Weinstadt

Illegal entsorgter Müll in Weinstadt: Was tun Stadt und Rems-Murr-Kreis dagegen?

Müll
Die Container am Großheppacher Heuweg sind oft vermüllt. © Mathias Ellwanger

Die Mühlwiesen an der Großheppacher Häckermühle haben ein Müllproblem. Auch auf dem Containerstandort am Heuweg liegt am Boden regelmäßig illegal entsorgter Unrat.

Dem Weinstädter Oberbürgermeister Michael Scharmann stinkt das schon lange: „Es kann nicht sein, dass die Gesellschaft und damit der Steuerzahler für den privaten Müll einzelner verantwortungsloser Mitbürger aufkommt.“ Der Stadtchef appelliert an die Eigenverantwortung, egal, ob es um den unachtsam weggeworfenen Pizzakarton auf dem Spielplatz an den Mühlwiesen geht, oder um absichtlich abgelegten Sperrmüll an den Sammelcontainern. Nur: Mit Appellen allein ist es nicht getan. Was macht die Stadt konkret gegen das Problem – und was leistet die Abfallwirtschaft Rems-Murr (AWRM)?

Die Probleme haben zugenommen

Marcus Siegel, Vorstandsmitglied der AWRM, verweist zunächst darauf, dass es sich um ein bundesweites Problem handelt. „Üblicherweise tritt dieses Problem immer zum Jahreswechsel auf, wenn die Container aufgrund der Geschenkverpackungen und Glasflaschen infolge der Feierlichkeiten an Weihnachten und Silvester überlaufen.“ In den vergangenen Wochen trete jedoch das Phänomen der Vermüllung im öffentlichen Raum vermehrt auf – und zwar nicht nur an den Containerstandplätzen.


Kartons werden nur gefaltet – oder gleich neben den Container gelegt

Aktuell beobachtet die Abfallwirtschaft Rems-Murr volle Papiercontainer. Dies wertet Marcus Siegel als Folge der zunehmenden Onlinebestellungen aufgrund der Corona-Krise. Die Kartonagen würden oft gefaltet in die Container eingeworfen, wodurch sie sich nach einer gewissen Zeit wieder auffalten und somit schnell den Container verstopfen. Bei den Bürgern entsteht laut Marcus Siegel so der Eindruck, die Behälter würden nicht geleert werden. Bisweilen stellten die Bürger die Kartonagen auch einfach am Container ab. Zudem beobachtet die AWRM nach seinen Angaben, dass die Vermüllung an den Containerstandorten nicht immer unmittelbar mit zu vollen Containern in Verbindungen steht.

Wer muss die Containerstandorte eigentlich reinigen?

Für diese Vermüllung an von den Kommunen aufgestellten Abfallbehältern ist nach Darstellung des AWRM-Vorstandsmitglieds ausschließlich die Kommune zuständig. „Die Reinigung an den Containerstandplätzen liegt in der Verantwortlichkeit der Städte und Gemeinden.“ Diese würden von den Dualen Systemen (der Grüne Punkt ist hier das bekannteste Mülltrennungssystem in Deutschland) ein Reinigungsentgelt erhalten, das unter anderem zur Sauberhaltung der Standplätze verwendet werden soll.

Obwohl sie nicht zuständig ist, hat die Abfallwirtschaft Rems-Murr temporär die Leerungsrhythmen der Depotcontainer um den Jahreswechsel nach Feiertagen oder ganz aktuell auch während der vergangenen coronabedingten Schließungen der Deponien und Recyclinghöfe erhöht.

Als weitere mögliche Unterstützung bei der Lösung des Problems testet die AWRM derzeit einen „Mängelmelder“ in Alfdorf, Spiegelberg, Sulzbach und Welzheim, mit dem die Bürger über die AWRM-App volle Depotcontainer und Verunreinigungen an den Containerstandplätzen melden können. „Diese Testphase wird voraussichtlich im Herbst 2020 abgeschlossen sein“, betont Marcus Siegel.

Die Stadt hat bereits zusätzliche Mülleimer aufgestellt

Die Stadt Weinstadt verweist darauf, dass sie in den Großheppacher Mühlwiesen jeden Montag und Freitag die Abfalleimer leert. Laut Pressesprecher Holger Niederberger wird auch bei Bedarf und Meldung der Müll entfernt. Nach Ende der Gartenschau im Oktober 2019 wurden die Mülltonnen der Gartenschauveranstaltungen entfernt. Gleich danach wurden nach Niederbergers Angaben zu den vorhandenen Mülleimern am Spielplatz noch zwei weitere Mülltonnen auf dem Gelände aufgestellt. „Mit der wärmeren Jahreszeit kam die Rückmeldung vom Bauhof und vereinzelt auch von Bürgern, dass das Aufkommen von Müll sehr stark ist. Daraufhin wurden vor zwei Wochen zwei weitere fest installierte Mülleimer aufgestellt.“

Wurden in Weinstadt 2020 schon Müllsünder erwischt?

Müllsünder sind auf den Mühlwiesen vom Weinstädter Gemeindevollzugsdienst in diesem Jahr allerdings noch nicht auf frischer Tat ertappt worden. Sollte doch einer erwischt werden, werden von diesem die Personalien aufgenommen. Es wird dann nach Niederbergers Angaben eine Anzeige erstellt und die komplette Akte geht dann zur zuständigen Bußgeldstelle beim Landratsamt. „Die Geldbuße wird dann auch von dieser festgelegt.“

Glas- und Papiercontainer werden einmal pro Woche geleert

Die Abfallwirtschaft Rems-Murr leert sowohl die Glascontainer als auch die Papiercontainer einmal pro Woche. Aufgrund der vielen Feiertage in den vergangenen Wochen hat sich manche Leerung laut dem Weinstädter Pressesprecher etwas verschoben. Das aber sieht Niederberger nicht als Grund für das aktuelle Problem: „Die Häufigkeit der Leerung würde grundsätzlich vollkommen ausreichen, wenn die Menschen nicht zusätzlich illegal weiteren Müll im direkten Umfeld der Container abladen.“

Bauhof bemüht sich

Die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs fahren nach Darstellung des Pressesprechers bereits montags die problematischen Standorte ab und entsorgen den dort illegal abgelagerten Müll, damit die AWRM die entsprechenden Container überhaupt leeren kann. „Sollte unter der Woche eine Meldung von abgelagertem Müll bei der Stadt eingehen, beseitigt der Bauhof diesen noch am selben Tag.“

127 Tonnen illegal abgelegter Müll in Weinstadt

Im Rahmen dieser zusätzlichen Müllentsorgung hat der Weinstädter Bauhof im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben rund 127 Tonnen illegal abgelegten Müll entsorgt. „Im Jahr 2020 fielen bis Ende Mai bereits rund 70 Tonnen an“, betont Niederberger. Der Preis pro Tonne habe sich bei der Entsorgung von circa 295 Euro im Jahr 2019 auf rund 338 Euro in diesem Jahr erhöht. „Die Stadt Weinstadt lässt sich diese ergänzende Entsorgung von illegal abgelagertem Müll also einiges kosten.“

Die Mühlwiesen an der Großheppacher Häckermühle haben ein Müllproblem. Auch auf dem Containerstandort am Heuweg liegt am Boden regelmäßig illegal entsorgter Unrat.

Dem Weinstädter Oberbürgermeister Michael Scharmann stinkt das schon lange: „Es kann nicht sein, dass die Gesellschaft und damit der Steuerzahler für den privaten Müll einzelner verantwortungsloser Mitbürger aufkommt.“ Der Stadtchef appelliert an die Eigenverantwortung, egal, ob es um den unachtsam weggeworfenen Pizzakarton

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