Weinstadt

Krähen-Kot und Kanal-Arbeiten: Müssen drei Bäume in Weinstadt-Beutelsbach weichen?

Platanen weg
Müssen die beiden Platanen am Zebrastreifen der Ulrichstraße weichen? Der Technische Ausschuss hat sich jedenfalls gegen ihren Erhalt ausgesprochen. © Benjamin Büttner

Am evangelischen Gemeindehaus in Beutelsbach gibt es ein massives Problem mit dem Kot von Krähen, die in zwei circa 25 Meter hohen Platanen links und rechts der Ulrichstraße nisten. Um es mit den Worten von SPD-Gemeinderat Hans Randler zu sagen: „Der ganze Bereich ist zugekackt.“  Jetzt stehen Kanalarbeiten an und die Bäume sind im Weg. Würde sie zu fällen auch das Krähen-Problem lösten? Tiefbauamtsleiter Markus Baumeister möchte die Bäume lieber erhalten – und die Krähen vertreiben. Im Technischen Ausschuss des Weinstädter Gemeinderats ist das Thema jetzt mit großer Leidenschaft diskutiert worden.

Die Stadt schlägt drei Optionen vor

Wie Markus Baumeister in der jüngsten Sitzung sagte, muss eine an den Baumwurzeln verlaufende Entwässerungsleitung „dringend ausgetauscht werden“. Drei Möglichkeiten gebe es.

Erstens: die Bäume zu fällen und die Leitung daraufhin zu sanieren (Baukosten gesamt: 9000 Euro).

Zweitens: die neue Leitung auf neuer Trasse „durchzupressen“ und dabei Gefahr zu laufen, die Wurzeln irreparabel zu beschädigen (23.000 Euro).

Oder drittens – und diese Option würde Baumeister bevorzugen –, „die Wurzeln mit einem Saugbagger freizulegen, um dann mit der Leitung durchzukommen“ (13.000 Euro). Bei diesem Verfahren würde Erdmaterial abgesaugt, um die Wurzeln freizulegen. Nach Verlegen der Abwasserleitung würde der Hohlraum mit Flüssigboden verfüllt. Obwohl auch dieses Verfahren einige Unwägbarkeiten birgt, bat Baumeister die Gemeinderäte im Technischen Ausschuss um Zustimmung.

"Städtebaulich sehr wichtig" sind die Bäume laut Markus Baumeister

Das „Baumtor“ an der Ulrichstraße sei „städtebaulich sehr wichtig“, so Baumeister. Mit der Platane am Kreisverkehr verhalte es sich ähnlich, sie sei sogar „noch wichtiger“ fürs Ortsbild. Auch im Hinblick auf die Klimaerwärmung seien die 50 bis 60 Jahre alten, kerngesunden Bäume zu erhalten. Sie trügen zur Klimaregulierung, Feinstaubfilterung, CO2-Speicherung und Kühlung bei. Davon abgesehen dürften sie auch gar nicht ohne Weiteres gefällt werden, da die Saatkrähe, die darin niste, zwar viel Lärm und Dreck verursache, aber nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt sei.

Einer „Vergrämung“ der Vögel, also einer Vertreibung der Krähen, müsste laut Baumeister ein Gutachten vorausgehen, das zum Schluss käme, dass die Vögel in der Nähe neue Nistplätze fänden.

Zustimmung für bei den Grünen - dem Klimaschutz zuliebe

Bei der Grünen offenen Liste verfing Baumeisters Plädoyer für den Erhalt der Bäume insbesondere wegen des Klimaschutz-Aspekts. Wobei Fraktionssprecher Manfred Siglinger einer Vergrämung der Vögel bei allem Verständnis für die Anwohner kritisch entgegensteht: Derlei Aktionen führten häufig zu einer „Zersplitterung der Kolonie“ und verteilten das Problem auf die gesamte Kommune.

Kein Freund der Platanen und ihrer Bewohner: Markus Dobler (CDU)

Ganz offenbar kein Freund der Bäume und ihrer gefiederten Bewohner ist hingegen CDU-Stadtrat Markus Dobler. Der Wengerter, dessen Weingut sich unweit der Platanen befindet, bezeichnete diese als „keinesfalls ortsbildprägend“. Das Geld, das in den Erhalt der jahrzehntealten Bäume gesteckt würde, sähe er lieber in die Pflanzung vieler neuer, kleinerer Bäume investiert. Sein Vorschlag: Fällen! „Im Wald haben wir viele hohe Bäume, im Ort brauchen wir kleinere Bäume und davon mehr.“

Es sei doch, so Dobler erzürnt, „traurig, dass ein Mensch weniger Wert hat als so ein schwarzer Vogel. Der fliegt davon und findet einen neuen Platz.“

„Hühner geben Eier, Kühe geben Milch, Bäume werden Brennholz“

Sein Fraktionskollege Frieder Dippon, Zimmermann, bemerkte lakonisch: „Hühner geben Eier, Kühe geben Milch, Bäume werden Brennholz“. Er wünsche sich als Ersatz für die eingebürgerten Platanen ein paar einheimische Nussbäume nach Beutelsbach.

Ins selbe Horn stieß auch SPD-Mann Hans Randler, der neben dem „zugekackten“ Gemeindehaus eine echte Gefahr für die Verkehrssicherheit durch die Krähen ausgemacht hat: Kinder auf dem Schulweg würden abgelenkt, weil sie aufgrund des Lärms der Vögel nach oben und nicht auf die Straße schauten.

Darin sahen Markus Baumeister und auch Baubürgermeister Thomas Deißler eher ein Argument für die Vergrämung der Krähen als für die (ohnehin aus Sicht des Naturschutzes problematische) Baumfällung.

Stadträte stimmen gegen den Erhalt der Platanen

Am Ende sprachen sich die Räte dennoch gegen den von der Verwaltung vorgeschlagenen Erhalt der Bäume (und auch gegen die Vergrämung der Krähen) aus: Drei Ja-Stimmen standen bei zwei Enthaltungen fünf Nein-Stimmen entgegen. Die Frage, wie bei der Verlegung des Kanals nun schlussendlich verfahren wird, ist damit noch nicht abschließend geklärt.

Am evangelischen Gemeindehaus in Beutelsbach gibt es ein massives Problem mit dem Kot von Krähen, die in zwei circa 25 Meter hohen Platanen links und rechts der Ulrichstraße nisten. Um es mit den Worten von SPD-Gemeinderat Hans Randler zu sagen: „Der ganze Bereich ist zugekackt.“  Jetzt stehen Kanalarbeiten an und die Bäume sind im Weg. Würde sie zu fällen auch das Krähen-Problem lösten? Tiefbauamtsleiter Markus Baumeister möchte die Bäume lieber erhalten – und die Krähen vertreiben. Im

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