Weinstadt

Impfpflicht für Pflegekräfte: Wie ist die Lage in den Seniorenzentren Weinstadt?

Pflege
Die Personalsituation in den Pflegeeinrichtungen ist auch ohne Impfpflicht schon angespannt. © ALEXANDRA PALMIZI

Bis zum vergangenen Dienstag hatten Angestellte in Pflegeeinrichtungen, Kliniken und Arztpraxen Zeit gehabt, um ihrem Arbeitgeber einen Nachweis über einen vollständigen Corona-Impfschutz oder einen Nachweis zum Genesenenstatus vorzulegen.

Seit Mittwoch, 16. März, gilt bundesweit die sogenannte einrichtungsbezogene Impfpflicht: Die Arbeitgeber sind dazu verpflichtet, nicht immunisierte Mitarbeiter dem Gesundheitsamt zu melden. Auch in Weinstadt sind einige Beschäftigte in Seniorenzentren davon betroffen. Welche Konsequenzen das nach sich ziehen wird, ist im Moment aber noch nicht abschließend geklärt.

Sorge im Heim Großheppach: Zwölf Mitarbeiter betroffen

Die Großheppacher Schwesternschaft, die das Wilhelmine-Canz-Zentrum in Großheppach betreibt, hat bereits Ende Februar die Zahl der nicht geimpften beziehungsweise noch nicht vollständig geimpften Personen in ihrem Mitarbeiterstamm erhoben. Diese Zahlen seien weiterhin aktuell, informiert Pressesprecherin Sibylle Kessel.

Demnach sind von den insgesamt 96 Beschäftigten am Wilhelmine-Canz-Zentrum in den Bereichen Pflege, Hauswirtschaft, Haustechnik, Verwaltung und Leitung derzeit zwölf Mitarbeitende nicht oder nicht vollständig geimpft oder genesen. Darunter seien auch Personen, die sich mit dem neuen Novavax-Impfstoff impfen lassen möchten. Der Großteil dieser Mitarbeiter arbeitet tatsächlich auch in der Pflege, es sind auch drei Auszubildende darunter.

Aufklärungsgespräche beim Betriebsarzt für Ungeimpfte

„Alle Mitarbeitenden nahmen an persönlichen und sehr ausführlichen Aufklärungsgesprächen mit dem Betriebsarzt teil“, so die Schwesternschaft. „Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter, die oder der nicht geimpft ist und nicht mehr tätig werden darf, bringt uns in Nöte.“

Die Schwesternschaft werde die Namen der Mitarbeitenden, die nicht oder noch nicht vollständig geimpft sind, nun in das Portal der Gesundheitsämter einpflegen, das am Mittwoch eröffnet worden ist.

Pfelgeschule Weinstadt: Auszubildende springen ab 

Nun wartet die Heimleitung ab, was die nächsten Schritte des Gesundheitsamtes sein werden. „Sollten Beschäftigungsverbote von Seiten des Gesundheitsamtes ausgesprochen werden, werden wir jeden „Fall“ einzeln betrachten und auf Grundlage aller arbeitsrechtlichen Vorgaben Entscheidungen treffen“, erklärt die Pressesprecherin. Kündigungen habe es wegen der einrichtungsbezogenen Impfpflicht im Wilhelmine-Canz-Zentrum bisher keine gegeben.

Allerdings habe sich die Regelung bereits merklich auf die Pflegeschule der Schwesternschaft ausgewirkt: „Unsere Schulleitung der Evangelische Pflegeschule Weinstadt berichtet, dass Schülerinnen und Schüler, die am 1. April ihre Ausbildung zum Pflegefachmann beziehungsweise Pflegefachfrau beginnen wollten, aufgrund der Impflicht einen anderen Beruf ergreifen und sich abgemeldet haben“, berichtet Sibylle Kessel.

Deutlich weniger Bewerber als in den Vorjahren

„Diese Schüler hatten bereits Ausbildungsverträge in kooperierenden Pflegeeinrichtungen. Teilweise konnten diese Ausbildungsplätze nicht nachbesetzt werden.“ Insgesamt lägen für dieses Ausbildungsjahr deutlich weniger Bewerbungen vor als sonst.

Für das Seniorenzentrum könnte das in Zukunft schwerwiegende Auswirkungen haben: Denn auch so schon gelinge es oft nicht mehr, freie Stellen zu besetzen. „Wir spüren die Belastung der letzten zwei Jahre - Krankheitsausfälle und auch längerfristige Krankenstände häufen sich“, so Kessel.

Personelle Situation auch ohne Impfpflicht sehr angespannt

Auch im Otto-Mühlschlegel-Haus in Endersbach, das vom Alexander-Stift der Diakonie Stetten betrieben wird, ist die Personalsituation auch ohne Impfpflicht schon sehr angespannt. „Den Fachkräftemangel haben wir ja schon vor Corona deutlich gespürt“, schreibt Pressesprecher Steffen Wilhelm auf Nachfrage unserer Zeitung. „Nach mittlerweile zwei Jahren Pandemiezeit und vier vorangegangenen Corona-Wellen sind unsere Mitarbeitenden zudem sehr erschöpft.“

Und die Omikronwelle bringe ja unabhängig von der Impfpflicht schon krankheits- und quarantänebedingte Ausfälle mit sich.

Impfquote bei Mitarbeitern im Alexander-Stift sehr hoch

Glücklicherweise sei die Impfquote bei den Mitarbeitenden im Otto-Mühlschlegel-Haus aber sehr hoch, der Diakonie-Pressesprecher beziffert sie sogar auf 98 Prozent. „Insofern ist der Anteil der noch nicht geimpften Mitarbeitenden sehr gering“ – die einrichtungsbezogene Impfpflicht, die seit Mittwoch gilt, betreffe im Seniorenzentrum in Endersbach daher nur ganz wenige Personen.

Dank der sehr hohen Impfbereitschaft unter den Mitarbeitenden erwartet die Diakonie aktuell keine größeren Auswirkungen auf den Pflegebetrieb im Otto-Mühlschlegel-Haus.

Kündigungen wegen Impfpflicht an anderen Standorten der Diakonie

Kündigungen habe es hier wegen der Impfpflicht ebenfalls noch keine gegeben. An anderen Standorten, an denen die Diakonie Pflegeeinrichtungen betreibt, allerdings schon, teilt Steffen Wilhelm mit.

„Wir melden die betroffenen Mitarbeitenden jetzt umgehend entsprechend der gesetzlichen Vorgaben an die zuständigen Gesundheitsämter“, so Wilhelm.

Konsequenzen bleiben abzuwarten

Ganz allgemein bleibe abzuwarten, wie die Praxis der Gesundheitsämter konkret aussehen wird und ob es in größerem Umfang und dauerhaft zu Tätigkeitsverboten kommen werde. „Sollte das der Fall sein, wäre das eine weitere Verschärfung der ohnehin schon sehr angespannten Personalsituation bei uns.“

Im Moment geht die Diakonie davon aus, dass das Gesundheitsamt die gemeldeten Fälle nach und nach anhand des gesetzlich vorgesehenen Verwaltungsverfahrens abarbeiten werde. „Es wird jeden einzelnen Fall ausführlich prüfen und hierzu auch nochmals selbst auf die betroffenen Personen zugehen“, erklärt Steffen Wilhelm. Dieses Vorgehen gehe aus einer Handreichung des Sozialministeriums des Landes Baden-Württemberg hervor.

Handreichung vom Sozialministerium als Leitfaden

Diese Handreichung zur einrichtungsbezogenen Impfpflicht umfasst, wie es auf der Internetseite des Sozialministeriums nachzulesen ist, unter anderem Ausführungen zu den Fragestellungen, welche Einrichtungen dem Anwendungsbereich der Bestimmung des Paragrafen 20a des Infektionsschutzgesetzes unterfallen und welche Tätigkeiten der einrichtungsbezogenen Impfpflicht unterliegen.

Darüber hinaus enthält die Handreichung auch nähere Informationen zum landeseinheitlichen digitalen Meldeportal. Außerdem skizziert das Sozialministerium darin in einem kurzen Überblick den Ablauf eines Verwaltungsverfahrens bis zum Ergehen einer behördlichen Entscheidung in Form eines Betretungs- oder Betätigungsverbotes.

Luitgardheim rechnet nicht mit Ausfällen

Auf diese Handreichung beruft sich auch der Betreiber des Pflegestifts Luitgardheim in Beutelsbach, der diakonische Altenhilfeträger „Dienste für Menschen“ mit Sitz in Esslingen. In Hinblick auf die seit Mittwoch geltende Impfpflicht halte man sich mit dem Pflegestift Luitgardheim an die gesetzlichen Vorgaben, informiert „Dienste für Menschen“-Pressesprecherin Heike Schneider.

Sie gehe nicht davon aus, dass im Luitgardhaus wegen der einrichtungsbezogenen Impflicht Mitarbeiter ausfallen werden. Angaben dazu, wie viele Mitarbeiter vor Ort nicht vollständig immunisiert sind oder ob es wegen der Impfpflicht Kündigungen gegeben hat, macht der Betreiber aber nicht. „Die Impfung schützt und wir möchten keine Mitarbeitenden verlieren“, so die Pressesprecherin knapp.

Bis zum vergangenen Dienstag hatten Angestellte in Pflegeeinrichtungen, Kliniken und Arztpraxen Zeit gehabt, um ihrem Arbeitgeber einen Nachweis über einen vollständigen Corona-Impfschutz oder einen Nachweis zum Genesenenstatus vorzulegen.

Seit Mittwoch, 16. März, gilt bundesweit die sogenannte einrichtungsbezogene Impfpflicht: Die Arbeitgeber sind dazu verpflichtet, nicht immunisierte Mitarbeiter dem Gesundheitsamt zu melden. Auch in Weinstadt sind einige Beschäftigte in

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