Weinstadt

Kein 2G mehr im Einzelhandel in Weinstadt: Kommen die Kunden zurück?

3G Einzelhandel
Am Mittwoch hat Christian Hartmann an der Tür seines Geschäfts „Mode am Markt“ wieder den 3G-Hinweis aufgehängt. © Alexandra Palmizi

Am Mittwoch haben auch in Weinstadt die Einzelhändler die Hinweise auf die 2G-Regel von ihren Eingangstüren entfernt und die 3G-Schilder wieder herausgekramt: Am Dienstag, 25. Januar, hat der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim das Einfrieren der Alarmstufe II durch die Corona-Verordnung der Landesregierung für „voraussichtlich rechtswidrig“ erklärt – die darin vorgesehene 2G-Regel wurde außer Vollzug gesetzt, mit sofortiger Wirkung. Die einzige richtige Entscheidung, findet Christian Hartmann.

Hartmann hält 2G für rein politisches Instrument

Hartmann ist Sprecher der Endersbacher Einkaufsstraße, der Ortsgruppe der Vereinigung Weinstädter Unternehmer und Betreiber des Bekleidungsgeschäfts „Mode am Markt“. Ein Freund der 2G-Regel im Einzelhandel war er noch nie: Dafür fehle einfach jede virologische Grundlage, argumentiert der Betreiber von „Mode am Markt“ in der Endersbacher Einkaufsstraße.

„Der einzige Sinn von 2G ist, den Druck auf Ungeimpfte zu erhöhen“, so der Modehändler. Eine rein politische Maßnahme also, die „auf dem Rücken von ein paar Branchen“ ausgetragen werde. „Wir haben für alles Verständnis, solange es virologisch Sinn macht“, stellt Hartmann klar.

Regeln zu 2G sind bundesweit nicht einheitlich

So richtig freuen kann er sich deshalb über die Neuerung noch nicht: Denn es ist kein Urteil gegen 2G im Einzelhandel an sich – lediglich die Bestimmungen der Alarmstufe II sind für den Handel fürs Erste außer Kraft gesetzt.

Was den Einzelhändler-Sprecher an der 2G-Regel besonders stört, ist, dass sie sich kaum logisch nachvollziehen lasse: Für einen Juwelier gelte etwas anderes als für einen Blumenhändler. Und in Baden-Württemberg gelten andere Regeln als in Bayern, so der Modehändler.

Was zählt wirklich als "täglicher Bedarf"?

Nicht einmal darüber, welche Geschäfte genau jetzt zum „täglichen Bedarf“ gehören und damit von der 2G-Regel ausgenommen sind, könne man sich bundesweit einig werden.

Ganz abgesehen davon, dass es einfach keinerlei virologische Evidenz dafür gebe, dass sich die Menschen in einem Klamottenladen eher anstecken als in einem Supermarkt. Den Politiker wolle er einmal sehen, der freiwillig auf 30 bis 40 Prozent seines Gehaltes verzichte – nur, um Druck auf Ungeimpfte auszuüben, bemängelt Christian Hartmann.

Einzelhändler in Weinstadt haben durch 2G Verluste gemacht

Denn der Verlust durch 2G sei durchaus spürbar gewesen. Dabei gehe es gar nicht darum, dass wirklich so viele Ungeimpfte im Endersbacher Einzelhandel einkaufen würden.

Aber der psychologische Effekt so einer Beschränkung sei einfach nicht zu unterschätzen. Die Zugangsbeschränkung für Geimpfte und Genesene signalisiere den Kunden: Hier herrscht besonders große Ansteckungsgefahr, glaubt Christian Hartmann.

Seine schlimmste Befürchtung hat sich nicht bewahrheitet

Jedenfalls würde das erklären, wieso die Einführung von 2G bei ihm im Laden Ende November sich dermaßen stark ausgewirkt hat: „Es lief wieder alles normal bis zu 2G. Mit dem Tag von 2G sind die Einnahmen eingebrochen“, berichtet Hartmann. Ein schwerer Dezember und ein schwerer Januar seien es bis jetzt gewesen. Seine sieben Angestellten habe er trotzdem nicht wieder in Kurzarbeit geschickt. „Das kann ich den Mitarbeitern einfach nicht mehr zumuten“, sagt Christian Hartmann.

Immerhin: Seine schlimmste Befürchtung, vor Weihnachten noch könne der nächste Lockdown auf den Einzelhandel zurollen, hat sich dann doch nicht erfüllt. „Wir kommen da schon durch“, sagt der Modehändler jetzt schon etwas optimistischer. „Aber die zwei Jahre haben finanziell schon sehr wehgetan.“

Lockerungen kommen zu ungünstigem Zeitpunkt

Jetzt steht sein Laden seit zwei Tagen auch wieder Kunden offen, die zwar weder geimpft noch genesen sind, aber einen tagesaktuellen negativen Schnelltest vorweisen können. Der erhoffte positive Effekt bleibt bis jetzt aber noch aus: Nur vereinzelte Kunden finden am Donnerstagvormittag in das Modegeschäft in der Strümpfelbacher Straße.

Es sei natürlich auch ein Stück weit wirklich schlechtes Timing, dass die Lockerungen gerade jetzt in die dickste Corona-Omikron-Welle hineinfallen, so der Einzelhändler-Sprecher.

Viele Menschen hätten gerade Sorge, sich anzustecken, und blieben lieber zu Hause – egal, ob geimpft oder nicht, glaubt Hartmann. Er hofft, dass in zwei oder drei Wochen, wenn sich die Lage mit der Omikron-Variante wieder etwas beruhigt habe, die Kunden in die Geschäfte zurückkehren werden. So, wie es auch im vergangenen Herbst mit geltender 3G-Regel der Fall gewesen sei.

Am Mittwoch haben auch in Weinstadt die Einzelhändler die Hinweise auf die 2G-Regel von ihren Eingangstüren entfernt und die 3G-Schilder wieder herausgekramt: Am Dienstag, 25. Januar, hat der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim das Einfrieren der Alarmstufe II durch die Corona-Verordnung der Landesregierung für „voraussichtlich rechtswidrig“ erklärt – die darin vorgesehene 2G-Regel wurde außer Vollzug gesetzt, mit sofortiger Wirkung. Die einzige richtige Entscheidung, findet Christian

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper