Weinstadt

In Weinstadt-Beutelsbach mit Bierflasche zugeschlagen: Täter erinnert sich nicht

Bier im Wald
Der Angeklagte soll mit einer Bierflasche zugeschlagen haben. © Gabriel Habermann

Sieben Monate Freiheitsentzug wegen gefährlicher Körperverletzung, dazu die Verpflichtung, die Kosten des Verfahrens und die eigenen notwendigen Auslagen zu übernehmen: So lautete das Urteil von Richterin Basoglu-Waselzada gegen einen 33-jährigen Mann aus Nürtingen, der Ende April vor ihr in der Anklagebank saß.

Die Strafe werde auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, unter der Bedingung, dass der Verurteilte den von ihm verursachten Schaden vollständig wiedergutmache.

Tatort: Eine Techno-Party irgendwo im Wald bei Beutelsbach

Eigentlich war er nach Weinstadt gekommen, um bei seiner Schwester eine Geburtstagsparty mitzufeiern, berichtete der Angeklagte, der sich wegen eines Vorfalls zu rechtfertigen hatte, der sich im August vergangenen Jahres ereignet hat. Bei der Feier habe er dann von einer Techno-Party in einem Wald bei Beutelsbach erfahren.

Zu der sei er dann „mit noch drei Leuten“ aufgebrochen, und nach „fünf Dosen Jacky Cola aufwärts“ sei es dann irgendwann zu einem Filmriss gekommen. Er habe an den Vorfall und die gegen ihn erhobenen Vorwürfe keinerlei Erinnerung, ließ er von seinem Verteidiger Rechtsanwalt Fritz Philipp Döringer erklären, räume aber vollumfänglich ein, dass es sich wohl so abgespielt hat. Erklären könne er sich aber nicht, wie es dazu gekommen sei.

Angeklagter habe Streit gesucht, dann unvermittelt zugeschlagen

Der 42-jährige Leidtragende dieses „Filmrisses“ berichtete im Zeugenstand, es habe sich bei dem Fest im Wald um die Geburtstagsfeier seines Bruders gehandelt. Der Angeklagte habe in angetrunkenem Zustand im Eingangsbereich zu dem Grundstück Streit mit anderen Partygästen gesucht.

Als er ihm gut zureden und ihn auf eine Sitzbank begleiten wollte, habe dieser ihm grundlos und völlig unerwartet mit der Bierflasche, die er in der Hand hatte, derart wuchtig ins Gesicht geschlagen, dass einer seiner Vorderzähne ausgebrochen sei. „Es ging ruckzuck“, so der Geschädigte. Der Schläger sei auf den Schlag hin weggelaufen und von der alarmierten Polizei schließlich „aufgesammelt“ worden.

Angeklagter möchte für den Schaden aufkommen

Der ausgeschlagene Zahn sei noch nicht ersetzt worden; das notwendige Implantat werde wohl 900 Euro kosten – wer dafür aufkomme, sei aber leider noch nicht abschließend geklärt. Der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Fritz Philipp Döringer, erklärte dazu, sein Mandant bedaure den Vorfall zutiefst und sei bereit, die von ihm verursachten Kosten zu übernehmen und voll umfänglich Schadenswiedergutmachung zu leisten.

Er leide selbst unter dem Geschehen, das ihn extrem belaste, da er damit in ein Verhaltensmuster zurückgefallen sei, das ihm bereits sieben Vorstrafen, unter anderen auch wegen Gewaltdelikten, eingebracht habe. Allerdings liege die letzte Verurteilung zehn Jahre zurück, was zugunsten seines Mandanten berücksichtigt werden müsse.

Nicht schuldunfähig und vorbestraft

Sowohl die Vertreterin der Staatsanwaltschaft wie auch Richterin Basoglu-Waselzada hielten dem Angeklagten zugute, dass er den gegen ihn erhobenen Vorwurf einräumte und sich glaubhaft für sein Verhalten entschuldigte. Zugutehalten müsse man ihm auch, dass er zum Tatzeitpunkt alkoholisiert gewesen sei, nicht schuldunfähig, aber doch vermindert schuldfähig.

Zu seinen Lasten sprächen seine einschlägigen Vorstrafen, wegen denen er bis 2016 unter Bewährung stand. Die für ihn günstige Sozialprognose beruhe darauf, dass er seit über zehn Jahren in einer festen Beziehung lebe und zudem bald heiraten werde. Er absolviere gerade ein Praktikum in seinem Beruf als Kaufmann und habe ab September eine Festanstellung in Aussicht, wenn er bis dahin den Lkw-Führerschein erwerbe.

Sieben Monate Freiheitsentzug wegen gefährlicher Körperverletzung, dazu die Verpflichtung, die Kosten des Verfahrens und die eigenen notwendigen Auslagen zu übernehmen: So lautete das Urteil von Richterin Basoglu-Waselzada gegen einen 33-jährigen Mann aus Nürtingen, der Ende April vor ihr in der Anklagebank saß.

Die Strafe werde auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, unter der Bedingung, dass der Verurteilte den von ihm verursachten Schaden vollständig

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