Weinstadt

Immer Ärger mit Transporterfalle in Weinstadt: Weshalb das Problem fortbesteht

Transporterfalle
Trotz zahlreicher Hinweisschilder und Warntafeln hat sich dieser Kleinlaster am Dienstag in die Unterführung verirrt - und blieb stecken. © Lynn Nagy

Es ist schon wieder passiert: Am Dienstagmorgen, 20. Dezember, um 8.45 Uhr ist ein Kleinlaster in der Unterführung unter der S-Bahn-Linie in Beutelsbach stecken geblieben.

Weil dort trotz zahlreicher Warnvorrichtungen so häufig Transporter, Busse oder auch Kleinlaster feststecken, trägt diese Engstelle inzwischen den Spitznamen „Transporterfalle“. Problematisch ist dabei auch, dass es sich ausgerechnet um eine Bahnunterführung handelt: Knallt ein Fahrzeug gegen die Konstruktion, dürfen die Züge die Brücke sicherheitshalber nicht gleich wieder befahren.

Zugverkehr zwischen Weinstadt-Endersbach und Grunbach gesperrt

So war es auch dieses Mal. Die Bahnstrecke zwischen Weinstadt-Endersbach und Grunbach musste am Dienstagvormittag kurzzeitig in beide Richtungen für den Zugverkehr gesperrt werden. Die S-Bahnen der Linie S 2 mussten in der Folge aus Stuttgart kommend vorzeitig in Endersbach wenden, aus Schorndorf kommend in Grunbach.

Polizei und das Notfallmanagement der Deutschen Bahn waren vor Ort. Um 10.15 Uhr konnte die Strecke nach Begutachtung durch Fachpersonal wieder freigegeben werden: Der Hinteraufbau des Kleinlasters hat die Wucht des Aufpralls größtenteils abgefangen, am Fahrzeug entstanden laut einer ersten Einschätzung der Polizei Schäden in Höhe von 10.000 Euro. Die Schäden an der Brücke dagegen blieben gering.

Es ist mindestens der dritte Vorfall in Beutelsbach allein dieses Jahr

Auch der Autoverkehr konnte nach kurzzeitiger Sperrung etwa eine Stunde nach dem Unfall wieder die Unterführung über die freie Spur passieren, die Polizei regelte den Verkehr. Ein Abschleppdienst zog das gestrandete Fahrzeug am Vormittag aus der Engstelle.

Die Problematik an dieser Örtlichkeit ist bei weitem nicht neu: Auch der Polizei ist die Unterführung mit ihrer Höhenbegrenzung auf zwei Meter hinlänglich bekannt. Allein dieses Jahr ist es schon mindestens der dritte Vorfall: Ende Juni blieb ein Wohnmobil stecken und im September kratzte ein Ford Transit an der Tunneldecke entlang - blieb aber immerhin nicht stecken.

Seit knapp 30 Jahren ist bekannt: Eigentlich müsste die Unterführung umgebaut werden. Denn keine der zahlreichen Warneinrichtungen vor der Tunneleinfahrt hat Autofahrer bisher davon abhalten können, die Höhe ihres Fahrzeugs falsch einzuschätzen. Nur eine Tieferlegung der Straße unter der Unterführung könnte das Problem derweil lösen - die Kosten dafür würden sich aber laut einer früheren Einschätzung der Stadt Weinstadt auf einen mehrstelligen Millionenbetrag belaufen.

Wieso ist die Unterführung so niedrig gebaut worden?

Doch wieso ist die Unterführung überhaupt so niedrig gebaut worden? Dazu hat sich unserer Redaktion gegenüber 2020 Jürgen Hofer geäußert, ehemaliger Oberbürgermeister von Weinstadt (1975 bis 2000). Er verteidigte die damalige Entscheidung der Stadt, den Tunnel so zu bauen, wie er ist: Eine auch für Lastwagen befahrbare Unterführung mit einer Durchfahrtshöhe von 4,50 Metern wäre seiner Aussage nach wegen des vorhandenen Gefälles viel zu steil geworden - insbesondere für Lkw - und wäre somit sicherheitstechnisch nicht zu verantworten gewesen. Gerade bei Schnee oder Glatteis im Winter wäre die Unterführung laut des ehemaligen OBs dann erst recht zur Gefahrenstelle geworden.

Jürgen Hofer glaubt außerdem, dass die Beutelsbacher Ortsmitte sogar davon profitiere, dass keine größeren Fahrzeuge die Bahnunterführung passieren können. Dafür gebe es schließlich die Route über die Stuttgarter Straße und den Mittelanschluss-Kreisverkehr - dieser sei zu einer ähnlichen Zeit gebaut worden wie die Unterführung.

Unterführung hat schon eigene Facebook-Gruppe

Dennoch: Das Problem besteht, die Vorfälle sind nicht nur für Autofahrer, sondern auch für Bahnfahrende ein Ärgernis. Um zu verdeutlichen, wie oft hier tatsächlich Fahrzeuge stecken bleiben, hat unsere Redaktion im Januar 2020 sogar einmal eine Transporterfallen-Chronik aufgestellt: Ein Blick ins Archiv ergab damals 21 Unfälle seit den frühen 90er Jahren.

Und das sind sicherlich nicht alle: Denn nicht jeder Vorfall in der Unterführung wird von der Polizei vermeldet. Auf einige Zwischenfälle wurde unsere Redaktion nur aufmerksam, weil Privatpersonen Bilder der feststeckenden Fahrzeuge im Internet teilten. Denn auch eine eigene Gruppe auf der Internetplattform Facebook hat die berühmt-berüchtigte Engstelle mittlerweile: „DIE Unterführung (Beutelsbach)“ - auch dort lässt sich eine beachtliche Chronik an Vorfällen nachverfolgen.

Es ist schon wieder passiert: Am Dienstagmorgen, 20. Dezember, um 8.45 Uhr ist ein Kleinlaster in der Unterführung unter der S-Bahn-Linie in Beutelsbach stecken geblieben.

Weil dort trotz zahlreicher Warnvorrichtungen so häufig Transporter, Busse oder auch Kleinlaster feststecken, trägt diese Engstelle inzwischen den Spitznamen „Transporterfalle“. Problematisch ist dabei auch, dass es sich ausgerechnet um eine Bahnunterführung handelt: Knallt ein Fahrzeug gegen die Konstruktion,

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