Weinstadt

Konflikt mit Geocachern beigelegt

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Geocacher Gerhard Senss aus Beutelsbach zeigt einen Zettel, auf dem sich Geocacher mit ihrem Kürzel eintragen, wenn sie eine Kapsel gefunden haben. © Ralph Steinemann
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Schwere Verstecke von Geocaches müssen zum Beispiel durch Kletter-Utensilien erreicht werden.

Weinstadt. Geocacher aus dem Umland, die Jagdpächter dumm angemacht haben und nachts von Jägern zunächst für Wildschweine gehalten wurden: Das ist in Weinstadt tatsächlich passiert und hat für Ärger gesorgt. 2017 wurde mit Vertretern der Stadt ein Kompromiss ausgehandelt – und mit dem sind beide Seiten bis heute zufrieden.

„Ich höre nichts mehr“: Günther Heissenberger, Ehrenkreisjägermeister und Jagdpächter in Weinstadt, kann nichts Negatives übers Geoaching in Weinstadt sagen. Am Anfang, sagt er, sei die Umsetzung des im Frühjahr 2017 getroffenen Kompromisses etwas holprig gewesen – aber seither gebe es von Seiten der Jäger keine Beanstandungen mehr. Umgekehrt ist auch Geocacher Gerhard Senss aus Beutelsbach zufrieden.

Er selbst hat 40 Caches versteckt, ist in der Szene vernetzt und hat 2017 für die Weinstädter Geocacher mit den Jägern unter Vermittlung der Stadt verhandelt. Er weiß, dass es früher Fälle gab, wo Jäger im Wald auf der Lauer lagen und dachten, Wild vor der Flinte zu haben. Dass Jagdpächter in solchen Momenten durch den Wind sind, findet Gerhard Senss mehr als verständlich – immerhin hätten sie beinahe einen Menschen angeschossen. „Das ist eine Belastung.“

Nachts ist der Forst für Geocacher tabu

Deshalb sind Caches, die nur nachts mit fluoreszierenden Markierungen zu finden sind, seit der getroffenen Vereinbarung nicht mehr erlaubt. Ebenfalls sind bestimmte Bereiche des Waldes komplett tabu, außerdem dürfen sich die Verstecke nur innerhalb eines drei Meter breiten Streifens links und rechts eines Wegs befinden. Dass sich daran auch alle halten, ist Aufgabe der Geocaching-Gemeinde.

Allein 3334 Caches finden sich im Umkreis von 16 Kilometern ums Zuhause von Gerhard Senss. Natürlich gibt es Reviewer, die für ganz Baden-Württemberg über die Zulassung eines beantragten Caches entscheiden – aber ob dann vor Ort auch alles eingehalten wird, kann diese Person nicht überprüfen. Schließlich arbeiten Reviewer ehrenamtlich, pro Bundesland gibt es laut Gerhard Senss etwa drei bis vier. Wenn der Beutelsbacher bei seinen eigenen Caches Nachrichten geschickt bekommt, dass etwas nicht stimmt, kümmert er sich laut eigenem Bekunden so schnell wie möglich.

Probleme sieht Gerhard Senss mittlerweile eher innerhalb der Szene selbst. So gebe es Leute, die alles sehr verbissen sehen würden. „Das ist doch bloß ein Spiel“, findet der Beutelsbacher. Für Eltern sei es zudem eine gute Chance, beim Nachwuchs die Lust auf Spaziergänge zu wecken. Schlecht findet er auch, wenn Kommunen anfangen, mit Geocaching-Touren Geld zu verdienen. Gerhard Senss selbst mag am liebsten Caches, bei denen sich jemand bei Versteck und Geschichte Mühe gegeben hat. „Ich halte nicht viel davon, Plastikdosen nur in die Erde zu schmeißen."


Eine Schatzsuche

Mit dem Smartphone kann jeder kostenlos als Geocacher unterwegs sein. In Bäumen, im Boden oder anderswo auf öffentlichen Flächen sind die Caches (heißt auf Englisch „geheimes Lager“) versteckt. Per App wird angezeigt, wie weit der Spieler von den wasserdichten Kapseln entfernt ist. In diesen stecken Zettel, auf denen Geocacher Datum und Uhrzeit eintragen. Danach wird alles wieder dort hingelegt, wo es gefunden wurde, und in die App eingetragen – was in der Szene „Loggen“ genannt wird.