Weinstadt

Nach Schlaganfall wieder fit werden

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Bei „Sport nach Schlaganfall“ könnten insgesamt 15 Leute mitmachen – doch aktuell sind nur neun Kursplätze belegt. © Ramona Adolf

Weinstadt-Endersbach. Schlaganfall, Multiple Sklerose, Schädel-Hirn-Trauma: Wer dienstags um 9 Uhr zu Übungsleiterin Trixa Ridder in die Jahnhalle kommt, der hat meistens eine längere Leidensgeschichte hinter sich. Im Kurs der SG Weinstadt können die Frauen und Männer durch Sport ihre motorischen Fähigkeiten verbessern – und auch noch Spaß haben.

Video: Übungsleiterin Trixa Ridder übt mit den Teilnehmern, damit sie besser im Alltag zurecht kommen.

„Linke Ferse nach vorn und zurück, dabei schön groß bleiben“: Trixa Ridder lässt die Leute erst mal im Sitzen trainieren. Drei Männer und vier Frauen sind an diesem Dienstagvormittag in der Endersbacher Jahnhalle, nur zwei Kursteilnehmer fehlen. Die Bewegung, die Trixa Ridder üben lässt, sieht einfach aus – doch für Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben, ist sie durchaus eine Herausforderung. Denn diese Frauen und Männer haben oft Probleme mit ihrer Motorik. Der Körper macht eben nicht mehr automatisch das, was er soll. Genau hier setzt der Kurs „Sport nach Schlaganfall“ an – und er richtet sich längst nicht nur an Leute, die einen Hirnschlag erlitten haben.

„So fest auspusten, dass dem Gegenüber die Haare wegfliegen“

Das Angebot der SG Weinstadt nutzen Menschen mit ganz unterschiedlichen Erkrankungen. Sie haben allerdings eine Gemeinsamkeit, egal ob sie ein Schädel-Hirn-Trauma haben oder an Multipler Sklerose leiden: Sie können sich nicht mehr so gut bewegen wie früher. „Ich habe eine Nerven- und Rückenmarksschädigung – einen anderen Sport kann ich nicht machen“, sagt eine Kursteilnehmerin. Ein Mann erzählt, dass er seit einem schweren Fahrradunfall zu „Sport nach Schlaganfall“ kommt. Wer die Frauen und Männer während des einstündigen Kurses bei Übungsleiterin Trixa Ridder beobachtet, merkt: Ihnen allen tut es gut, sich in der Gruppe zu bewegen – und dabei ist immer noch Zeit für den ein oder anderen flotten Spruch. Als zum Beispiel alle Teilnehmer ihre Arme nach vorne schieben sollen, rät Trixa Ridder: „So fest auspusten, dass dem Gegenüber die Haare wegfliegen.“

Koordination ist gefragt

Nach rund zehn Minuten holt Trixa Ridder einen sehr großen blauen Ball. Die Kursteilnehmer, die in einem Stuhlkreis sitzen, sollen ihn abwechselnd zu einem anderen Gruppenmitglied rollen – und dabei den Namen desjenigen sagen, den der Ball erreichen soll. Nach einer Weile holt sie noch einen grünen Ball dazu, der zusätzlich von jedem zu seinem jeweils rechts von ihm sitzenden Nachbarn weitergerollt werden soll – quasi gegen den Uhrzeigersinn. Auch hier geht es wieder weniger darum, die Leute ins Schwitzen zu bringen – vielmehr ist die Koordination gefragt.

Slalom und geradeaus

Im Anschluss müssen alle aufstehen und zu einem Parcours gehen, den Trixa Ridder vorbereitet hat. Dort gibt es zum Beispiel Verkehrshütchen, die wie bei einem Slalomkurs aufgestellt wurden. Auf jedem zweiten von diesen Hütchen befindet sich ein Igelball, der in der Physiotherapie ja auch zur Haut- und Rückenmassage eingesetzt wird. Diesen Ball sollen die Kursteilnehmer von der Spitze des einen Hütchens nehmen und auf die Spitze des nächsten legen. An einer anderen Parcours-Stelle gehört es zur Aufgabe, konsequent auf einem Strich geradeaus zu gehen – was einigen allerdings sehr schwer fällt. Aber auch das ist im Kurs von Trixa Ridder kein Problem: „Wem die Spur zu eng ist, versucht einfach, der Spur nah zu kommen.“

Der Sport hilft, aber er heilt nicht

Nach dem Parcours geht es wieder zurück in den Stuhlkreis. Die vier Frauen und die drei Männer legen eine Hand auf ihr rechtes Knie und streicheln mit der anderen darüber. Diese Übung soll sich einfach gut anfühlen, etwas entspannen – wobei Letzteres sich so leicht sagt. „Meine Hand ist die ganze Nacht verkrampft – ich kann mich gar nicht entspannen“, sagt eine Frau. Der Körper funktioniert eben nicht mehr so wie früher. Der Sport hilft, aber er heilt nicht.

Am Schluss spielen alle noch „Mein rechter, rechter Platz ist frei“ und singen danach gemeinsam. Der Text dreht sich um ihren Sport respektive das, was sie die Stunde davor getan haben: „Von vorne nach hinten, nach links, nach rechts, nach oben, nach unten, nach links, nach rechts“ heißt es da im Lied – und natürlich bewegen sich alle dazu. Danach verabschieden sich die Männer und Frauen fröhlich voneinander. „Wir sind eingeschunkelt“, sagt eine Teilnehmerin und lächelt. Klar, die gesundheitlichen Probleme bleiben – aber diese Stunde tut allen gut.

Schnupperstunde am nächsten Dienstag

Wer sich für den wöchentlich stattfindenden Kurs „Sport nach Schlaganfall“ interessiert, kann am Dienstag, 25. Oktober, ohne Anmeldung reinschnuppern und sich alles mal anschauen. Beginn ist um 9 Uhr in der Endersbacher Jahnhalle.

Übungsleiterin Trixa Ridder trainiert mit ihren derzeit insgesamt neun Kursteilnehmern eine Stunde lang. Danach gibt es im Foyer der Jahnhalle verschiedene Getränke und Brezeln. Gefeiert wird der zehnte Geburtstag der Gruppe.

„Sport nach Schlaganfall“ kann vom behandelnden Arzt verordnet werden. Das Angebot eignet sich auch für Rollstuhlfahrer sowie für Menschen, die auf Gehhilfen angewiesen sind. Wer noch Fragen hat, kann sich unter 0 71 51/6 04 83 30 an Trixa Ridder wenden.