Weinstadt

Kommentar: Beim Lärm wird geschummelt

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Unser Redakteur Martin Winterling kommentiert die Gesetzgebung zum Verkehrslärm. © Habermann / ZVW; Montage: Mogck

Weinstadt/Waiblingen. Viele Motorräder und Autos sind zu laut, weil die Hersteller den Kundenwünschen folgen und der Gesetzgeber diesen legalen Lärmquellen keinen Riegel vorschiebt. Motorräder und Autos sind nämlich nur so leise, wie sie im Prüfzyklus leise sein müssen. Jenseits des realitätsfernen Zyklus’ geht im Auspuff eine Klappe auf und die Fahrzeuge geben dezibelmäßig voll Stoff.

Das ist erlaubt. Das ist pervers.

Die Debatte um Verkehrslärm erinnert in mancherlei Hinsicht an den Dieselskandal, der seit dem höchstrichterlichen Urteil in Leipzig am Dienstag zu Fahrverboten in abgasverpesteten Städten wie Stuttgart führen kann. Auch beim Diesel wollte die Bundesregierung, allen voran das CSU-geführte Verkehrsministerium, der Tatsache nicht ins Auge sehen, dass die Automobilhersteller bei den Abgastests betrügen und die Fahrzeuge im Realbetrieb weitaus mehr Dreck in die Luft blasen als auf dem Prüfstand.

Leichtfertig: Verkehrsministerium und Bundesregierung

Leichtfertig nimmt das Verkehrsministerium die von Jahr zu Jahr immer mehr geschönten Spritverbräuche der Autos in Kauf und verzichtet fahrlässig auf Einnahmen aus der Kfz-Steuer, die an die CO2-Emissionen gekoppelt ist.

Leichtfertig nimmt die Bundesregierung auch den übermäßigen Verkehrslärm in Kauf und schiebt die Verantwortung der Polizei und den Kommunen zu. Sie sollen dafür sorgen, dass die Bürger nicht übermäßig unter dem Krach aus den Auspuffrohren leiden.

Ignoranz und Tatenlosigkeit

Es ist keine Frage, dass es unter „sportlich“ fahrenden Bikern auch Krawallmacher gibt. Sie ergötzen sich am Lärm ihrer PS-Boliden und stecken sich zum eigenen Schutz Oropax in die Ohren. Solange jedoch die Geräuschemissionen eines Motorrades mit geschlossenen Klappen und bei nur 50 km/h gemessen werden, darf sich keiner wundern, dass die Maschinen bei 80, 100 oder 120 und hohen Drehzahlen zu echten Krachern werden.

Der beschlossene Lärmaktionsplan des Landkreises Rems-Murr in allen Ehren. Aber nicht nur lärmenden Verkehrsteilnehmern muss die „Gelbe Karte“ gezeigt werden. Auch der Gesetzgeber hätte vom Landratsamt ein „Gefährderanschreiben“ verdient mit dem Hinweis, dass aufgrund der offensichtlichen Ignoranz und fahrlässigen Tatenlosigkeit seine Eignung als Gesetzgeber überprüft wird.