Weinstadt

Mit Edding auf Tisch geschrieben: Weltschmerz einer Weinstädterin bringt sie vor Gericht

Sachbeschädigung
Eine junge Frau schrieb „Alles wird schlimmer“ auf einen Steintisch an der Rems (Symbolfoto). © ZVW/ALEXANDRA PALMIZI

„Narrenhände beschmieren Tisch und Wände“ lautet ein Merkspruch, den man einst Kindern in der Schule einbläute, die man dabei erwischt hatte, wie sie sich mit Füller oder Kugelschreiber auf Möbelstücken verewigten. Das ist schon lange her - zu lange, als dass sich das Trio daran erinnern würde, das am Mittwoch, 23. Februar, im Waiblinger Amtsgericht vor Richterin Basoglu-Waselzada stand.

Die zwei 21-jährigen Männer und die 22 Jahre alte Frau hatten einen wunderschönen Frühlingssamstag im vergangenen Mai für einen gemeinsamen Spaziergang entlang der Rems genutzt, um, wie einer von ihnen nun der Richterin erklärte, „herauszukommen, frische Luft zu schnappen und die Sonne zu genießen“. Ganz offensichtlich waren sie nicht die Einzigen, denn an diesem Tag herrschte entlang der Rems reger Rad- und Fußgängerverkehr.

Pessimistische Botschaft wird der Angeklagten zum Verhängnis

Das nun wegen gemeinschaftlicher Sachbeschädigung angeklagte Trio legte in Großheppach Rast ein und machte es sich in der Brückenstraße an einem Steintisch bequem, der dort zum Verweilen einlädt. Wie es genau herging, wer auf die Idee kam, ließ sich im Gerichtssaal nicht mehr genau rekonstruieren. Jedenfalls hatte auf einmal die junge Frau einen dicken schwarzen Edding-Filzschreiber in der Hand und schrieb die Botschaft „Alles wird schlimmer“ auf den Tisch.

Dieser sei allerdings schon vorher vollgemalt gewesen, versicherte sie der Richterin und dem Staatsanwalt. Einer der jungen Männer räumte ein, ebenfalls zur „Verschönerung“ des Objekts beigetragen zu haben, während der zweite junge Mann jegliche Beteiligung bestritt. Er sei lediglich dabeigesessen, versicherte er.

Zeugin kann sich nicht genau erinnern

Diese Behauptung konnte das Gericht auch in der Beweisaufnahme nicht widerlegen, als es die Zeugin befragte, die den Fall angestoßen hatte. Sie sei an diesem Tag mit ihrer Tochter mit dem Fahrrad unterwegs gewesen, berichtete sie.

Als sie an der Steinbank in der Brückenstraße vorbeifuhr, habe sie gesehen, wie die junge Frau mit dem Filzstift etwas auf die Bank schrieb.

Ob und gegebenenfalls welcher der Männer ebenfalls den Tisch besudelte, daran könne sie sich allerdings nach so langer Zeit nicht mehr erinnern. Sie habe sich darüber geärgert, dass so viele schöne Dinge, die im öffentlichen Raum für die Allgemeinheit aufgestellt werden, beschädigt werden – und auch darüber, dass so viele Menschen in diesem Fall achtlos zusahen, ohne einzugreifen.

Verärgerte Passantin ruft Polizei

Aus diesem Grund habe sie bei der nächsten Baumgruppe angehalten und per Handy die Polizei alarmiert. Den herbeieilenden Beamten fiel es dann auch nicht schwer, ergänzte die Beamtin des Weinstädter Polizeipostens, die den Fall bearbeitet hatte, das auffällig gekleidete Trio zu identifizieren und die Personalien aufzunehmen.

Nach einer kurzen Beratung einigten sich die Richterin, der Staatsanwalt und die drei Angeklagten darauf, das Verfahren einzustellen.

Im Falle des jungen Mannes, der darauf beharrte, nicht gemalt zu haben, sogar sang- und klanglos, endgültig und ohne Auflagen. Der andere junge Mann, der zugab, an der „Verschönerungsaktion“ aktiv mitgewirkt zu haben, erhielt die Auflage, bis zum kommenden 23. August als Wiedergutmachung für den angerichteten Schaden an die Stadt Weinstadt 150 Euro zu bezahlen, darüber hinaus 350 Euro an die Waiblinger Tafel.

Schadenswiedergutmachung per Strafzahlung 

Ebenfalls bis zum 23. August hat die junge Frau als Schadenswiedergutmachung 150 Euro an die Stadt Weinstadt zu berappen, darüber hinaus 50 Euro an die „Kinderstiftung Funke“. Die unterschiedliche Höhe der Beträge ergibt sich aus den Lebensumständen der beiden.

Während der junge Mann bei Angehörigen lebt und von den 700 Euro, die er in der Berufsvorbereitung erhält, lediglich 150 Euro abgeben muss, wohnt die ebenfalls in der Berufsvorbereitung stehende junge Frau in einem Internat, so dass ihr im Monat lediglich 120 Euro Taschengeld bleiben.

Sollte das Geld bis zum 23. August nicht bezahlt sein, gab die Richterin den beiden noch mit auf den Weg, werde das Verfahren wieder aufgenommen. Dann sehe man sich erneut im Gerichtssaal, und sie müssten damit rechnen, dass es für sie spürbar teurer werde.

„Narrenhände beschmieren Tisch und Wände“ lautet ein Merkspruch, den man einst Kindern in der Schule einbläute, die man dabei erwischt hatte, wie sie sich mit Füller oder Kugelschreiber auf Möbelstücken verewigten. Das ist schon lange her - zu lange, als dass sich das Trio daran erinnern würde, das am Mittwoch, 23. Februar, im Waiblinger Amtsgericht vor Richterin Basoglu-Waselzada stand.

Die zwei 21-jährigen Männer und die 22 Jahre alte Frau hatten einen wunderschönen Frühlingssamstag

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