Weinstadt

Kommentar zum Jugendgemeinderat in Weinstadt: Eine Chance, gehört zu werden

Scharmann, Jugendgemeinderat, JGR
Empfang der Kandidaten für den Jugendgemeinderat vor dem Rathaus. © Stadt Weinstadt/Holger Niederberger

Noch bis Donnerstag (25.3.) um Mitternacht haben junge Menschen in Weinstadt Zeit, ihre Stimme bei der Online-Wahl des nächsten Jugendgemeinderats abzugeben. Diese Chance sollten möglichst viele nutzen. Jede und jeder Einzelne kann dabei mithelfen, einem Gremium Rückhalt zu verschaffen, das sich insbesondere zum Umgang mit Corona und den absehbaren Folgen für Kinder und Jugendliche Gehör verschaffen muss. 

Wie das geht, hat der scheidende Vorsitzende des Gremiums, Jonathan Schackert vor Kurzem eindrucksvoll bewiesen. Rhetorisch geschliffen, pointiert und emotional plädierte er im Sozial- und Kulturausschuss dafür, eine zusätzliche Stelle in der Jugendsozialarbeit so rasch wie möglich auszuschreiben. Mehr Personal in der Kinder- und Jugendsozialarbeit sei nötig, um die heftigen psychischen und physischen Auswirkungen der Corona-Krise bei Jugendlichen abzufedern.

Ein flammender Appell, der Auswirkungen haben wird

Den Appell "an Ihre Vernunft und an Ihr Gewissen“ (Zitat Schackert) werden die anwesenden Stadträte so schnell nicht vergessen. Einer bekannte, er fühle sich jetzt richtig schlecht dabei, mit der Ausschreibung der Stelle noch die Ergebnisse einer Organisationsuntersuchung  im Rathaus abzuwarten. Dass die Räte bis Ende April warten,  hat vor allem finanzielle Gründe - wenn sie die Stelle schließlich ausschreiben, was angesichts der starken Argumente dafür sehr wahrscheinlich ist, dann hat der Sprecher des Jugendgemeinderats mit seiner Rede seinen Teil dazu beigetragen. 

Noch so ein Thema ist der Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung. Auch hier hat sich der  Jugendgemeinderat in Weinstadt zuletzt klar positioniert und erste Forderungen an die Kommunalpolitik gestellt. Am Rande eines Pressetermins mit Jonathan Schackert und zwei seiner Mitstreiter zu dieser Offensive, hat der 18 Jahre alte Ratsvorsitzende erklärt, was ihn stört am Umgang mit jugendlichen Interessen. 

Nicht nur "ein paar Jugendliche, die eigentlich eine Schaufel nehmen sollten und eine Grillstelle buddeln"

"Ich glaube, dass es ein großes Problem gibt, dass man sich bewusster darüber wird, wie wichtig Jugendliche Interessen sind. Der Jugendgemeinderat wird wahrgenommen als ein paar Jugendliche, die eigentlich eine Schaufel nehmen sollten und eine Grillstelle buddeln", schimpfte Jonathan Schackert.  "Der Punkt ist aber, dass alle kommunalpolitischen Themen Jugendliche betreffen." Es sei die Pflicht der Kommune, Jugendliche noch stärker zu beteiligen, so der Schüler. "Das wird eine Aufgabe des nächsten Jugendgemeinderats sein: Die Stadt in die Pflicht zu nehmen."

Möglich ist das zum Beispiel bei den - wegen der Pandemie ausgesetzten - regelmäßigen Treffen mit Oberbürgermeister Michael Scharmann im Rathaus. Dass das Stadtoberhaupt den Kontakt mit den Jugendlichen für wichtig hält, hat er dieser Tage bei einem coronakonformen Empfang der Kandidaten vor dem Rathaus gezeigt. Die jungen Menschen tun gut daran, diesen direkten Draht zu nutzen. 

Je höher die Wahlbeteiligung, desto breiter der Rückhalt 

Womit wir wieder bei der Wahl wären, die in der Nacht auf Freitag zu Ende geht: Es wäre schön, wenn die Wahlbeteiligung dieses Mal - trotz oder gerade wegen der Corona-Pandemie - höher läge, als vor zwei Jahren. Damals beteiligten sich nur 36 Prozent der 14 bis 18 Jahre alten Wahlberechtigten.

Je breiter der Rückhalt für das Gremium unter den Jugendlichen ist, desto selbstbewusster können die neu gewählten Räte für die Belange junger Menschen in Weinstadt eintreten. Und desto schwieriger wird es für die Erwachsenen, über ihre Köpfe hinweg zu entscheiden.

Noch bis Donnerstag (25.3.) um Mitternacht haben junge Menschen in Weinstadt Zeit, ihre Stimme bei der Online-Wahl des nächsten Jugendgemeinderats abzugeben. Diese Chance sollten möglichst viele nutzen. Jede und jeder Einzelne kann dabei mithelfen, einem Gremium Rückhalt zu verschaffen, das sich insbesondere zum Umgang mit Corona und den absehbaren Folgen für Kinder und Jugendliche Gehör verschaffen muss. 

Wie das geht, hat der scheidende Vorsitzende des Gremiums, Jonathan Schackert

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