Weinstadt

Home-Office im Hotel: Top oder Flop?

Homeoffice im Hotel
Lothar Kopp vom "libArty Hotels" in einem der fürs Home-Office umgebauten Zimmer: Das Bett musste raus. © Gabriel Habermann

Lockdown, Beherbergungsverbote, Kontaktbeschränkungen und ständige Unsicherheiten, die die wenigen verbliebenen Reisenden vom Hotel-Zimmer-Buchen abhalten: Die Hotelbranche hat ein schweres Jahr hinter sich. Wann Besserung in Sicht ist, ist nach wie vor ungewiss. Die Weinstädter Agentur Abel Consulting hat im Frühjahr eine Plattform für Home-Office im Hotel entwickelt. Auch drei Betriebe aus Weinstadt sind dort vertreten.

So viele Nachfragen wie noch nie

Laut Stefanie Poplutz, Inhaberin der Endersbacher Werbeagentur Abel Consulting, rennen die Hotelbetreiber der Plattform „homeoffice-im-hotel.de“ förmlich die Bude ein: So viele Nachfragen gingen jeden Tag ein, dass ihre Kollegen kaum damit hinterherkämen, die neuen Hotel-Betriebe in die Liste aufzunehmen. „Inzwischen sind über 600 Häuser aufgeführt“, sagt Stefanie Poplutz. „Da ist alles dabei: von der großen städtischen Hotel-Kette bis zum kleinen Reiterhof auf dem Land.“ Längst sind nicht mehr nur Betriebe in Deutschland mit dabei: Hotels aus der Schweiz, in Österreich und sogar der Slowakei seien inzwischen auf der Plattform vertreten – sogar ein Wellness-Ressort aus Ägypten habe angefragt, so Stefanie Poplutz. Als nächsten Schritt will Abel Consulting die Plattform deshalb international erweitern. „Der Trend, die Arbeit mit dem Angenehmen zu verbinden, wird jetzt während Corona immer stärker“, so die Werbe-Fachfrau. Einige Hotels bieten den Büro-Gästen diesem Trend folgend demnach sogar zusätzliche Fitness-Studio-Besuche oder Ähnliches an.

Der durchschnittliche Preis für einen Tag Home-Office im Hotelzimmer (ohne Übernachtung) liege durchschnittlich zwischen 25 und 50 Euro pro Tag. „Für Arbeitgeber ist das deutlich billiger, als Büroflächen anzumieten“, glaubt Stefanie Poplutz.

Gerade für Firmen mit Großraumbüros, die sie jetzt längerfristig nicht mehr so nutzen können wie vor Corona, sei das Angebot attraktiv.

Die Abel-Consulting-Chefin glaubt, dass das Modell auch für Hotels im ländlicheren Raum gut funktionieren könnte: Parkplätze vor dem Hotel, der Blick ins Grüne oder auf einen See seien sehr beliebt. Konkrete Daten dazu, bei welchen Hotels das Home-Office-Angebot funktioniert und bei welchen nicht, hat sie aber keine.

Auf der Internet-Seite „homeoffice-im-hotel.de“ hat jedes teilnehmende Haus einen kleinen Internetauftritt, zumeist mit einem Bild, einer kurzen Beschreibung, einer Telefonnummer und einem Link zur offiziellen Hotel-Website. Durch das Eingeben der Postleitzahl lassen sich ganz schnell die Hotels im Umkreis ermitteln, die auf der Plattform vertreten sind und somit Home-Office im Hotel anbieten.

Aus Weinstadt sind gleich drei Betriebe angemeldet: das Landgut Burg, das Stadthotel Weinstadt und das „libARTy Hotels“ in Beutelsbach.

Schreibtisch statt Bett

Der Auftritt des kleinen Hotels für Kunstliebhaber fällt sofort auf: Abgebildet ist nämlich ein Zimmer, das auf den ersten Blick vielmehr nach einem modern eingerichteten Büro aussieht als nach einem klassischen Hotel-Zimmer: „Wir haben uns Ihren Bedürfnissen angepasst, deshalb haben wir unsere Zimmer mit vollwertigen Büroschreibtischen ausgestattet“, steht in der Beschreibung. Außerdem wirbt das Hotel mit High-Speed-WLAN und Internet-Anschluss über Kabel auf jedem Zimmer.

Lothar Kopp, Besitzer des libARTy, klingt ein wenig resigniert, wenn er von seinem Arbeitsalltag während Corona erzählt. Immerhin hat er sein Hotel erst vor kurzem eröffnet: genau in die Corona-Krise hinein. Aus der fürs Frühjahr geplanten Öffnung wurde erst mal nichts, erst im Juli konnte das Hotel seine Pforten öffnen. Seitdem kämpft Inhaber Lothar Kopp mit allen Kräften gegen die Krise an: Die Gäste blieben die meisten Wochen völlig aus, die staatlichen Hilfen greifen bei ihm nicht richtig, da er keine Zahlen aus dem Vorjahr hat.

Bereits im Frühjahr, als sich angebahnt hatte, dass der Regelbetrieb noch eine ganze Weile so nicht stattfinden würde, habe er sich mit dem Thema Home-Office im Hotel beschäftigt, so Kopp: „Wir haben einen hohen technischen Standard mit schnellem WLAN und Internetanschlüssen in jedem Zimmer.“ Gleichzeitig sei er auf das Portal der Abel-Consulting-Agentur gestoßen. „Da haben wir uns gedacht: Was wäre, wenn wir unsere Zimmer zu Büroräumen umrüsten?“ Also hat der Betrieb noch einmal Geld investiert, um Schreibtische anzuschaffen. „Wir könnten 40 unserer 47 Räume so umrüsten, bei Bedarf könnten wir sogar Drucker zuliefern“, sagt Kopp.

Trotzdem hat bis jetzt noch kein einziger Gast auf dieses Angebot zurückgegriffen. Lothar Kopp glaubt, dass daran die im Moment in allen Bereichen vorherrschende Unsicherheit schuld ist. „Die Leute wissen nicht, was sie in einem Hotel erwartet, ob sie dort auf dem Bett sitzen müssten.“ Außerdem hätten viele Firmen gerade im ersten Lockdown kaum die Kapazitäten gehabt, ins Hotel outzusourcen. Das könnte sich nun aber ändern: „Die Leute arrangieren sich mehr und mehr mit der Situation und lassen sich vielleicht eher auf neue Lösungen ein“, hofft der Hotelbesitzer.

Lockdown, Beherbergungsverbote, Kontaktbeschränkungen und ständige Unsicherheiten, die die wenigen verbliebenen Reisenden vom Hotel-Zimmer-Buchen abhalten: Die Hotelbranche hat ein schweres Jahr hinter sich. Wann Besserung in Sicht ist, ist nach wie vor ungewiss. Die Weinstädter Agentur Abel Consulting hat im Frühjahr eine Plattform für Home-Office im Hotel entwickelt. Auch drei Betriebe aus Weinstadt sind dort vertreten.

So viele Nachfragen wie noch nie

Laut Stefanie

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