Weinstadt

In Weinstadt fehlen Senioren-Wohnungen

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Für ältere Weinstädter wird viel geboten, wenn es um Sport oder Bildung geht. Unser Bild zeigt ein Training beim Beutelsbacher Bewegungsparcours, den der Stadtseniorenrat initiiert hat. Was jedoch fehlt, sind genug altersgerechte Wohnungen und Plätze im betreuten Wohnen. © Büttner / ZVW

Weinstadt. Die Stadt muss ein Handlungskonzept für altersgerechte Wohnformen erstellen. Das hat der Gemeinderat auf Antrag der CDU, bei lediglich einer Enthaltung von OB Michael Scharmann, beschlossen. Die Christdemokraten forderten zudem, im Beutelsbacher Baugebiet Deitwiesländer am Rand der grünen Mitte barrierefreie Appartements möglich zu machen – und zwar schnell.

„Wir haben einen Riesenbedarf“: CDU-Stadtrat Volker Gaupp machte in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats deutlich, wie sehr Weinstadt altersgerechte Wohnungen braucht. Fehlt nämlich ein Aufzug oder sind die Türen nicht breit genug, ist genau das der Grund, warum Senioren oft ihre Wohnungen verlassen müssen, sobald sie auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Wie groß der Bedarf ist, zeigt sich laut Volker Gaupp und seinem Fraktionschef Ulrich Witzlinger am Beispiel des Otto-Mühlschlegel-Hauses in Endersbach: Die Einrichtung der Diakonie Stetten hat neben 47 stationären Pflegeplätzen auch 73 betreute Wohnungen mit Küche und Bad. Hier beträgt nach ihrer Auskunft die durchschnittliche Wartezeit sieben Jahre. Die CDU stellte deshalb im Rahmen des Haushalts 2019 einen Antrag, 30 000 Euro für ein Handlungskonzept für altersgerechte Wohnformen in Weinstadt bereitzustellen. Die Stadtverwaltung empfahl zunächst, dies abzulehnen – doch alle anwesenden Stadträte sahen dies anders.

Amtsleiter Spangenberg wollte andere Prioritäten setzen

Ohne Gegenstimme votierten sie für das Konzept. OB Michael Scharmann enthielt sich der Stimme. Andernfalls wäre er sonst seinem Amtsleiter Ulrich Spangenberg in den Rücken gefallen. Der Chef des Amts für Familie, Bildung und Soziales erläuterte zuvor in der Gemeinderatssitzung, dass er vorhabe, erst mit einem Stadtseniorenplan loszulegen, der im zweiten Halbjahr 2019 in Auftrag gegeben werden soll. Dies, so Spangenberg, sehe man als vorrangig an, danach kann aus seiner Sicht das Handlungskonzept für altersgerechte Wohnformen folgen. „Eins nach dem anderen.“

"Wir haben viel zu lange gewartet"

GOL-Fraktionschef Manfred Siglinger konnte diese Argumentation nicht nachvollziehen. Er fragte sich, warum nicht beides parallel bearbeitet werden könne. Stadträtin Karin Gaiser (CDU) sah’s genauso. „Wir haben viel zu lange gewartet“, betonte sie. Nach ihrer Ansicht werden sich die Probleme im Bereich altersgerechte Wohnformen in Weinstadt weiter verschärfen. „Wir müssen jetzt ran.“

Untersuchen, wie flexible Pflegeangebote gefördert werden können

In seiner Haushaltsrede erinnerte Manfred Siglinger zudem daran, dass die Freien Wähler und die GOL im vergangenen Jahr gemeinsam beantragt hatten, dass die Stadtverwaltung Standorte und Investoren für weitere Pflegeheime suchen soll. Dafür gab es damals im Gemeinderat ein einstimmiges Votum. Mit der personellen Verstärkung des Sozialamts, findet Siglinger, sollte es möglich sein, den Auftrag anzugehen. Untersucht werden soll dabei auch, wie flexible Pflegeangebote gefördert werden können, mit Hilfe derer auch auf Unterstützung angewiesene Bürger ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen können. Freie-Wähler-Fraktionschef Isolde Schurrer ergänzte noch, dass für ein weiteres Pflegeheim ein Standort in der Nähe des Großheppacher Wilhelmine-Canz-Hauses ideal wäre. Das benachbarte Blattareal bietet dort schließlich die nötige Fläche.

Altersgerechter Wohnraum im Baugebiet Deitwiesländer?

SPD-Fraktionschef Julian Künkele sieht ebenfalls Handlungsbedarf. Er brachte das Areal des ehemaligen Mineralbads Cabrio ins Gespräch, das sich nach seinem Dafürhalten ideal eignet, um dort preisgünstige und barrierefreie Wohnungen für Senioren entstehen zu lassen. „In direkter Nähe zum Otto-Mühlschlegel-Haus könnten hier Synergien genutzt werden.“

Was das von allen Fraktionen unterstützte Konzept für altersgerechte Wohnformen angeht, soll sich dieses nach dem Willen der CDU zum einen mit den sozialen Einrichtungen in Weinstadt befassen und zum anderen mit der Stadtplanung. Bei Letzterem wünschen sich die Christdemokraten von der Verwaltung, zu prüfen, ob am Rande der Grünen Mitte auf dem Baugebiet Deitwiesländer altersgerechter Wohnraum entwickelt werden kann. Langfristig möchte Fraktionschef Witzlinger dies in allen Stadtteilen. Auf Antrag der CDU-Fraktion wurden bereits 2018 Haushaltsmittel für ein seniorenpolitisches Konzept beantragt – „jedoch wurde seitens der Verwaltung nichts Entscheidendes unternommen“.


Verschoben

Keine Mehrheit erhielt der GOL-Antrag, 50 000 Euro für einen besseren Witterungsschutz an der Beutelsbacher Friedhofskapelle im Haushalt bereitzustellen. Stattdessen soll es im zweiten Halbjahr einen Sachstandsbericht geben, inklusive Planung und Festlegung des weiteren Vorgehens.