüro-Chefin. Sie und ihr Team versuchen, mit den Kunden in Kontakt zu bleiben – durch entsprechende Öffnungszeiten und auf ausgebauten digitalen Wegen: „Damit sie wissen, wir sind da, wenn es hoffentlich im Frühjahr wieder losgeht.“

Bereits nach wenigen Monaten hat das Brautmodengeschäft „Stilikone“ Endersbach wieder verlassen. Die Betreiberin hatte schon die Eröffnung im Frühjahr wegen der Corona-Pandemie verschieben müssen, die vielen Hochzeitsabsagen haben das Projekt vermutlich vollends scheitern lassen. Was wird jetzt aus dem Laden? Und wie blicken andere Ladenbesitzer in der Einkaufsstraße, zum Beispiel die Betreiberin des Reisebüros Schiller, der kalten Jahreszeit entgegen?

Christian Hartmann: Es könnte

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