Weinstadt

Jugendliche und Kinder im Corona-Lockdown: Jonathan Schackert (18) aus Weinstadt mit flammendem Appell

Jugendgemeinderat
Politisch engagiert in Weinstadt: Jonathan Schackert (Archivfoto) © Gaby Schneider

Für viele Kinder und Jugendliche bringt die Corona-Pandemie riesige Probleme mit sich.  Jonathan Schackert (18) hat am Donnerstagabend in der Jahnhalle gefordert, sie nicht alleinzulassen. Der Sprecher des Jugendgemeinderats bezog sich dabei insbesondere auf finanziell schwache Familien.

Er drängte in einer flammenden Rede an die Weinstädter Stadträte darauf, eine zusätzliche Stelle in der Jugendsozialarbeit so rasch wie möglich auszuschreiben. Die neue Fachkraft soll helfen, die heftigen psychischen und physischen Auswirkungen der Corona-Krise bei Jugendlichen abzufedern. Doch vorerst wird niemand eingestellt.

Denn die Stelle ist aus finanziellen Gründen noch mit einem Sperrvermerk belegt. Schackert hält das für einen großen Fehler. „Ich möchte einen Appell an Sie richten, an Ihre Vernunft und an Ihr Gewissen“, sagte er im Kultur- und Sozialausschuss . „Ich glaube, das ist das wichtigste Thema, zu dem ich hier je gesprochen habe.“

Schulbusse, offenes WLAN, das alles sei ersetzbar. Die Hilfe für Kinder und Jugendliche, die in der Corona-Krise den Halt verloren haben, sei hingegen alternativlos.

Jonathan Schackert: „Wir gehören zu einer privilegierten Gruppe“

„Wir alle sind von Corona betroffen“, sagte Schackert. Alle im Saal hätten sich bestimmt Fragen zur Zukunft gestellt, sogar Existenzängste durchlebt. „Aber jeder von uns ist gut durch die Krise gekommen. Wir gehören zu einer privilegierten Gruppe! Können Sie sich vorstellen, wie es Kinder und Jugendlichen geht, die in Familien aus prekären Verhältnissen leben? Ich nicht, aber ich weiß, dass das eine extrem beschissene Situation sein muss!“ Schackert sprach laut und deutlich, seine Stimme bebte. Je länger der Gemeinderat das Thema auf die lange Bank schiebe, „desto mehr Jugendliche werden hinten runterfallen“, so Schackert und bekam dafür Applaus von Oberbürgermeister Michael Scharmann und der Verwaltungsbank.

Stadtjugendreferent Kurt Meyer: "Zunehmende Depressionen" bei Kindern und Jugendlichen

Zuvor hatte Stadtjugendreferent Kurt Meyer von dramatischen Folgen für Kinder und Jugendliche durch die Corona-Krise berichtet. „Die psychischen und physischen Auswirkungen, die sich bei den Jugendlichen zeigen, sind mittlerweile unübersehbar“, so Meyer. Er verwies auf eine Studie der Universitäten Hildesheim und Frankfurt, nach denen sich bei Kindern und Jugendlichen in Lockdown-Zeiten „diffuse Zukunftsängste“, der Eindruck eines gestiegenen Leistungsdrucks, „zunehmende Depressionen“ und „Gefühle der Ohnmacht“ breitgemacht hätten.

Kurt Meyer versetzte sich in die Lage der Mädchen und Jungen: „Dieses Gefühl der Fremdbestimmung. Ich darf nicht mehr raus, meine Freunde treffen. Und das alles in einem Alter, wo es wichtig ist, unbeschwert das Leben genießen zu dürfen.“

Wenn die Pandemie vorbei ist, muss die Stadt voll da sein für die Jugend

Schon heute engagierten sich die Mitarbeiter des Jugendhauses sehr, oft auch online. Der Redebedarf der Jugendlichen sei riesig. Wenn es die Pandemie-Bestimmungen wieder zuließen, müsse die Stadt mit voller Kraft da sein für die jungen Menschen, um die Folgen der Krise mit einem „sportlichen, kreativen und sinnstiftenden Freizeitangebot“ abzufedern. Ein neues pädagogisches Konzept sieht unter anderem vor, dass die Mitarbeiter vermehrt mit ihren Angeboten in die verschiedenen Stadtteile kommen – dafür brauche es aber die Aufstockung auf eine vierte Personalstelle.

Die Räte fühlten sich nach Meyers und vor allem Schackerts Ausführungen unwohl in ihrer Haut, das gab Michael Koch (Freie Wähler) zu. Von ihrer grundsätzlichen Haltung, die Ergebnisse einer Organisationsuntersuchung und die finanziellen Folgen von Corona abwarten zu wollen, rückten sie aber nicht ab. Die Empfehlung ans gesamte Gremium lautet jetzt zwar, den Sperrvermerk aufzuheben – allerdings erst in einer Gemeinderatssitzung Ende April.

Ulrich Spangenberg: Eine neue Stelle im öffentlichen Dienst zu schaffen, braucht Zeit

Wann das Team des Jugendreferats also wirklich aufgestockt wird – eine Maßnahme übrigens, die alle im Gremium als notwendig erachten, wie mehrfach betont wurde –, steht noch in den Sternen. Ulrich Spangenberg, Leiter des Amts für Familie, Bildung und Soziales, erinnerte daran, dass eine Ausschreibung im öffentlichen Dienst „nicht in 14 Tagen erledigt“ sei.

Für viele Kinder und Jugendliche bringt die Corona-Pandemie riesige Probleme mit sich.  Jonathan Schackert (18) hat am Donnerstagabend in der Jahnhalle gefordert, sie nicht alleinzulassen. Der Sprecher des Jugendgemeinderats bezog sich dabei insbesondere auf finanziell schwache Familien.

Er drängte in einer flammenden Rede an die Weinstädter Stadträte darauf, eine zusätzliche Stelle in der Jugendsozialarbeit so rasch wie möglich auszuschreiben. Die neue Fachkraft soll helfen, die

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