Weinstadt

Im Suff vor der Weinstädter Asylunterkunft ein Auto zu Schrott geschlagen

Obdachlosenunterkunft
In der Asylunterkunft am Heuweg gibt es immer wieder Probleme. © Gabriel Habermann

Im vergangenen Herbst schlug er vor der Flüchtlingsunterkunft im Heuweg den Wagen eines Sicherheitsbeamten mit einem Stuhl zu Schrott und verbrachte daraufhin eine Nacht in Polizeigewahrsam. Jetzt musste sich ein 45-Jähriger vor dem Waiblinger Amtsgericht für seine Tat verantworten. Der Mann aus Pakistan, der in Deutschland nur geduldet ist, räumte die Vorwürfe in vollem Umfang ein, inklusive eines Angriffs auf den 30-jährigen Security-Mann selbst.

Ein Urteil sprach Amtsrichter Kärcher am Ende trotzdem nicht: Weil für den Angeklagten die Unterbringung in einer Psychiatrie infrage kommt, verwies er die Sache an das in solchen Fällen zuständige Landgericht in Stuttgart.

Die Polizeimeldung vom 30. September 2020

Der Vorfall hatte sich am Abend des 30. September 2020 ereignet. Unsere Redaktion veröffentlichte dazu im Nachgang die folgende Meldung: „Die Polizei ist am Mittwoch gegen 21.30 Uhr in die Flüchtlingsunterkunft am Großheppacher Heuweg gerufen worden. ,Hier befand sich ein alkoholisierter 45-jähriger Mann offenbar in einem psychischen Ausnahmezustand‘, schreibt die Polizei. Der Mann habe bereits die Scheibe eines Autos mit einem Stuhl eingeschlagen und dem 30-jährigen Fahrer mit Schlägen gedroht. Da zu befürchten gewesen sei, dass bei einem Verbleib des Mannes in der Unterkunft weitere Straftaten folgen könnten, sei er in Gewahrsam genommen worden.“

Am Heuweg kommt es öfter zu Konflikten

Immer wieder muss die Polizei zu Einsätzen im Großheppacher Heuweg ausrücken, wo neben Asylbewerbern auch Obdachlose untergebracht sind. Als unsere Redaktion zuletzt im Februar über eine Häufung von Gewalt und Randale in der Unterkunft berichtete, gab die Pressestelle der Stadt Weinstadt folgende Einschätzung zur Lage am Ortsrand ab: „Dadurch, dass im Heuweg auch Menschen leben, die keine oder nur eine geringe Bleibeperspektive haben, liegt es in der Natur der Sache, dass es dort häufiger zu Konflikten kommt. Die aktuelle Corona-Situation und die räumliche Enge verschärfen diesen Zustand noch weiter.“

An den Vorfall vom 30. September, der jetzt verhandelt wurde, erinnert sich der Polizeibeamte im Zeugenstand des Amtsgerichts noch gut. Er habe eigentlich einen ganz guten Draht zu dem betrunkenen Mann (1,8 Promille) gehabt. Dieser habe allerdings starke Stimmungsschwankungen gezeigt und später auf der Fahrt zum Revier sogar geweint. Der vernünftige Umgang sei stets in Wut und Drohungen umgeschlagen, wenn der Sicherheitsmann im Sichtfeld des Mannes erschienen sei.

Der Mann war in der Unterkunft als starker Trinker bekannt

Dieser Sicherheitsmann, der mittlerweile nicht mehr am Heuweg im Einsatz ist, berichtet, der Mann, der sein Auto bis zum Totalschaden demoliert habe, sei auch mit dem Stuhl auf ihn losgegangen. Dabei habe er „Scheiß Security! Scheiß Security!“ gerufen, berichtet der 32-Jährige. Warum, das könne er sich nicht erklären. „Er war irgendwie abwesend“, erinnert sich der Zeuge.

Eigentlich sei der Pakistani, der in der Unterkunft als starker Trinker bekannt gewesen sei, eher mit einem seiner Kollegen vom Sicherheitsdienst im Clinch gelegen.

Der Angeklagte hält sich für kerngesund

Der Angeklagte selbst lässt in einer Erklärung verlauten, er sei sauer auf das Security-Personal gewesen, weil dieses seinen Hinweisen, in der Unterkunft werde mit Drogen gehandelt, nicht nachgegangen sei. Er selbst sei zwar zwischenzeitlich wegen seiner Alkoholsucht in Behandlung gewesen, mittlerweile aber trocken und kerngesund.

Der vom Gericht bestellte psychiatrische Gutachter kommt zu einem anderen Ergebnis. Die Alkoholsucht sei keineswegs „geheilt“. Auch weise der unter anderem wegen versuchter Körperverletzung, Sachbeschädigung und Beleidigung vorbestrafte Mann starke Anzeichen eines Verfolgungs- und Bedrohungswahns auf.

Gutachter: Der Mann fühlt sich als Opfer von Verschwörungen

Immer wieder fühle er sich als Opfer abstruser Verschwörungen gegen ihn.  Das sei schon in seiner vorherigen Unterkunft so gewesen „Er hatte das Gefühl, alle stecken unter einer Decke und wollen ihm schaden“, sagt der Gutachter. Er kommt zu dem Ergebnis, der Angeklagte leide unter einer „schizoaffektiven Störung, am besten als manisch zu bezeichnen“. Der Mann habe eine „erheblich eingeschränkte Steuerungsfähigkeit“.

Diese Analyse veranlasst den Amtsrichter schließlich dazu, den Fall ohne Urteil ans Landgericht zu verweisen – dieses ist zuständig für Fälle, bei denen die Unterbringung in einer Psychiatrie infrage kommt.

Im vergangenen Herbst schlug er vor der Flüchtlingsunterkunft im Heuweg den Wagen eines Sicherheitsbeamten mit einem Stuhl zu Schrott und verbrachte daraufhin eine Nacht in Polizeigewahrsam. Jetzt musste sich ein 45-Jähriger vor dem Waiblinger Amtsgericht für seine Tat verantworten. Der Mann aus Pakistan, der in Deutschland nur geduldet ist, räumte die Vorwürfe in vollem Umfang ein, inklusive eines Angriffs auf den 30-jährigen Security-Mann selbst.

Ein Urteil sprach Amtsrichter

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