Weinstadt

Mit 1,3 Promille auf dem Fahrrad erwischt: Mann aus Weinstadt soll ins Gefängnis

Fahrradfahrer
Der Angeklagte ist mit 1,3 Promille Rad gefahren. © Alexandra Palmizi

Einen Monat Freiheitsentzug ohne Bewährung wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr lautete das Urteil gegen einen 64-Jährigen. Der Mann war einer Polizeistreife aufgefallen, als er am 11. September des vergangenen Jahres gegen 21.20 Uhr in Weinstadt-Großheppach mit dem Fahrrad unterwegs war.

Noch im Gerichtssaal hatte der Angeklagte seine Absicht angekündigt, gegen das Urteil vor dem Landgericht in Berufung zu gehen, so dass es vorläufig nicht rechtskräftig wurde.

Angeklagter macht einen unsicheren Eindruck

Um überhaupt ein belastbares Gesamtbild des Geschehens zu erhalten, bedurfte es zweier Anläufe und der engagierten Mithilfe eines Dolmetschers. Sein Klient spreche sehr undeutlich, ihn zu verstehen werde durch die Gesichtsmaske weiter erschwert. Zudem, so sein persönlicher Eindruck, könnte man glauben, dass er bisweilen nicht wisse, was er da eigentlich sage.

Am ersten Verhandlungstag, dem 23. März, erklärte der Angeklagte dem Gericht, er sei geschieden und lebe seit 1985 in Deutschland, zunächst in Berlin, nach mehreren Zwischenstationen jetzt in Großheppach. Nach einer langjährigen Heroinabhängigkeit werde er seit 15 Jahren mit Methadon und Codeinsaft substituiert. Seit circa fünf Jahren trinke er Alkohol, in drei Tagen etwa einen Liter Alkohol, dazu Bier und Wein.

Nach einer Flasche Wein könne er noch gut fahren

An dem Tag, als er von der Polizei angehalten wurde, habe er lediglich „eine kleine Flasche Wein“ getrunken. Der Konsum einer derart geringen Menge schränke ihn in keiner Weise ein, danach fahre er noch Auto, Motorrad oder Fahrrad. Zudem sei er auf einer kleinen Straße gerade mal dreißig Meter unterwegs gewesen, auf der überhaupt kein Autoverkehr stattfinde, Fußgänger seien ebenfalls keine unterwegs gewesen.

Da sich der Polizist, der den Vorgang bearbeitet hatte, an diesem Tag coronabedingt krankgemeldet hatte, wurde die mündliche Verhandlung am 6. April fortgesetzt. An diesem Tag erklärte der Beamte als Zeuge, der Radfahrer sei seinem Kollegen und ihm aufgefallen, als er auf dem Gehweg mit flackerndem Licht und im Zickzack unterwegs gewesen sei.

Fahrradfahrer lallt und schwankt stark

Sie hielten den Mann an, da sie befürchteten, dass er mit dem Rad stürze und sich verletze. Als sie ihn ansprachen, hätten sie Alkoholgeruch an ihm wahrgenommen. Er habe gelallt und Probleme gehabt, sich zu artikulieren; zudem habe er stark geschwankt.

Im Gespräch habe der Mann spontan erklärt, er habe eine Flasche Wein getrunken. Sie hätten ihn belehrt, seine Identität festgestellt und ihn nach einer Atemalkoholkontrolle nach Winnenden ins Krankenhaus mitgenommen.

Die Blutprobe dort habe eine Alkoholkonzentration von 1,31 Promille ergeben. Anschließend hätten sie ihn nach Weinstadt zu seinem Fahrrad zurückgebracht, so dass er die 800 Meter zu seiner Wohnung zu Fuß zurücklegen konnte. Vor der Urteilsverkündung beteuerte der Angeklagte dann, er habe an diesem Tag überhaupt keinen Alkohol getrunken, sondern lediglich eine kleine Flasche Wein dabeigehabt. Er trinke nie, wenn er unterwegs sei.

61 Vorstrafen seit 1985

Da der Angeklagte von öffentlichen Sozialleistungen lebe, sei die Verhängung einer Geldstrafe gegen ihn nicht zielführend. Er verfüge über keine familiären oder sonstige feste soziale Bindungen oder Beziehungen, sein Aufenthaltsstatus sei unsicher. Zudem habe er auch keine Arbeit und sich vor Gericht auch nicht einsichtig gezeigt, so der Richter.

Nachdem er es geschafft habe, seit 1985 61 Einträge ins Bundeszentralregister zu sammeln, sei davon auszugehen, dass er mit einer Bewährungsstrafe nicht mehr zu beeindrucken sei. Bei all dem komme lediglich die Verhängung einer Haftstrafe gegen ihn infrage.

Einen Monat Freiheitsentzug ohne Bewährung wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr lautete das Urteil gegen einen 64-Jährigen. Der Mann war einer Polizeistreife aufgefallen, als er am 11. September des vergangenen Jahres gegen 21.20 Uhr in Weinstadt-Großheppach mit dem Fahrrad unterwegs war.

Noch im Gerichtssaal hatte der Angeklagte seine Absicht angekündigt, gegen das Urteil vor dem Landgericht in Berufung zu gehen, so dass es vorläufig nicht rechtskräftig

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