Weinstadt

Kein Neujahrsempfang, dafür ein ganzer Film über Weinstadt

Kultur-Drive-In
Auch das war 2020: Kultur-Drive-in in Weinstadt. © Alexandra Palmizi

Er beginnt mit Weinstadt aus der Vogelperspektive und sphärischen Klängen, hat aber noch mehr zu bieten als herrliche Aufnahmen: Auf der Homepage der Stadt ist am Freitagmittag ein Film online gegangen, in dem auf das Jahr 2020 in Weinstadt zurückgeblickt wird. Er stellt quasi das Ersatzprogramm dar für den Neujahrsempfang, der eigentlich am vergangenen Sonntag in der Jahnhalle stattgefunden hätte, coronabedingt aber ausgefallen ist. Eine gelungene Alternative?

In zahlreichen Kommunen waren in den vergangenen Wochen die Grußworte der Stadtchefs aufgezeichnet und im Netz veröffentlicht worden, mal mit, mal ohne größeres Rahmenprogramm. Während Benedikt Paulowitsch in Kernen beispielsweise eine coronakonforme Weinprobe veranstaltete, beschränkte sich Oberbürgermeister Andreas Hesky auf seine Ansprache aus dem Bürgerzentrum.

VIele Weinstädter interviewt

In Weinstadt ist zwar auch Bürgermeister Michael Scharmann zu sehen und zu hören, der Stadtchef steht aber weniger stark im Mittelpunkt als bei den Produktionen seiner Amtskollegen ringsum. Stattdessen hat Pressesprecher und OB-Referent Holger Niederberger, der vor seiner Zeit im Rathaus als Journalist gearbeitet hat, das vergangene Jahr über filmische Eindrücke gesammelt und Akteure in der Stadt interviewt. Diese Szenen hat er jetzt um aktuelle Aufnahmen ergänzt und daraus einen halbstündigen Film zusammengeschnitten. 

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Natürlich spielt in dem Film die Corona-Krise eine große Rolle – der Blick wird allerdings in der Hauptsache darauf gelenkt, was in Weinstadt trotz der immensen Einschränkungen geboten war: Autokonzerte im „Kultur-Drive-In“ oder die Veranstaltungsreihe „Ab auf die Insel“ an der Rems zum Beispiel.

„Sie sehen, was trotz, oder eben auch wegen Corona im letzten Jahr in Weinstadt alles geboten war“, resümiert OB Michael Scharmann im Film. Die Coronapandemie habe auch für alle Menschen in Weinstadt massive Einschränkungen, tiefgreifende Veränderungen und teilweise deutliche wirtschaftliche Einbußen zur Folge.

„Sowohl der Lockdown im Frühjahr 2020 als auch der aktuelle Lockdown verlangen allen viel ab und bringen den einen oder die andere an die Grenze des Erträglichen. Ich hoffe, dass die derzeitigen Maßnahmen möglichst schnell die gewünschte Wirkung zeigen, um die Pandemie einzudämmen, und dazu beitragen, so schnell wie möglich eine gewisse Normalität wieder herzustellen“, sagt Scharmann.

Der soziale und kulturelle Austausch hat gelitten

Nicht zuletzt habe auch der soziale und kulturelle Austausch in Weinstadt unter den Coronamaßnahmen sehr gelitten: „Viele liebgewonnene Traditionen konnten wir 2020 nicht oder nur eingeschränkt fortführen“, so Michael Scharmann weiter. Dennoch habe es auch Entwicklungen gegeben, denen man etwas Positives abgewinnen könne: „Wir haben auch gesehen, wie die Menschen sich gegenseitig unterstützt haben, wie wir in Weinstadt in der Krise noch enger zusammengewachsen sind“, betont OB Scharmann.

Nach vorne wird auch geblickt: OB Scharmann spricht unter anderem über die großen Schulbauprojekte und neue Wohngebiete, ehe – Schnitt – Baubürgermeister Thomas Deißler zu sehen ist, der vor Baugruben und Baggern über zukünftige Quartiersentwicklungen in Weinstadt spricht. Viele Weinstädter kommen zu Wort: Die Leiterin des neuen Kinderhauses Irisweg erklärt ihr Konzept, der Feuerwehrkommandant berichtet von Herausforderungen bei der Schulung seiner Leute, der Stadtwerkechef über Klimaschutz und E-Mobilität, der Zuschauer fährt mit im neuen Seniorenmobil und lauscht dem Musikschulleiter am Piano oder Kindern beim Musikmachen mit dem Mund ...

Mit Fokus auf die Lösungen

Das Fazit des Zeitungsredakteurs: Anstelle des klassischen Neujahrsempfangs ist ein sehenswerter und kurzweiliger Film entstanden. Der Fokus liegt nicht auf den Problemen, sondern auf den Lösungen für die Corona-Krise, die im Kleinen vielfach gefunden wurden. Klar ist auch: Die „Reportage“ (Zitat aus der Pressemitteilung) ist ein Imagefilm, der nicht ausleuchten soll, was im vergangenen Jahr womöglich nicht so gut gelaufen ist in Weinstadt. Das wäre in einer Neujahrsansprache in der Jahnhalle aber nicht anders gewesen.

Die professionelle Produktion aus dem Rathaus liefert dafür einmal mehr die Erkenntnis: Es war nicht alles schlecht, selbst im verflixten Jahr 2020 nicht.