Weinstadt

Millionenprojekt: Stadt Weinstadt will neues Hallenbad am Bildungszentrum bauen

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So könnte das neue Hallenbad am Bildungszentrum einmal aussehen – inklusive Freibereich und der Möglichkeit, zum Freibad erweitert zu werden. © geising + böker gmbh

Mitten in der Corona-Pandemie wagen Oberbürgermeister Michael Scharmann und Stadtwerke-Chef Thomas Meier einen überraschenden Vorstoß: Am Bildungszentrum soll für 11,5 Millionen Euro ein neues Hallenbad entstehen – mit der Option die Anlage um ein Freibad zu erweitern. Das sanierungsbedürftige Stiftsbad in Beutelsbach soll dafür aufgegeben werden. Dieser Plan ist am Donnerstagabend öffentlich im Gemeinderat vorgestellt worden.

Welche Überlegungen stecken dahinter? Dürfen alle Bürger das Bad nutzen oder nur Vereine und Schulen? Und was würde ein Neubau für die restlichen Weinstädter Bäder bedeuten? Bei einem Pressetermin am Donnerstagmittag haben die Verantwortlichen ihre Idee erläutert und die Fragen unserer Zeitung beantwortet, ehe am Abend die Stadträte mit großer Mehrheit ihre Zustimmung signalisiert haben.

OB Scharmann: „Einmalige Chance, den gordischen Knoten zu lösen“

Die optimale Lage mitten in Weinstadt, in der Nähe der Schulen, des neuen Sportvereinszentrums und der Sportanlagen, die wirtschaftlichen Vorteile, wenigstens eine grundsätzliche Planungssicherheit für die Standorte „Cabrio“ und „Stiftsbad“... – „Meiner Meinung nach ist das die einmalige Chance, den gordischen Knoten zu lösen und weiterzukommen“, sagte Oberbürgermeister Michael Scharmann im Gespräch mit unserer Zeitung.

Seit dem großen Weinstädter Bäder-Streit, der vor zehn Jahren in einem Bürgerentscheid gegen einen Neubau in Endersbach gipfelte, hat sich nicht viel bewegt. Das „Cabrio“, das früher einmal als Attraktion galt, weil es im Winter ein Hallen- und im Sommer ein Freibad war, ist mittlerweile zur Ruine verkommen. Zukunft: ungewiss. Manch einer wünscht sich noch immer, dass hier ein neues Bad entsteht. Das ist nach den neuesten Entwicklungen freilich unwahrscheinlicher denn je.

Das 50 Jahre alte Stiftsbad in Beutelsbach wird zwar noch intensiv genutzt, ist aber marode. Seit es 2018 vorübergehend schließen musste, fürchten die Weinstädter den Moment, in dem es den Geist aufgibt. „Sollte das Stiftsbad als derzeit einziges städtisch betriebenes Hallenbad kurzfristig schließen müssen, würde dies bedeuten, dass von heute auf morgen in Weinstadt kein öffentliches Baden, keine Schulschwimmen, kein Vereinsschwimmen, keine Schwimmkurse und keine Wassergymnastik mehr stattfinden könnten“, sagt Oberbürgermeister Michael Scharmann. Eine Generalsanierung mache aber aus vielerlei Gründen keinen Sinn. Stattdessen sollen sich auf dem Areal Möglichkeiten zur Erweiterung der Grundschule bieten.

Sechs 25-Meter-Bahnen, zwei Sprungtürme und ein Lehrschwimmbecken

Am Bildungszentrum soll hingegen ein Neubau entstehen, der modernen Ansprüchen genügt. Eine Machbarkeitsstudie haben die Weinstädter in den vergangenen beiden Jahren mit einem Bäderplaner aus Hamburg erstellt, den Geising und Böker Architekten, wie Stadtwerke-Chef Thomas Meier berichtet.

Anders als das Stiftsbad, wo das Becken nur 20 Meter lang ist, soll das neue Bad aus einem 25-Meter Becken mit sechs Bahnen, zwei Sprungtürmen, einem Lehrschwimmbecken sowie einem Kleinkindbereich bestehen. In der Kostenschätzung ist im Lehrschwimmbecken ein Hubboden enthalten, der auf eine Wassertiefe von null Metern bis 1,80 Meter einstellbar ist. Es sei vorgesehen, die Südfassade – mit Blick aufs Käppele und die Weinberge – in den Sommermonaten durch Schiebefenster öffnen zu können.

Weil das Bad nach Süden ausgerichtet werden und einen Aufenthaltsbereich im Freien bekommen soll, wäre eine Ganzjahresnutzung möglich. Die Weinstäder wollen sich sogar offenhalten, die Anlage noch um ein Freibad im südlichen Bereich, also westlich des Kunstrasenfelds, zu erweitern. Müssen sich die Weinstädter deshalb um ihre liebgewonnen Freibäder in Beutelsbach und Strümpfelbach sorgen?

Zumindest nicht akut. Laut OB Scharmann sollen die bestehenden Freibäder „weitergeführt werden, wie sie jetzt sind. Aber immer mit dem Risiko, dass etwas passieren kann.“ Wäre in einigen Jahren eine Millionen-Investition in eines der Bäder fällig, würde die zentrale Lösung mit Sicherheit neu diskutiert.

Wie kann sich die Stadt den Neubau überhaupt leisten?

Doch wie kann sich die Stadt den Neubau überhaupt leisten? An diesem Punkt kommen die Stadtwerke, ein Eigenbetrieb der Kommune, ins Spiel. Schon im Januar 2019, kurz nach der vorübergehenden Schließung des Stiftsbades hatte der OB verkündet, die Stadtwerke prüfen zu lassen, wie viel der Bau und Betrieb eines neuen Hallenbads am Bildungszentrum kosten würden - und welchen steuerlichen Vorteil es bringen würde, wenn die Stadtwerke als Betreiber eingesetzt werden. Das ist keine Weinstädter Idee, sondern bereits in vielen größeren Städten und Gemeinden Praxis. Thomas Meier erklärt: Durch einen steuerlichen „Querverbund“ der Versorgungsbetriebe (Strom/Gas/Wärme/Wasser) mit dem Bäderbetrieb sei es möglich, die Gewinne aus den Versorgungsbetrieben mit den Verlusten des Bäderbetriebs zu verrechnen. Die Ertragsteuern auf den Jahresgewinn könnten so deutlich reduziert werden.

Die Abmangelübernahme aus dem dem städtischen Haushalt soll mit 300 00 Euro „nur unwesentlich höher“ sein als bisher für das Stiftsbad (240 000 Euro), das Angebot aber deutlich besser. Während das Stiftsbad derzeit rund 17 000 bis 18 000 Badegäste jährlich nutzen, kalkuliert Thomas Meier für das neue Bad mit rund 52 000 Nutzern jährlich.

Das Finanzamt prüft, was möglich ist

Ob das Weinstädter Konstrukt so möglich ist, wird jetzt mit dem Finanzamt Waiblingen geprüft – auch dafür hat der Gemeinderat Grünes Licht gegeben. Die Investition der rund 11,5 Millionen Euro in das neue Hallenbad würde von den Stadtwerken zu 70 Prozent durch Kreditaufnahme und zu 30 Prozent aus Eigenmitteln finanziert werden. Wobei ein großer Teil dieser Eigenmittel aus den beiden Fördertöpfen von Bund und Land stammen soll.

Das ist auch der Grund, warum Scharmann und Meier das Bad-Thema ausgerechnet jetzt angegriffen haben, mitten in der Corona-Pandemie: Die Bewerbungsfrist auf eines der Förderprogramme läuft Ende Oktober ab – ein grundsätzliches Bekenntnis des Gemeinderats zu dem Projekt und der Auftrag an die Verwaltung, die Förderanträge einzureichen, mussten jetzt erfolgen. Ein Baubeschluss ist das freilich noch nicht, es sind noch viele weitere Beschlüsse notwendig, auch städtebaulicher Art.

Das Bad kommt anderen Investitionen nicht in die Quere

Für den OB liegt der große Reiz der Lösung mit den Stadtwerken darin, dass das Projekt in der Vermögensplanung der Stadt nicht in Konkurrenz zu anderen teuren, Vorhaben stehen würde, zum Beispiel einem neuen Feuerwehrhaus, Investitionen in Schulen oder Kindergärten.

Das neue Bad soll ein „Funktionshallenbad“ sein, kein Spaßbad, aber die Besucher sollen aus allen Bereichen kommen, sagt Thomas Meier: „Aus Schulen und Vereinen, insbesondere aber auch aus dem öffentlichen Bereich“. Zur Erinnerung: Der Neubau 2010 scheiterte auch an der Kritik der Gegner, das Bad werde vom Normalbürger kaum nutzbar sein.

Mitten in der Corona-Pandemie wagen Oberbürgermeister Michael Scharmann und Stadtwerke-Chef Thomas Meier einen überraschenden Vorstoß: Am Bildungszentrum soll für 11,5 Millionen Euro ein neues Hallenbad entstehen – mit der Option die Anlage um ein Freibad zu erweitern. Das sanierungsbedürftige Stiftsbad in Beutelsbach soll dafür aufgegeben werden. Dieser Plan ist am Donnerstagabend öffentlich im Gemeinderat vorgestellt worden.

Welche Überlegungen stecken dahinter? Dürfen alle Bürger

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