Weinstadt

Klimabündnis drängt auf Ausbau von Sonnen- und Windenergie in Weinstadt

Klimabündnis  Weinstadt
Mitglieder des Klimabündnisses Weinstadt bei der Klimademo in Schorndorf am 25. März. © Gabriel Habermann

Rund ein Jahr ist es jetzt her, dass sich eine Gruppe Weinstädter zum Weinstadtklimabündnis formiert haben und, quasi als erste „Amtshandlung“ , rund 1600 Unterschriften für die Klimaneutralität ihrer Kommune bis spätestens 2035 gesammelt haben.

Diesem Einwohnerantrag hat der Weinstädter Gemeinderat vergangenen Herbst auch zugestimmt- damit haben sich Stadtverwaltung und Räte aber auch dazu verpflichtet, in dieser Hinsicht nun wirklich etwas zu bewegen, findet das Klimabündnis. In einem Pressetermin am Mittwoch, 30. März, haben die „Ideengeber“, wie sie sich gerne selbst bezeichnen, über ihre aktuellen Projekte gesprochen.

50 Prozent erneuerbare Energien bis 2030

Herzstück der bisherigen Arbeit des Klimabündnisses ist ein Klima-Stadtplan für Weinstadt, der die Gebiete, in denen Stadt und Bürger tätig werden müssen, in verschiedene Handlungsfelder unterteilt. Eines dieser Felder befasst sich natürlich auch mit dem Thema Energie und Wärme – und wie die in Weinstadt möglichst nachhaltig und CO2-neutral erzeugt werden können.

Dabei möchte das Bündnis gerne eher gestern als heute handeln: Es sei durchaus möglich, in Weinstadt bis 2030 schon auf 50 Prozent erneuerbare Energien aus Eigenerzeugung umzustellen, glauben die Bündnismitglieder.

Weinstadt hat großes Potential bei erneuerbaren Energien

Zum Vergleich: Aktuell liege der Anteil der erneuerbaren Energien im Strommix der Stadtwerke Weinstadt bei gerade einmal sechs Prozent, kritisiert das Bündnis. Und das, obwohl die Stadt eigentlich in Sachen Sonnenenergie und auch Windkraft laut Energie-Atlas Baden-Württemberg ein „großes Potenzial“ habe, erläutert Karl Greißing, der sich bei der Bürgerinitiative gemeinsam mit Albert Munder hauptsächlich mit dem Themenfeld Energie auseinandersetzt.

Er und seine Mitstreiter fordern jetzt: Fotovoltaik auf jedes Dach in Weinstadt, wo das nur irgendwie möglich ist. Viele Weinstädter seien für diese neue Energiequelle durchaus offen, glaubt Greißing. Um den Bürgern, aber auch Weinstädter Unternehmen den Zugang zu diesem Thema zu erleichtern, berät und unterstützt das Bündnis Weinstädter, die Solarenergie einmal mit einem „Balkon-Modul“ ausprobieren wollen.

Kleine PV-Anlagen für Einsteiger

Diese kleinen PV-Anlagen für circa 800 Euro kann sich jeder unkompliziert auf den Balkon, das Garagendach oder das Dach montieren lassen. Das Modul erzeugt bis zu 600 Kilowattstunden im Jahr. Davon könnten nach seiner eigenen Erfahrung etwa zwei Drittel selbst direkt genutzt werden, so Albert Munder. Der Rest wird ins Netz eingespeist.

Ungefähr 120 Euro Stromkosten könne man mit so einem Modul pro Jahr einsparen. Nach einigen Jahren hat sich die Anschaffung dann also auch gelohnt - und der Hersteller verspricht eine zehnjährige Garantie. Außerdem soll es auch in Weinstadt demnächst gemeinsam mit der Energie-Agentur Rems-Murr eine Solar-Offensive geben, wie es sie in den vergangenen Jahren schon in mehreren anderen Kommunen im Kreis gegeben hat. Diese soll starten, sobald der neue Klimamanager am 1. April seine Stelle bei der Stadt antritt.

Klimamanager nach Kräften unterstützen

In diesen neuen Mitarbeiter setzt das Klimabündnis Weinstadt große Hoffnungen. Das Klimabündnis wolle eben auch weiterhin die Stadtverwaltung konstruktiv, aber auch kritisch in Sachen Klimaschutz begleiten. Ihnen sei klar, dass bis jetzt das ein oder andere Klimaschutz-Projekt bei der Stadt liegengeblieben sei, weil es einfach keine personellen Kapazitäten dafür gegeben hat.

Das Bündnis wolle den neuen Klimamanager jetzt nach besten Kräften unterstützen. Denn auch auf den neuen Mitarbeiter der Stadt kommt keine leichte Aufgabe zu: Die Stadt hatte für ein „Klimateam“ eigentlich zweieinhalb Stellen einrichten wollen – der Gemeinderat hatte aus finanziellen Gründen aber nur die eine Vollzeitstelle des Klimamanagers bewilligt.

Es braucht auch Solar-Anlagen und Windräder

„Das ist auch etwas, wo wir alle glauben, dass uns das noch auf die Füße fällt“, befürchtet Claus Hainbuch vom Klimabündnis Weinstadt. Doch um den Strommix der Stadt Weinstadt bis 2030 effektiv zu verbessern, braucht es mehr als nur Fotovoltaik-Anlagen auf privaten Dächern: Der Entwurf des Klimabündnisses sieht auch drei Solarparks und zwei Windkraftanlagen auf Weinstädter Gebiet vor.

„Wir brauchen jede Kilowattstunde erneuerbaren Strom“, betont Karl Greißing. Der Klimawandel dürfe nicht weiter eine Sache der Eigenverantwortung der Bevölkerung bleiben, kritisiert Bündnis-Sprecher Philip Jähne. Die Stadtverwaltung und die Räte haben sich mit ihrem Beschluss im Herbst schließlich dazu verpflichtet, das Notwendige für die Klimaneutralität auch in Angriff zu nehmen – und sich zum Beispiel bei Standorten für Solarparks möglichst bald endgültig festzulegen.

Bürger über finanzielle Beteiligung mit ins Boot holen

Gerade auch die Vorstöße bei der Windkraft dürften bei der Bevölkerung auch auf Widerstand stoßen: „Wind ist das Aufreger-Thema“, bestätigt Karl Greißing. Das Klimabündnis hofft aber, über Bürgerbeteiligung – auch im finanziellen Sinn – die Weinstädter in dieser Hinsicht für sich gewinnen zu können

Ein weiterer Ansatz des Klimabündnisses ist die „Schwäbische Route du Soleil“: Die B 29 habe eine ideale Ost-West-Ausrichtung und viele ungenutzte Flächen in der Form von Böschungen, Schallschutzwänden und nicht landwirtschaftlich genutzten Grünflächen entlang der Auf- und Abfahrten, erklären die Mitglieder des Klimabündnisses.

Solar-Strom für 10.000 Haushalte entlang der B 29 

Wenn sich die Kommunen entlang der Strecke zusammentäten, könnte man mit dort großflächig installierten Solar-Paneelen hier ersten Berechnungen nach ungefähr 36 Millionen Kilowattstunden pro Jahr erzeugen – genug für etwa 10.000 Haushalte – und rund 20.000 Tonnen CO2 jedes Jahr einsparen. Da diese Projektidee auf eine Ausschreibung des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg zurückgeht, stünden hierfür wohl auch Fördermittel zur Verfügung.

Rund ein Jahr ist es jetzt her, dass sich eine Gruppe Weinstädter zum Weinstadtklimabündnis formiert haben und, quasi als erste „Amtshandlung“ , rund 1600 Unterschriften für die Klimaneutralität ihrer Kommune bis spätestens 2035 gesammelt haben.

Diesem Einwohnerantrag hat der Weinstädter Gemeinderat vergangenen Herbst auch zugestimmt- damit haben sich Stadtverwaltung und Räte aber auch dazu verpflichtet, in dieser Hinsicht nun wirklich etwas zu bewegen, findet das Klimabündnis. In

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