Weinstadt

Mann am Bahnhof Endersbach getötet

Weinstadt-Endersbach: Toter am Bahnhof aufgefunden - Polizei ermittelt
Der Endersbacher Bahnhof am Freitagvormittag: Die Polizei sperrt wegen eines Tötungsdelikts Vorplatz und Bahnsteige, S-Bahnen dürfen nicht mehr halten. Eine Soko ermittelt. © SDMG / Kohls

Der Anrufer oder die Anruferin, die am Freitag früh morgens um 5.30 Uhr den Notruf 112 wählte, ging davon aus, dass der Mann, der am Endersbacher Bahnhof an Gleis drei lag, bewusstlos sei. Rettungsdienst und Polizei, die kurz danach am Bahnsteig ankamen, stellten aber viel Schlimmeres fest: Der Mann war tot. Die Auffindesituation, so die Polizei, lasse darauf schließen, dass „äußere Gewaltanwendung“ zum Tod führte.

Wie genau die Gewalt ausgesehen hat, durch die der Mann ums Leben kam, gibt die Polizei nicht bekannt - aus ermittlungstaktischen Gründen. Genauso wie nähere Angaben zum Opfer: Wie alt der Mann war, welche Kleidung er trug, welche Nationalität er hatte, gehört noch zu den Informationen, die zurückgehalten werden.

Die ermittelnde Kriminalpolizei Waiblingen hat eine Soko „Bahnhof“ eingerichtet: Rund 50 Beamtinnen und Beamte ermitteln. Sie suchen unter anderem nach Zeugen und fragen: Wer hat Verdächtiges am oder rund um den Bahnhof beobachtet? Die angegebene Zeitspanne ist groß: Es geht um Beobachtungen von Donnerstagabend, 3. Juni, ab 20 Uhr, bis Freitagmorgen, 4. Juni, 5.30 Uhr. Möglicherweise, heißt es, könnten auch Fahrgäste der Regionalbahn, der S-Bahn S2 oder der Linienbusse, die zwischen 4.30 und 5.30 Uhr am Bahnhof Endersbach und am Gleis drei verkehrten, Wichtiges gesehen haben.

  • Wer der Polizei Informationen mitteilen kann, meldet sich unter der Telefonnummer 07151/950333 bei der Kripo Waiblingen.

Der große Zeitraum bedeutet nicht, dass das Opfer möglicherweise schon seit Donnerstagabend an Gleis drei lag. Die Polizei geht aber davon aus, dass die an der Tat beteiligten Personen sich auch schon zuvor am Bahnhof aufgehalten haben. Genauso, wie der Polizeihubschrauber, der noch gegen 8.30 Uhr und später über dem Gelände des Bahnhofs in der Luft stand, dazu diente, Personen ausfindig machen zu können, die sich eventuell noch Stunden nach der Tat verborgen hielten.

Der Endersbacher Bahnhof musste von der Polizei abgesperrt werden. S-Bahnen und Züge konnten zwar durchfahren, durften jedoch nicht halten. Pendler, die aus Richtung Schorndorf oder aus Richtung Waiblingen in Endersbach aussteigen, oder die in Endersbach in die eine oder andere Richtung einsteigen wollten, mussten einen Busnotverkehr nutzen, der zwischen den Haltestellen Stetten-Beinstein und Beutelsbach pendelte. Erst am Freitagabend wurde der Bahnhof von der Polizei wieder freigegeben.

Die Polizeistatistik verzeichnete im Jahr 2020 einen Anstieg der Tötungsdelikte

Das Polizeipräsidium Aalen verzeichnete schon im Jahr 2020 in seinem gesamten Bereich und auch im Rems-Murr-Kreis einen deutlichen Anstieg der versuchten Tötungsdelikten. Zu diesen Delikten zählen Mord, Totschlag und fahrlässige Tötung. Verbrechen dieser Art hätten zwar statistisch gesehen, heißt es in der Jahresstatistik der Polizei, einen sehr geringen Anteil an der Gesamtkriminalität, doch im vergangenen Jahr zählte die Polizei insgesamt 16 Fälle im Rems-Murr-Kreis. Bei 13 dieser Fälle blieb es beim Versuch, doch in drei Fällen starben Menschen.

Große Aufmerksamkeit erfuhr damals der Fall des 36-jährigen Industriemechanikers, der in Allmersbach im Tal im Juni 2020 seine frühere Lebensgefährtin sowie deren Tochter getötet hatte. Die Große Strafkammer am Landgericht Stuttgart verurteilte den Mann zu lebenslanger Haft. Der Richter sprach damals von einer „Hinrichtung“.

Ein 52 Jahre alter Mann aus Rudersberg hatte seine drei Jahre ältere Partnerin im März des Jahres 2020 mit einem Klappmesser getötet. Er wurde zu 13 Jahren Haft verurteilt.

Die Schießerei im Eisental im Januar 2020 überlebte der Angegriffene, der Besitzer einer Mietwerkstatt, damals schwer verletzt. Die irakischen Brüder, die den Mann angegriffen hatten, wurden wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung angeklagt.

Im vergangenen Mai wurde eine junge Frau in Backnang getötet

In diesem Jahr 2021 musste die Polizei ebenfalls schon in einem Todesfall ermitteln. Anfang Mai wurde eine 25 Jahre alte Frau in Backnang tot in ihrer Wohnung gefunden. Tatverdächtig war der 29 Jahre alte Lebensgefährte, gegen den Haftbefehl erlassen wurde. Der Mann war nach der Tat mit dem Auto geflohen, hatte einen Unfall und floh dann zu Fuß weiter. Die Polizei suchte zunächst nur den Besitzer des Unfallwagens und griff den Mann am Nachmittag auf. Bei der Vernehmung gab der Mann selbst den Hinweis auf seine tote Lebensgefährtin.

Der Anrufer oder die Anruferin, die am Freitag früh morgens um 5.30 Uhr den Notruf 112 wählte, ging davon aus, dass der Mann, der am Endersbacher Bahnhof an Gleis drei lag, bewusstlos sei. Rettungsdienst und Polizei, die kurz danach am Bahnsteig ankamen, stellten aber viel Schlimmeres fest: Der Mann war tot. Die Auffindesituation, so die Polizei, lasse darauf schließen, dass „äußere Gewaltanwendung“ zum Tod führte.

Wie genau die Gewalt ausgesehen hat, durch die der Mann ums Leben kam,

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