Weinstadt

Hohe Spritpreise: Kunden beim "Palmer" in Weinstadt resigniert

Spritpreise Palmer
Kristoffer Brandt vor dem „Palmer“: Bei den aktuellen Preisen muss so manch einer zweimal hinschauen. © Benjamin Büttner

2,35 Euro für einen Liter Diesel, Diesel teurer als Super: vor wenigen Wochen noch schwer vorstellbar, jetzt die Realität. Der Ukraine-Krieg, die Sanktionen gegen Russland und die Auswirkungen davon auf den internationalen Ölmarkt treiben die Spritpreise in ungeahnte Höhen.

Am „Palmer“ in Endersbach herrscht am Mittwochabend trotzdem der ganz normale Feierabend-Betrieb, die Leute tanken voll. Kristoffer Brandt, Assistent der Geschäftsführung, glaubt: Insgesamt haben die Menschen Verständnis dafür, wieso die Preise so explodiert sind – und viele hätten Angst, dass der Preisanstieg noch lange nicht zu Ende ist.

Manche fotografieren die Zapfsäule

Wer die Abläufe an der Tankstelle einmal genauer beobachtet, dem fällt auf: Es ist eben doch nicht alles wie immer. Viele Kunden starren angestrengt auf die Anzeige, während sie tanken.

Andere schütteln ungläubig den Kopf, wenn sie mit dem Kassenzettel in der Hand aus der Tanke kommen. Vereinzelt wird sogar der Endpreis auf der Zapfsäule fotografiert – wohl, um diesen episch teuren Moment zu konservieren.

Angst vor den Konsequenzen für den Lieferverkehr

Eine der Kundinnen an diesem Abend ist eine 66-jährige Weinstädterin. Auch sie wendet den Blick keine Sekunde von der laufenden Anzeige auf der Zapfsäule ab, als könne sie dadurch verhindern, dass es noch teurer wird. Mit den aktuellen Preisen gehe es ihr gar nicht gut, sagt die Rentnerin.

„Das zieht ja auch alles einen Rattenschwanz hintendrein“, sagt sie und denkt dabei zum Beispiel auch an den Lkw-Lieferverkehr. Alles wird gerade teurer - für sie, die monatlich mit ihrer Rente auskommen muss, gar nicht einfach.

Mit der Bahn zu fahren ist auch nicht billiger

Sie lässt das Auto in letzter Zeit häufiger einmal stehen, um Geld zu sparen. Aber das geht eben nicht immer. Jetzt zum Beispiel stehe ein Verwandschaftsbesuch in Tübingen an.

Die 66-Jährige hat ganz genau ausgerechnet, wie viele Liter Benzin sie für die Fahrt wohl brauchen und was das Parkhaus kosten wird. Eigentlich ist das viel zu teuer. „Aber die Bahn ist auch teuer, das gibt sich nicht viel“, sagt die Weinstädterin.

Mehr Verständnis für die Krise als für Steuererhöhungen

Kristoffer Brandt weiß, in welcher schwierigen Situation sich viele Tankstellenkunden gerade befinden: „Die Kunden müssen ja tanken, sie sind aufs Auto angewiesen“, sagt der Assistent der Geschäftsleitung. Und es ist ja nicht das erste Mal, dass die Spritpreise steigen. Der große Unterschied jetzt: Bei den Tankstellenmitarbeitern beschwert sich niemand.

Das sei bei Preiserhöhungen durch Steuern oder auch durch andere Krisen, wie zum Beispiel dem Krieg in Syrien, anders gewesen, erinnert sich Brandt. „Der Kunde ist natürlich nicht gut drauf“, stellt er klar. Aber es sei dieses Mal ein weitreichendes Verständnis bei den Menschen zu spüren, dass der Grund für diese Preisexplosion eben eine „schreckliche, schreckliche Krise“ sei, die noch dazu erschreckend nah ist.

Vom Obdachlosen bis zum Multimillionär

Den Angestellten an der Tankstelle, die ja bei der gesamten Problematik lediglich Mittelsmann sind und keinen Einfluss auf die Preise haben, komme deswegen bis jetzt niemand dumm. „Der vernünftige Kunde weiß, dass wir da die völlig falsche Adresse sind“, sagt Kristoffer Brandt.

Wie stark die Preisexplosion die Kunden trifft, variiere natürlich stark. Wie an jeder anderen Tanke auch habe der „Palmer“ eine Kundenspanne, die „vom Obdachlosen bis zum Multimillionär“ reiche.

Preisanstiege bei den Lebensmitteln nach Möglichkeit ausgleichen

Der „Palmer“ mit seinen 24 Stunden täglicher Öffnungszeit und dem zusätzlichen Sortiment vom Brötchen bis zum Suppengrün hat aber auch viele Stammkunden, die die Betreiber gut kennen. Und von diesen weiß der Assistent der Geschäftsführung: „Da sind schon Leute dabei, wo man weiß, dass das Geld nicht so locker sitzt.“ Als Händler habe man allerdings keinen Spielraum und könne nicht einfach irgendwelche Rabatte geben.

Das Team des „Palmers" versuche daher, einfach mit dem restlichen Angebot weiterhin rund um die Uhr für die Kunden da zu sein – und bei den Lebensmitteln vielleicht die ein oder andere Preiserhöhung durch geschicktes Einkaufsverhalten abzufangen.

Für Geringverdiener wird es besonders hart

Ein weiterer Kunde kommt an diesem Abend zum Tanken, er wirkt vergleichsweise entspannt, während er das Auto volltankt. Der Grund stellt sich schnell heraus: Er tankt für jemand anderen – und muss das Benzin daher nicht selbst bezahlen. Doch wie geht es ihm ganz persönlich mit der aktuellen Situation? „Beschissen“, bringt es der 47-Jährige auf den Punkt. Privat fährt er nämlich einen Diesel, für ihn wird es also ganz besonders teuer.

Stehen lassen kann er das Auto nicht einfach: „Ich brauche es familientechnisch“, erklärt der Vater von zwei Kindern. Warum die Preise jetzt so explodiert sind, könne er zwar mit Blick auf Russland und die Ukraine irgendwo verstehen. Seine Sorge ist aber: Werden die Preise genauso exorbitant bleiben, wenn die Krise einmal vorüber ist? Der Weinstädter befürchtet das. Besonders die Geringverdiener tun ihm leid. Diese müsse der Staat dringend entlasten.

2,35 Euro für einen Liter Diesel, Diesel teurer als Super: vor wenigen Wochen noch schwer vorstellbar, jetzt die Realität. Der Ukraine-Krieg, die Sanktionen gegen Russland und die Auswirkungen davon auf den internationalen Ölmarkt treiben die Spritpreise in ungeahnte Höhen.

Am „Palmer“ in Endersbach herrscht am Mittwochabend trotzdem der ganz normale Feierabend-Betrieb, die Leute tanken voll. Kristoffer Brandt, Assistent der Geschäftsführung, glaubt: Insgesamt haben die Menschen

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