Weinstadt

Landratsamt gegen Pappel-Plantage

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Alles muss wieder weg: Markus Dobler hat die Pappeln im Gewann Wasen bei Beutelsbach umsonst angepflanzt. Das Landratsamt verlangt, dass die Bäume gerodet werden. Ein Widerspruch beim Regierungspräsidium scheiterte. © Steinemann.

Weinstadt. Markus Dobler ist sauer: Das Landratsamt stört sich an seiner Pappel-Plantage bei Beutelsbach – und verlangt einen Kahlschlag. Aus Sicht der Behörde verunstalten die Bäume die Landschaft, weil sie nicht zu den Streuobstwiesen passen. Markus Dobler fragt sich indes, welche angeblich intakte Streuobstwiese er beeinträchtigt.

Video: Die Pappel-Plantage muss weg.

„Die bereits angepflanzte Anlage muss daher als hässlich und Unlust erregend bezeichnet werden“: So steht’s in einem Schreiben des Regierungspräsidiums an den Bauernverband, dessen Mitglied Markus Dobler ist. Der Beutelsbacher hatte versucht, seine Pappel-Plantage doch noch durchzuboxen. Gegen den ablehnenden Bescheid des Landratsamts legte Dobler, der auch für die CDU im Weinstädter Gemeinderat sitzt, Widerspruch ein. Die Kreisbehörde blieb bei ihrer Haltung – und auch das Regierungspräsidium schloss sich dieser an. Nun muss Markus Dobler alles abholzen. Er hätte noch vor Gericht ziehen können, aber das wäre teuer gewesen. Und wer weiß, wie der Richter geurteilt hätte. Ganz auf sich beruhen lassen will Markus Dobler die Sache aber nicht, dafür hat er sich zu sehr ärgern müssen – vor allem über die aus seiner Sicht oft absurden Begründungen der Behörden. Dass seine Bäume hässlich und Unlust erregend genannt werden, findet er einfach nur lächerlich. „Da musst du dir an den Kopf hinlangen.“

4200 Quadratmeter Grundstück

Angefangen hat alles im Jahr 2014. Markus Dobler überlegte sich, was er mit seinem 4200 Quadratmeter großen Grundstück im Gewann Wasen machen kann. Streuobstbau schied von Anfang an aus, da sich das nach Doblers Erfahrung wirtschaftlich nicht lohnt, unter anderem wegen des Mindestlohns. Die sogenannten Kurzumtriebsplantagen versprechen da mehr Gewinn – besonders beim Anbau von Pappeln. Die Idee: Der schnellwachsende Baum kann nach einigen Jahren zu Hackschnitzeln verarbeitet werden, mit denen dann geheizt wird. Der Ertrag an Trockensubstrat ist beachtlich. „Da ist die Pappel unschlagbar.“

Möglich ist es, die Pappeln schon nach drei Jahren zu fällen. Dobler hatte allerdings vor, die Bäume sechs bis acht Jahre wachsen zu lassen. Mit Blick aufs Klima findet der Beutelsbacher seine Pappeln durchaus wertvoll. Denn wer mit Hackschnitzeln heizt, braucht kein Erdöl. Und Bäume binden CO2. Das spielte bei der Entscheidung der Behörden indes keine Rolle.

Die Sicht der Behörden

Das Gewann Wasen wird vom Landratsamt als Streuobstwiesenlandschaft betrachtet. Anfang 2015 wurde Doblers Antrag abgelehnt. Denn die Flurstücke befinden sich im Landschaftsschutzgebiet – und darum ist es laut dem Landratsamt verboten, Änderungen vorzunehmen, „die die Landschaft verunstalten oder die Natur schädigen oder den Naturgenuss einschränken“. Aus Sicht der Behörde verhindert die Plantage, dass unter den Bäumen Gras oder Kräuter wachsen – und damit schädige sie die Natur.

Markus Dobler hält das für Blödsinn. Zum Beweis führt er unsere Zeitung durch seine Plantage. Und in der Tat: Die Erde unter seinen Pappeln ist nicht kahl. Auch kann der Landwirt und Wengerter nicht erkennen, dass er mit seinen Bäumen die Umwelt schädigt. Die Pappeln seien darüber hinaus sehr pflegeleicht. „Gießen tu’ ich die nie.“ Dank einer bestimmten Mikrobe holen sich die Bäume ihren Stickstoff aus der Luft.

Dieser dient als Dünger und ist für das rasante Wachstum der Pappel verantwortlich – kein Wunder, dass es außerhalb der Tropen keinen Baum gibt, der so schnell wächst. „Ich brauche keinen Pflanzenschutz, keine Düngung“, betont Dobler.

Die ungepflegten Nachbargrundstücke sind in den Augen des Beutelsbachers nicht unbedingt ökologisch wertvoll. Er zeigt auf Eschen und wuchernde Brombeeren und fragt sich: Wo ist hier die schützenswerte Streuobstlandschaft? Dobler glaubt ohnehin, dass die Zeit der Streuobstwiesen vorbei ist. Früher, sagt er, hätten die Leute sie bewirtschaftet, um etwas zu Essen zu haben. Heute rechne sich das nicht mehr. Eins hätte sich Dobler aber schon gewünscht: dass sich das Regierungspräsidium seine Plantage zumindest bei einem gemeinsamen Vor-Ort-Termin anschaut.

Dass das Regierungspräsidium sich ein Bild macht, ist unwahrscheinlich

Pressesprecherin Katja Lumpp teilte auf Anfrage unserer Zeitung mit, dass sie sich ja eigentlich zu Einzelfällen aus rechtlichen Gründen gar nicht äußern darf. Sie möchte daher nur eine allgemeine Antwort geben, die auch auf viele ähnliche Fälle anwendbar ist. So ist es laut Katja Lumpp üblich, dass sich das Landratsamt vor Ort selbst ein Bild macht. Kommt es dann zum Widerspruch, was relativ häufig der Fall ist, dann muss das Regierungspräsidium die Sache prüfen. In der Regel erfolgt dies laut der Sprecherin anhand des Materials und der Bilder, die vom Landratsamt eingereicht werden. Dass das Regierungspräsidium sich selbst noch mal alles vor Ort anschaut, ist laut Katja Lumpp die absolute Ausnahme. „Sonst würden wir nichts mehr anderes machen.“ Hinzu komme, dass im betreffenden Fall die Plantage in einem Landschaftsschutzgebiet errichtet worden sei – und hier wäre auch noch mal eine Ausnahmeregelung nötig.

Noch steht Markus Doblers Plantage. Roden will er sie erst, wenn er vom Amt einen genauen Termin genannt bekommt. Einen Alternativplan hat er schon. Dennoch ist er überzeugt, dass Pappel-Plantagen irgendwann auf ehemaligen Streuobstwiesen genehmigt werden. „Wenn du ein bisschen weiterschaust in die Zukunft, kannst du eigentlich nichts anderes machen.“