Weinstadt

Kitastreik: Eltern sagen ihre Meinung

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Der Eingang vom Kinderhaus Benzach am Mittwoch kurz vor 15 Uhr. Um diese Uhrzeit holen viele Eltern ihre Kinder ab. Unsere Zeitung hat einige von ihnen zum Streik am Donnerstag befragt – denn ihre Benzacher Kita mit insgesamt rund 65 Betreuungsplätzen wird an diesem Tag komplett geschlossen bleiben. © Büttner / ZVW

Weinstadt. Was machen eigentlich die Weinstädter Eltern, die am Donnerstag vom Kitastreik betroffen sind? Schließlich folgen Erzieherinnen und Erzieher aus mehreren Einrichtungen dem Aufruf der Gewerkschaften. Unsere Zeitung hat sich am Mittwochnachmittag vorm Kinderhaus Benzach umgehört, wie die Stimmung bei Müttern und Vätern ist.

„Wir haben notgedrungen die Oma aus Oberschwaben herbestellt“, sagt Larissa Schmauz. Zwei Stunden müsse diese mit dem Auto fahren, es ist der erste Einsatz der Großmutter bei einem Streik. Die Alternative wäre gewesen, dass der Mann von Larissa Schmauz vormittags von zu Hause aus arbeitet, also „Home Office“ macht.


Alle Informationen zum Warnstreik gibt es hier


Die Benzacherin wäre dann mittags von der Arbeit gekommen und hätte ihren Partner abgelöst. Larissa Schmauz ist daher sehr glücklich, dass die Oma extra anreist. Ihr ist aber auch klar, dass es mit Blick auf eine mögliche Eskalation des Arbeitskampfs für berufstätige Eltern wie sie und ihren Mann nicht einfacher wird.

Schließlich gibt es am Donnerstag nur einen eintägigen Warnstreik, zu dem die Gewerkschaften aufrufen. „Mehrere Tage wären sehr schwierig – vor allem, wenn sie nicht hintereinander sind“, sagt Larissa Schmauz. Dennoch gehört sie nicht zu den Eltern, die nun auf die streikenden Erzieherinnen und Erzieher schimpfen – im Gegenteil: Die Benzacher Mutter findet, dass die Mitarbeiter eine höhere Entlohnung verdient haben. „Die machen tolle Arbeit.“

Einige Eltern haben Verständnis, andere nicht

Das Kinderhaus Benzach mit seinen Krippen- und Kindergartengruppen mit insgesamt rund 65 Plätzen ist eine von zwei Einrichtungen in Weinstadt, die am Donnerstag komplett geschlossen bleiben sollen. Die zweite ist nach Auskunft der Stadtverwaltung der Burgkindergarten in Beutelsbach. In weiteren Einrichtungen sollen zumindest einige Gruppen geschlossen werden.

Es gibt aber auch einige Kitas, in denen laut der Stadt niemand streikt. Das Stimmungsbild, das unsere Zeitung kurz vor 15 Uhr vor der Benzacher Kita erhält, ist ganz unterschiedlich. Ruth Bärenfeld holt gerade ihr Urenkele ab. Dank zweier Omas, zweier Opas und zwei Uromas ist die Kinderbetreuung in der Familie auch am Streiktag problemlos gesichert.

Die Beutelsbacherin hat früher selbst in einem Hort in Endersbach gearbeitet, von daher hat sie volles Verständnis für den Streik. Die Anforderungen an die Erzieher seien in den vergangenen Jahren ständig gestiegen, unter anderem durch die Dokumentationspflicht der Arbeit mit den Kindern.

„Ich bin voll dafür“

Zugleich seien die Eltern kritischer als früher. Ein Familienvater aus Endersbach gibt dagegen zu, dass er wenig Verständnis für die Streikenden hat. „Klar, das Recht besteht, aber es wird auf unserem Rücken ausgetragen.“ Seine Frau nimmt am Donnerstag nun Urlaub. Besser hat es da Harenet Dienes: Sie arbeitet Teilzeit und kann einfach den Tag tauschen, an dem sie für die Firma tätig ist. Dieses Entgegenkommen ihres Arbeitgebers freut die Mutter. Den Streik findet sie übrigens gut. „Ich bin voll dafür.“

Jenny Bässler aus Großheppach muss dagegen Urlaub nehmen, um sich um ihre beiden Kinder zu kümmern. Sie hält wenig von dem Streik. Erst am Dienstag hat sie laut eigener Aussage erfahren, dass ihre Kita komplett geschlossen hat – aus ihrer Sicht zu kurzfristig, um privat eine anderweitige Betreuung zu organisieren. Sie findet, dass die Stadt Weinstadt nicht die volle Monatsgebühr von den Eltern einkassieren sollte.

Stine Hilger ist Hausfrau und kann daher den Kitastreik besser verkraften als Berufstätige. Geld von der Stadt würde sie erst verlangen, wenn weitere Streiktage dazukommen. „Wenn es mehr wird, finde ich es wichtig, wenn wenigstens das Essensgeld erstattet wird.“ Im Moment zahlt die Mutter dafür im Monat 70 Euro.

Stadt erklärt, warum es diesmal keine Notgruppen gibt

Dass es am Donnerstag in Weinstadt keine Notgruppen geben wird, macht es den Eltern jener Kitas, in denen gestreikt wird, nicht leichter. Laut Jochen Beglau, dem Sprecher der Stadt, hat Weinstadt in der Vergangenheit durchaus welche eingerichtet – doch das Vertretungspersonal von 30 Mitarbeitern sei derzeit wegen Krankheiten und Schwangerschaften bereits ausgebucht. Da in Kitas vor allem viele junge Frauen arbeiten und diese häufiger Kinder bekommen, können laut Beglau solche Engpässe schneller entstehen.

So gilt bei Erzieherinnen, anders als in anderen Berufen, bei Schwangerschaft sofortiges Beschäftigungsverbot. Eine Notgruppe muss nach Beglaus Angaben auch Mindestanforderungen genügen. Der Betreuungsschlüssel, sprich die Zahl der Kinder pro Erzieher, kann nicht einfach beliebig erhöht werden. „Das lässt das Recht einfach nicht zu.“