Weinstadt

Lehrer Wolfram Willfahrt vom Remstal-Gymnasium Weinstadt vermisst seine Schüler - warnt aber vor Wechselunterricht

Homeschooling corona
Der Lockdown stellt die Schüler derzeit vor Herausforderungen. © Adobestock/mikemols

Schon seit rund zwei Monaten befinden sich die Schulen im Lockdown. Nun gibt es endlich eine Öffnungsperspektive – doch die Bundesländer handhaben es alle unterschiedlich. Wolfram Willfahrt, der Lehrer am Remstal-Gymnasium in Weinstadt und Vater von drei Kindern ist, berichtete bei einer Online-Veranstaltung der SPD Waiblingen über seine Erfahrungen. Dabei betont er, dass viele Eltern unter der Doppelbelastung Home-Schooling und Home-Office leiden.

„Ich kann nicht für alle Lehrer und Eltern sprechen“

Die vergangenen elf Monate waren für Wolfram Willfahrt erlebnisreich. Oft entstanden auch lustige Momente, wenn seine eigenen Kinder das virtuelle Klassenzimmer stürmten. Doch diese Momente stärken die persönliche Beziehungsebene zwischen Lehrer und Schülern, die schließlich auch im Präsenzunterricht wichtig sei, sagt Wolfram Willfahrt.

Doppelbelastung: Home-Schooling und Home-Office

Wie viele andere Lehrer und berufstätige Eltern hat auch er mit den Herausforderungen der Doppelbelastung Home-Schooling und Home-Office zu kämpfen. Während seine Kinder zu Hause betreut werden, muss er gleichzeitig seine Schüler in einem virtuellen Klassenzimmer unterrichten. Eine Aufgabe, die kaum zu meistern ist.

Wolfram Willfahrt sagt, dass es ihm und seiner Familie an sich gut gehe, aber es viele Familien gibt, denen es nicht so geht. Damit bezieht er sich etwa auf die alleinerziehenden Eltern, die ihre Arbeit und die Kinderbetreuung allein bewältigen müssen.

„Unsere Schule ist technisch gut ausgestattet“

Wolfram Willfahrt sagt, dass er drei Jobs erledigen müsse und keinen so richtig gut mache. Dennoch sei die Situation besser als im Frühjahr vergangenen Jahres, denn man sei zu Hause besser eingespielt, und die Schulen seien nun besser auf solche Extremsituationen vorbereitet. Doch jede gute Vorbereitung scheitert, wenn man aus technischen Gründen nicht jedes Kind oder jeden Jugendlichen erreichen könne.

Viele Kinder versuchen, dem Unterricht mit ihren Smartphones zu folgen, da die Haushalte nicht über genügend technische Endgeräte verfügen. „Unsere Schule ist da gut ausgestattet, denn dort kann man sich Geräte ausleihen“, sagt Wolfram Willfahrt übers Remstal-Gymnasium. Dieses Angebot kann leider nicht jede Schule anbieten, und somit haben es einige Schüler schwerer als andere.

Sybille Mack, Landtagskandidatin der SPD, zeigt sich schockiert

SPD-Kreisrätin Sabine Wörner schlägt in der Online-Veranstaltung vor, dass man die sozialschwachen Schüler wieder an  Schulen holt, um ihnen eine faire Chance zu ermöglichen. Allerdings: Das Remstal-Gymnasium in Weinstadt bietet dieses Angebot an, und genau aus diesem Grund laufen die Notbetreuungen über, sagt Wolfram Willfahrt. Bei der ersten Schließung seien es nur sieben Schüler gewesen und nun habe sich die Zahl auf 30 Schüler erhöht. Um eine angemessene und ausreichende Betreuung zu ermöglichen, werde daher mehr Personal benötigt.

„Ich bin schockiert, dass die Grundschule in der Notbetreuung so voll ist“, sagt Sybille Mack (SPD), Kandidatin für die Landtagswahl 2021, die ebenfalls teilnimmt. 

Bei Minusgraden mit Mütze und Jacke im Klassenzimmer

Die Hygienevorschriften wurden laut Lehrer Willfahrt nicht geändert, und das würde bedeuten, dass die Schüler beim Präsenzunterricht bei Minusgraden mit Wollmütze und Jacke im Unterricht sitzen müssten. Die Hygienevorschriften schreiben vor, dass jedes Zimmer alle 20 Minuten gelüftet und genügend Abstand gehalten werden muss. Auch die Masken würden großes Kopfzerbrechen bereiten, da die Schüler im vergangenen Jahr teilweise das Zimmer verlassen mussten, aufgrund von Atemnot, berichtet Wolfram Willfahrt.

Welche Form des Unterrichts ist nun sinnvoll?

„Ich vermisse meine Schüler“, sagt der Weinstädter Gymnasiallehrer – dennoch hält er einen effektiven Fernunterricht für sinnvoller. Dafür müsste jeder Haushalt mit genügend technischen Endgeräten ausgestattet sein. Der Wechselunterricht sei für die Lehrkräfte eine kaum zu bewältigende Herausforderung, da sie ihren Unterricht doppelt planen und gestalten müssten. Zudem würden die Lehrer unter den kurzfristigen Beschlüssen und Maßnahmen der Regierung leiden. Wenn man sich an die Fernlehre gewöhnt habe, komme plötzlich wieder der Wechselunterricht.

Virtuelle Faschingsparty

Um den Kindern weiterhin eine Stütze zu sein, veranstaltete das Remstal-Gymnasium in Weinstadt eine virtuelle Faschingsparty. Der Kontakt zu den Schülern sei wichtig, und in dieser Zeit lernen sie Bildungseinrichtungen wie die Schule wieder zu schätzen, sagt Wolfram Willfahrt.

Viele Eltern und Schüler sind besorgt, dass sie ein Jahr in der Schule versäumt haben. Wolfram Willfahrt findet dennoch, es sei nicht das ganze Schuljahr verloren. Er blickt optimistisch in die Zukunft und ist davon überzeugt, dass die Schüler den versäumten Stoff aufarbeiten können. „In der Schule wird viel wiederholt, und deshalb haben sie nicht zu viel versäumt.“

Schon seit rund zwei Monaten befinden sich die Schulen im Lockdown. Nun gibt es endlich eine Öffnungsperspektive – doch die Bundesländer handhaben es alle unterschiedlich. Wolfram Willfahrt, der Lehrer am Remstal-Gymnasium in Weinstadt und Vater von drei Kindern ist, berichtete bei einer Online-Veranstaltung der SPD Waiblingen über seine Erfahrungen. Dabei betont er, dass viele Eltern unter der Doppelbelastung Home-Schooling und Home-Office leiden.

„Ich kann nicht für alle Lehrer und

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