Weinstadt

Maibaum-Sturz in Weinstadt-Endersbach: "Ich hab gesehen, wie er auf mein Auto fliegt"

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Glück im Unglück: Als der Maibaum am Dienstagvormittag umgestürzt ist, sind keine Menschen verletzt worden. © Benjamin Büttner

Am Tag nach dem Maibaum-Sturz in Endersbach spricht noch immer der ganze Ort davon. War der Baum vielleicht schon alt und morsch? Ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft? Wird es in Zukunft noch Maibäume in Endersbach geben? War das nicht die stadtbekannte Seniorin Eva Strehl, die da aus ihrem Wagen gestiegen ist, kurz bevor der Stamm darauf krachte? Unsere Redaktion liefert Antworten und erinnert an einen weiteren Endersbacher Maibaum, der einst ein tragisches Ende gefunden hat: in den Flammen eines Großbrands.

Doch zunächst zurück ins Hier und Jetzt: Wie berichtet, hatte am Dienstagvormittag eine Sturmböe den Maibaum in der Strümpfelbacher Straße erfasst und abgebrochen. Der 30 Meter hohe Stamm krachte auf das Dach eines geparkten Autos und in die Bucht der benachbarten Bushaltestelle.

Ein Glück: Niemand wurde verletzt. Das sorgte vor allem bei der Vereinigung Weinstädter Unternehmer (VWU) für Erleichterung, die den Maibaum, wie in den Jahren zuvor, am 30. April aufgestellt hatte.

Polizei: Stand jetzt ist dem Aufsteller kein Vorwurf zu machen

Droht den ehrenamtlichen Verantwortlichen rund um Albrecht Rühle jetzt eine Strafe wegen des umgekippten Maibaums? Offenbar nicht. Die Polizei hat den Teil des Stammes, an dem sich die Bruchstelle befindet, zwar „auf Nummer sicher mitgenommen“, wie Polizeisprecher Robert Kreidler unserer Redaktion am Dienstag bestätigt – allerdings nur, „falls sich im Nachhinein ein Verdacht ergeben sollte“. Zum Beispiel, dass die Aufsteller gepfuscht oder Dritte sich am Maibaum zu schaffen gemacht hätten.

Dafür gibt es aber offenbar keinen Anhaltspunkt: „Stand jetzt ist weder dem Aufsteller ein Vorwurf zu machen, noch haben wir irgendwas anderes festgestellt“, sagt Robert Kreidler. Die Staatsanwaltschaft ermittle jedenfalls vorerst nicht.

Die Frage, wie es zu dem Unfall kommen konnte, beschäftigt diejenigen, die den Maibaum aufgestellt haben, am allermeisten. Bei der Ursachenforschung gehe es aber keinesfalls darum, „einen Schuldigen zu suchen“, wie VWU-Sprecher Christian Hartmann im Gespräch mit unserer Zeitung betont. Alt und morsch sei der Baum auf keinen Fall gewesen. Das aktuelle Exemplar sei im Jahr 2014 erstmals aufgestellt worden, also sieben Jahre alt. Christian Hartmann versichert: „Der Maibaum wird regelmäßig von einem Zimmermann begutachtet und überprüft. Sobald man das Gefühl hat, dass er morsch sein könnte, wird er ausgetauscht.“

Gibt es 2022 wieder einen Maibaum? „Bin sehr optimistisch“

Wird die Tradition wegen des Unfalls jetzt beerdigt, wie manche befürchten? „Ich bin sehr optimistisch, dass wir auch weiterhin einen Maibaum in Endersbach haben werden“, sagt Christian Hartmann. „Vielleicht werden wir zusätzliche Möglichkeiten finden müssen, ihn abzusichern.“ Vielleicht dürfe die Spitze, der Baumwipfel nicht mehr so breit sein, um dem Wind weniger Angriffsfläche zu bieten.

Obwohl der Maibaum-Sturz natürlich eine unangenehme Geschichte sei und Aufsteller Albrecht Rühle und sein Handwerker-Team „viel Spott und Häme“ aushalten müssten, habe sich doch gezeigt, wie sehr sich die Endersbacher über den Maibaum gefreut hätten. „Wir sind superfroh, dass wir solche Leute haben, die sich ehrenamtlich so engagieren“, sagt Christian Hartmann.

Bei ihm wird sich in den kommenden Tagen Eva Strehl melden – wegen der Schadensregulierung. Die meinungsstarke 88-Jährige ist ohnehin im ganzen Ort bekannt. Seit Dienstag ist ihr Leben noch um folgende Anekdote reicher: wie vor ihren Augen ein Maibaum auf ihr Auto krachte.

Eva Strehl: „Ich hab’ genau gesehen, wie er auf mein Auto fliegt“

Denn tatsächlich war es die unermüdliche Chefin des „Gartens der Sinne“, die ihren VW um kurz vor elf Uhr neben dem Maibaum parkte. Sie habe beim Remstalmarkt Mack Pfandflaschen abgeben wollen, die sie wieder mal in ihrem Kräutergarten eingesammelt habe, berichtet Eva Strehl. „Ich war gerade ausgestiegen, bin auf die Straße Richtung Mack, hab mich noch mal umgedreht – in der Sekunde ist der Maibaum umgestürzt. Ich hab genau gesehen, wie der auf mein Auto fliegt.“

Zum Glück habe sie den Wagen rechtzeitig verlassen und zuvor so geparkt, dass die eisernen Wappenschilder des Maibaums genau auf den stabilen Rahmen zwischen den beiden Autotüren auf der Beifahrerseite geknallt seien, berichtet die Seniorin. Womöglich habe nur der Rahmen eine Delle abbekommen. Das lässt Eva Strehl jetzt in der Werkstatt überprüfen. Schließlich hofft sie, dass ihr 17 Jahre alter Flitzer bald eine neue TÜV-Plakette bekommt. Grundsätzlich fahrbereit sei er noch, ihr Sohn habe ihn nach Hause gefahren.

Eva Strehl: "Ich war schon ein bisschen durch den Wind"

Ob sie nicht furchtbar erschrocken sei, will der Redakteur wissen. „Ich war schon ein bisschen durch den Wind“, sagt die 88-Jährige, „aber immer noch so fähig, dass ich die Flaschen weggebracht habe, während mein Auto noch zugedeckt war.“

Eine nette Geste: Am Nachmittag habe der zerknirschte Maibaum-Aufsteller „Albe“ Rühle bei ihr angerufen und sich nach ihr erkundigt.

Feuer an Silvester 1986: Als der Maibaum bei Graze verbrannte

Ebenfalls ein alteingesessener Endersbacher ist Ex-Stadtrat Theo Bachteler. Über nichts anderes als den umgestürzten Maibaum werde aktuell im Ort gesprochen, sagt er am Telefon.

Bei ihm hat die Geschichte eine Erinnerung geweckt, die 34 Jahre zurückliegt. Schon einmal hat laut Theo Bachteler ein Maibaum ein böses Ende gefunden, allerdings nicht im Mai, sondern in der Silvesternacht. Das Element, das ihn zugrunde richtete, war auch nicht der Wind, sondern das Feuer gewesen. So sei der Maibaum damals bei der Firma Graze eingelagert gewesen und bei einem Großbrand vernichtet worden.

An die Flammen kann sich Theo Bachteler noch gut erinnern: „Wir wohnten Luftlinie gute 100 Meter entfernt.“ Ein „verirrter Knaller“ (Zitat aus der Waiblinger Kreiszeitung vom zweiten Januar 1987) hatte das Feuer in einem Holzlager wohl ausgelöst. Für das neue Jahr sei aber ein neuer Maibaum hergerichtet worden.

Facebook-Nutzer: "Besser machen"

Ob es mehr als drei Jahrzehnte später wieder so sein wird? Als der Maibaum vor wenigen Tagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit aufgestellt worden war, hatten sich die Organisatoren für das Jahr 2022 wieder ein Fest mit vielen Zuschauern gewünscht und dafür viel Zuspruch geerntet. Jetzt ist ein weiterer Wunsch dazugekommen: dass der Baum beim nächsten Mal auch einen ganzen Monat lang stehen bleibt. Es müsse kein Schuldiger gesucht werden, schreibt ein Facebooknutzer in einer Weinstadt-Gruppe. Er fordert: „Offen und ehrlich schauen, woran das lag, und es besser machen.“

Am Tag nach dem Maibaum-Sturz in Endersbach spricht noch immer der ganze Ort davon. War der Baum vielleicht schon alt und morsch? Ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft? Wird es in Zukunft noch Maibäume in Endersbach geben? War das nicht die stadtbekannte Seniorin Eva Strehl, die da aus ihrem Wagen gestiegen ist, kurz bevor der Stamm darauf krachte? Unsere Redaktion liefert Antworten und erinnert an einen weiteren Endersbacher Maibaum, der einst ein tragisches Ende gefunden hat: in den

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