Weinstadt

Interview: Aus Ukraine geflohene Jazzmusikerin Olga Voichenko singt in Weinstadt

Olga Voichenko
Olga Voichenko bei einem Konzert in der Ukraine 2018. © Lyubov Movlyanova

Am Donnerstag, 12. Januar, wird im Jazzclub Armen Konrad ein besonderes Konzert stattfinden. Bei „EBU and the Thing Of Swing“, einem Jazzsextett um den in Korb wohnhaften Jazz-Posaunisten Eberhard Budziat, wird es zwei besondere Gäste geben: Einer von ihnen ist Samuel Restle, ebenfalls Posaunist und studierter Jazz-Musiker, mit 24 Jahren ein aufstrebender Stern der deutschen Jazzszene.

Die Kooperation mit der zweiten Musikerin ist so neu und ungewöhnlich, dass sie es noch nicht einmal mehr ins Programmheft geschafft hat: Das Jazzsextett wird von der ukrainischen Jazzsängerin und Gesangsdozentin Olga Voichenko begleitet, die seit ihrer Flucht in Aalen wohnt. Schon bald nach ihrer Ankunft hat die Musikerin sich in der hiesigen Jazzszene vernetzt, so lernte auch der Korber Posaunist sie kennen. Begeistert von ihrer Virtuosität, hat er sich dann für einige Konzerte mit ihr zusammengetan. In der Ukraine sei Olga Voichenko durchaus eine bekannte Größe, sagt Eberhard Budziat.

Sie möchte nach vorn blicken

Olga Voichenko hat einem Interview mit unserer Redaktion zugestimmt - unter der Bedingung, dass sie nicht über den Krieg in ihrem Heimatland und die Flucht sprechen möchte. Die Jazzsängerin möchte nach vorn schauen und sich ganz ihrer Kunst widmen.

Olga Voichenko ist in der Donezk-Region in der Ukraine geboren. Nach ihrem Abschluss an der Donezk Musical Academy of Jazz Performance studierte sie bei dem bekannten ukrainischen Trompeter Valery Kolesnikov. Seit 2000 lebt und arbeitet die Jazzsängerin in Kiew. Die aktuellen Umstände hätten sie nun nach Baden-Württemberg verschlagen, erzählt Olga Voichenko. Das folgende Interview wurde aus dem Englischen übersetzt.

Olga Voichenko, was ist Ihre persönliche Verbindung zur Musik und wann haben Sie sich entschieden, Musikerin zu werden?

Musik! Für mich sind das Emotionen, ein Zustand, Information und Notwendigkeit. Alles, was du hörst, siehst oder fühlst, wird aufgesaugt und dann in Musik umgewandelt durch deine eigenen Gefühle und Erfahrungen. Ich habe in meiner frühen Kindheit begonnen, Musik zu erlernen, und wusste damals schon, dass das mein Lebensweg sein würde. Ich muss sagen, dass mein Großvater in mir ein großes Interesse an der Musik erweckt hat, er war ein wichtiger Einfluss. Er sang in der Kirche mit seiner vollen, kräftigen Bassstimme. Wir alle haben ihm wie benommen zugehört. Gleichzeitig haben meine Mutter und ihre drei Schwestern wunderschön vierstimmig Lieder zusammen gesungen. Und zu guter Letzt war da mein älterer Bruder, der bereits in einer Band Sachen von Deep Purple und den Beatles spielte und mich zu den Proben seiner Band mitnahm.

Wie erleben Sie die deutsche Kultur als Musikerin?

Oh! Deutsche Kultur ist eine große Vielfalt von großen Komponisten, Schriftstellern, Künstlern, Philosophen und anderem. Ich bin sehr froh, dass ich Bachs Stücke durchgenommen habe, als ich in der Musikschule war. Und als ich an der Musikhochschule studiert habe, war ich sehr beeindruckt von der Musik von Arnold Schönberg. Jetzt habe ich wunderbare Jazz-Musiker aus Stuttgart, Schwäbisch-Gmünd und Aalen getroffen. Wir machen Musik, spielen Konzerte und ich bin sehr froh darüber.

Wann sind Sie nach Deutschland gekommen? Wo wohnen Sie im Moment?

Ich bin im März 2022 in Deutschland angekommen, in Berlin, und hatte geplant, bei Musikerfreunden zu bleiben. Früher hatten wir gemeinsam Konzerte in Berlin, Karlsruhe, Baden-Baden und anderen Orten in Deutschland. Aber das Schicksal hat anders entschieden und ich bin in Stuttgart gelandet. Jetzt lebe ich in Aalen.

Wie ist der Kontakt zu Eberhard Budziat zustande gekommen? Kannten Sie ihn bereits?

Als wir begannen, das Programm mit dem wundervollen Jazz-Gitarristen Matthias Flum aus Schwäbisch-Gmünd zu proben, hat er den begabten Trompeter Christoph Braun eingeladen. Und dann hat mich Christoph Eberhard vorgestellt. Einen Tag später hat Eberhard mich eingeladen, bei seinen Konzerten zu singen. Und von diesem Moment an begann der „Musikalische Sturm“ im guten Sinn des Wortes! Auch wenn wir uns erst kurz kennen, Eberhard Budziat ist ein erstklassiger Profi-Musiker, Komponist, Arrangeur, Dirigent und Lehrer. Sein breitgefächerter Musikgeschmack ist beeindruckend. Er arbeitet sehr hart und widmet sich ganz der Musik. Ich schätze unsere musikalische Freundschaft und Kooperation sehr.

Ist das Konzert in Weinstadt das erste Konzert, dass Sie beide in Deutschland geben?

Mit Eberhard habe ich bereits bei zwei Konzerten gesungen, in Stuttgart und in Steinheim. In Weinstadt werde ich zum ersten Mal in einem Jazzclub singen.

Was können Zuhörer von dem Konzert in Weinstadt erwarten?

Das Konzert wird interessant. Es werden Kompositionen arrangiert von Eberhard Budziat und Samuel Restle aufgeführt. Das Publikum wird außerdem Gesangskompositionen und ein Stückchen ukrainische Kultur zu hören bekommen.

Wenn es in Ordnung ist, dass ich frage: Was bedeutet Ihre aktuelle Situation für Sie als Künstlerin?

Ein Musiker muss immer in seinem Umfeld sein, ansonsten wird er sterben wie ein Fisch ohne Wasser. Ich habe dieses Gefühl erlebt, als ich in den Notunterkünften und dann in einem Heim gewohnt habe. Es gab keine Möglichkeit, Musik zu machen! Aber ich hatte Glück, ich traf einen Musiker aus dem Ort und er gab mir ein Keyboard zum Üben. Es war wunderbar! Und ich bin ihm sehr dankbar. Jetzt ist meine musikalische Situation besser, es gibt die Möglichkeit, Musik zu machen und zu singen. Das verdanke ich den Musiker-Kollegen: Eberhard Budziat, Christoph Braun, Matthias Flum und Thilo Schimele, denen ich ein riesengroßes Dankeschön aussprechen möchte! Sie haben mich nicht nur mit musikalischer Hilfe aufgefangen, sondern auch mit Menschlichkeit. Vielen Dank!

Am Donnerstag, 12. Januar, wird im Jazzclub Armen Konrad ein besonderes Konzert stattfinden. Bei „EBU and the Thing Of Swing“, einem Jazzsextett um den in Korb wohnhaften Jazz-Posaunisten Eberhard Budziat, wird es zwei besondere Gäste geben: Einer von ihnen ist Samuel Restle, ebenfalls Posaunist und studierter Jazz-Musiker, mit 24 Jahren ein aufstrebender Stern der deutschen Jazzszene.

Die Kooperation mit der zweiten Musikerin ist so neu und ungewöhnlich, dass sie es noch nicht einmal

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper