Weinstadt

Mit Hanf-Klage gescheitert und trotzdem optimistisch

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Er hofft auf seine Chance im Millionengeschäft mit Medizinalhanf: Oskar Sarak (38) ist Gründer und Geschäftsführer der Firma Lexamed. © Gabriel Habermann

Weinstadt.
Oskar Sarak hat vor Gericht gegen die Bundesrepublik verloren – und kann sich trotzdem freuen: Dank der Klage eines Konkurrenten muss das Vergabeverfahren zum Anbau von Medizinal-hanf in Deutschland wiederholt werden. Parallel versucht der 38-jährige Anwalt aus dem Remstal, mit seiner Firma Lexamed schon von diesem Jahr an Medizinalhanf zu importieren.

Enormes Medieninteresse

Von der Wirtschaftswoche über die Westdeutsche Allgemeine Zeitung bis zur Rheinischen Post: Nachdem unsere Zeitung im November 2017 über Oskar Saraks Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland groß berichtet hatte, machten auch andere Medien den Fall publik. Die ursprünglich für den 20. Dezember terminierte Verhandlung vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf wurde vertagt, weshalb nun erst im Frühjahr ein Urteil vorliegt. Das ist für den 38-jährigen Anwalt aus dem Remstal erst mal ernüchternd gewesen: Das Oberlandesgericht sah es nicht als erwiesen an, dass die Firma Lexamed, deren Geschäftsführer, Gründer und Gesellschafter Sarak ist, im Vergabeverfahren des Bundes benachteiligt wurde. „Da die Wertung der Cannabis-Referenz mit 0 Punkten nicht zu beanstanden und die Antragstellerin aufgrund ihrer geringen Gesamtpunktzahl zu Recht nicht zur Teilnahme an Verhandlungsverfahren aufgefordert worden ist, liegt kein Verstoß gegen die Grundsätze der Transparenz und der Gleichbehandlung vor.“ Auch bei einer vorzunehmenden Neubewertung sehen die Richter laut der rund 15-seitigen Urteilsbegründung keine Chancen für die Firma. Es ist eine herbe Niederlage für Oskar Sarak – und dennoch gibt sich der Anwalt beim Gespräch mit unserer Zeitung optimistisch. Er hat nämlich einen Plan B, wie er im Cannabis-Geschäft weiter mitmischen will: Sarak möchte Medizinalhanf nach Deutschland importieren – und zwar noch in diesem Jahr.

Kritik an Vergabeverfahren der Cannabisagentur

Auch für den Anbau in Deutschland kann sich die Firma des 38-Jährigen noch bewerben. Zwar hat Sarak seine Klage verloren, aber ein Wettbewerber hat sich durchgesetzt, mit der Folge, dass das Ausschreibungsverfahren wiederholt wird. Klar, das zuständige Oberlandesgericht Düsseldorf rechnet damit, dass die Lexamed GmbH keine Chance hat. Sarak findet indes, dass er sein „primäres Ziel“ erreicht hat – nämlich dass das Verfahren wiederholt werden muss. Der Jurist hatte der beim zuständigen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte angesiedelten Cannabisagentur vorgeworfen, ausländische Unternehmen durch die Vergabekriterien benachteiligt zu haben. Sarak bezeichnet es schlichtweg als „Inländerdiskriminierung“. So wurde es zum Beispiel im Verfahren positiv bewertet, wenn Unternehmen schon Erfahrung im Anbau von Medizinalhanf hatten – was ein neu gegründetes deutsches Unternehmen wie Lexamed gar nicht vorweisen konnte, weil der Anbau bis dato verboten war.

Sarak hatte nach eigenen Angaben auch kurz überlegt, nach der gescheiterten Klage vor dem Oberlandesgericht vors Bundesverfassungsgericht zu gehen. Dafür jedoch hätte seine Firma einen Verfassungsrechtler beauftragen müssen – und das wäre inklusive der Gerichtsgebühren richtig teuer geworden. „Wir reden über fünfstellige Anwaltskosten, die entstehen.“

Seit März 2017 dürfen Ärzte Patienten Cannabis verschreiben

Ohnehin klingt Plan B erfolgversprechender. Sarak rechnet damit, dass der Bund wegen der Wiederholung des Vergabeverfahrens nicht vor 2020 Medizinalhanf ernten kann – also erst ein Jahr später als ursprünglich erwartet. Der Bedarf muss bis dahin weiter durch Importware gedeckt werden. Denn schon seit März 2017 ist es Ärzten in Deutschland möglich, zur Behandlung bestimmter Krankheiten Cannabisblüten oder -extrakt in pharmazeutischer Qualität zu verschreiben. Und genau hier möchte Sarak Geld verdienen. „Wir wollen importieren. Wir haben den Antrag auf Importlizenz und auf Großhandelslizenz gestellt.“ Der 38-Jährige erwartet, dass er in den nächsten zwei bis drei Wochen ein „positives Signal“ des zuständigen Regierungspräsidiums Stuttgart bekommt.

Loslegen will Sarak noch in diesem Jahr – und zwar spätestens im Sommer. „Wir haben zwischenzeitlich potenzielle Investoren bekommen“, betont der Anwalt. Darunter sei auch „ein namhafter Pharmakonzern“. Die Idee dabei ist, dass Lexamed ein sogenanntes Joint Venture eingeht. Das ist das Fachwort für den Zusammenschluss mehrerer Firmen für ein gemeinsames Projekt. Den Vorteil seiner kleinen Firma sieht Sarak darin, dass er niedrige Kosten garantieren kann. „Wir haben alles outgesourct, was man arzneimittelrechtlich outsourcen kann.“ Egal ob Lagerung oder Vertrieb: Alles soll von spezialisierten Firmen übernommen werden, die wiederum von der Lexamed GmbH ihre Aufträge erhalten. Im Moment, sagt Sarak, sei seine Firma noch unabhängig von Finanzinvestoren – das könne sich aber auch schnell ändern.

Optimistisch in die Zukunft

Ob der Jurist, der bis Anfang 2018 eine eigene Kanzlei in Endersbach hatte und nun wieder als angestellter Anwalt bei einer internationalen Großkanzlei arbeitet, sein Ziel erreicht, wird die Zeit zeigen. Was er im Erfolgsfall machen wird, hat er laut eigenem Bekunden noch nicht entschieden. Er könnte seine 50-Prozent-Beteiligung an Lexamed verkaufen, ebenso könnte er auch weiter Geschäftsführer und Teilhaber bleiben. So oder so: Sarak gibt sich optimistisch, was die Chancen seiner Firma angeht. „Wir sind besser aufgestellt als zuvor.“


Zur Person

Aus Zeitgründen hat Oskar Sarak sein politisches Engagement in der FDP zurückgefahren. Der 38-Jährige ist aber weiter Parteimitglied und sitzt auch noch als Beisitzer im Landesvorstand der Initiative „Liberaler Mittelstand“ (Lim), die sich als Interessenvertretung für Selbstständige, Freiberufler, Handwerker und leitende Angestellte betrachtet.

Sarak wuchs in Kornwestheim im Landkreis Ludwigsburg auf. Nach dem Jurastudium in Tübingen arbeitete der promovierte Jurist bei drei verschiedenen Anwaltskanzleien, ehe er Anfang 2017 seine eigene Kanzlei in Endersbach eröffnete. Seit diesem Jahr ist er nun wieder angestellter Anwalt – und zwar für die US-Wirtschaftskanzlei Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom, die Büros in elf Ländern unterhält und namhafte Mandaten hat. „Wir vertreten unter anderem auch Daimler.“ Seinen neuen Job mag Sarak laut eigenem Bekunden sehr. „Ich habe es bis jetzt nicht bereut.“

Im Mai 2014 wurde Sarak in die Enquetekommission „Konsequenzen aus der Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU)/Entwicklung des Rechtsextremismus in Baden-Württemberg – Handlungsempfehlungen für den Landtag und die Zivilgesellschaft“ berufen, die aber seit November 2014 nicht mehr getagt hat.