Weinstadt

Müko Maschinenbau in Weinstadt: Vom Rekordwachstum in die Insolvenz

MüKo
Der Firmensitz von Müko Automation in Beutelsbach. © Benjamin Büttner

Vor rund einer Woche hat die Beutelsbacher Maschinenbaufirma Müko Insolvenz angemeldet. Gründe für diesen drastischen Schritt waren laut einer ersten Pressemitteilung von Geschäftsleitung und Insolvenzverwalter Philipp Grub von der Kanzlei Grub Burger Mindereinnahmen im vergangenen Jahr, generelle Lieferschwierigkeiten, der Ausfall von zwei großen Aufträgen sowie ein zahlungsunfähiger Kunde. Wie es jetzt mit der Firma aus Weinstadt weitergeht, ist noch nicht sicher.

Insolvenzverwalter erörtert die Situation des Unternehmens in Weinstadt

Rund 200 Mitarbeiter beschäftigt das Maschinenbau-Unternehmen am Hauptsitz in Beutelsbach und den beiden internationalen Außenstellen in China und den USA. Bis Januar 2023 seien die Löhne der Mitarbeiter über das Insolvenzgeld abgesichert.

Und dann? Zum weiteren Vorgehen möchte sich das Unternehmen nicht äußern, verweist an den Insolvenzverwalter. Auch Philip Grub kann zum jetzigen Zeitpunkt noch keine neuen Informationen herausgeben: In der Kürze der Zeit gebe es noch nichts Neues zu vermelden, so seine Agentur. Der Insolvenzverwalter müsse sich erst einen Überblick verschaffen.

Tochter-Unternehmen „Protexme“ ist nicht betroffen

Eine gute Nachricht gibt es aber dennoch: Das junge Start-up „Protexme“, das als Tochterfirma in den Räumlichkeiten von Müko Automation OP-Masken und FFP2-Masken herstellt, ist im Insolvenzantrag nicht mit inbegriffen: „Die Protexme GmbH ist eine eigenständige GmbH und ist somit vom Insolvenzverfahren der Müko zunächst nicht betroffen“, informiert Anica Müller, Start-up-Mitbegründerin und Tochter von Uwe Müller, einem der beiden Müko-Geschäftsführer.

Doch auch der Maskenhersteller hat es gerade nicht ganz leicht: „Trotz allem befinden auch wir uns in einer herausfordernden Situation und sind dringend auf der Suche nach weiteren Abnehmern aus dem Medizinbereich, die auf hohe Qualität aus Deutschland sowie eine sichere Liefersituation Wert legen“, so Anica Müller.

Prekäre Situation für viele mittelständische Betriebe im Rems-Murr-Kreis

Der Insolvenzantrag der Weinstädter Firma zeigt, in welch prekärer Situation sich viele mittelständische Betriebe aktuell befinden: Corona-Pandemie, Lieferengpässe, der Krieg in der Ukraine, explodierende Energiekosten - eine Krise jagt die nächste, sorgt für große Ungewissheit und macht der Wirtschaft schwer zu schaffen.

2019: Rekordgewinne und eine neue Montagehalle

Bei Müko Automation standen 2019 noch alle Zeichen auf Wachstum: Im Sommer 2019 wurden rund 1,5 Millionen Euro in eine zusätzliche 800 Quadratmeter große Montagehalle in der Heinkelstraße in Beutelsbach investiert. Platz, den der Sondermaschinen-Hersteller dringend brauchte: Das Geschäft lief gut, die Auftragsbücher waren so voll, dass man am Standort Beutelsbach ohne die neue Werkhalle in der Produktion kaum mehr hinterherkam.

2018 lag der Jahresumsatz des Unternehmens bei 24,5 Millionen Euro, 2,5 Millionen mehr als im Jahr davor. Ein neuer Rekord. 2019 ging die Geschäftsleitung deshalb davon aus, dass das Wachstum weiter anhalten würde - es gab sogar bereits Pläne dafür, sich in der Heinkelstraße noch weiter zu vergrößern.

2021: Trend zum Elektromotor bereitete Müko Sorgen

Auch 2021 gab sich die Geschäftsleitung noch optimistisch: Die Corona-Pandemie betreffe Müko gar nicht allzu sehr. Der zunehmende Trend zum Elektromotor allerdings schon: Denn Müko beliefert im großen Stil die Automobilbranche.

Da wurde schon klar, dass das Weinstädter Unternehmen sich künftig neue Märkte wird erschließen müssen. Sanierungsexperte und Rechtsanwalt Philipp Grub möchte das Unternehmen jetzt restrukturieren und sanieren. Welche Maßnahmen in Betracht kämen, um Müko zu stabilisieren, werde sich in den kommenden Wochen zeigen, so der Insolvenzverwalter in der ersten Pressemitteilung zum Insolvenzantrag.

Maschinenbau-Unternehmen setzt auf seine Stammkunden

Es besteht aber durchaus Hoffnung, dass das Weinstädter Unternehmen es durch diese Krise schafft: „Aufgrund unserer langjährigen Kundenbeziehungen zu renommierten Unternehmen und des Know-hows unserer Belegschaft sehen wir sehr gute Chancen, zusammen mit dem Team von Dr. Grub, unseren bisherigen Beratern von Görg Rechtsanwälte und der Allea Consult die Müko-Gruppe neu aufzustellen“, wird Geschäftsführer Siegmar Koblitz zitiert.

Vor rund einer Woche hat die Beutelsbacher Maschinenbaufirma Müko Insolvenz angemeldet. Gründe für diesen drastischen Schritt waren laut einer ersten Pressemitteilung von Geschäftsleitung und Insolvenzverwalter Philipp Grub von der Kanzlei Grub Burger Mindereinnahmen im vergangenen Jahr, generelle Lieferschwierigkeiten, der Ausfall von zwei großen Aufträgen sowie ein zahlungsunfähiger Kunde. Wie es jetzt mit der Firma aus Weinstadt weitergeht, ist noch nicht

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