Weinstadt

Nach Tipp aus den USA: Ex-Weinstädter für Kindesmissbrauch verurteilt

Amtsgericht Waiblingen
Verhandlungssaal im Amtsgericht Waiblingen (Symbolfoto). © ZVW/Benjamin Büttner

Über eine halbstaatliche amerikanische Internetbehörde hat die Waiblinger Kriminalpolizei Anfang 2021 einen Tipp bekommen, dass von einer IP-Adresse in Weinstadt unter Umständen kinderpornografisches Material im Internet verbreitet werde.

Bei einer Hausdurchsuchung stellen die Ermittler kurz darauf auch tatsächlich mehrere Datenträger mit über 300 belastenden Fotos und Videos sicher. Ein Foto macht die Ermittler stutzig - und führt schließlich zu einem Verfahren wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs von Kindern vor dem Amtsgericht in Waiblingen.

Ein belastendes Foto deckt mehrere Missbrauchstaten auf

Auf dem Bild sind eine Männerhand und das entblößte Hinterteil eines Kindes zu sehen. Die Ermittlungen haben ergeben, dass es sich bei der Hand um die des ehemals in Weinstadt wohnhaften Angeklagten handelt. Auch das Opfer konnte laut Aussage der die Ermittlungen leitenden Kriminalbeamtin recht schnell identifiziert werden.

Eine Mutter aus der Nachbarschaft habe sich besorgt bei der Polizei gemeldet, als die Vorwürfe gegen den Mann bekannt geworden seien, weil die damals zwölf Jahre alte Tochter regelmäßig viel Zeit allein mit dem Mann verbrachte. Dieser war eigentlich ein Freund der Familie.

Juristische Folgen davor im Internet recherchiert

Anhand eines auf dem Foto zu sehenden Kleidungsstücks und im Gespräch mit dem Mädchen habe dieser Verdacht sich bestätigt, so die Polizistin. Der heute 39-Jährige soll dem Mädchen die Hose heruntergezogen haben, ihren Po angefasst und davon ein Foto gemacht haben, so die Anklage der Staatsanwaltschaft.

Was den Ermittlern beim Überprüfen der Internetaktivitäten des Mannes noch feststellten: In den Tagen vor dieser Tat hatte er offenbar gegoogelt, inwiefern „Hintern-Tätscheln“ strafbar ist und welche Handlungen als sexueller Missbrauch von Kindern strafbar sind.

Weitere Opfer melden sich bei der Polizei

Doch damit noch nicht genug: Im weiteren Verlauf hätten sich zwei weitere mutmaßliche Opfer des Angeklagten, heute junge Frauen, bei der Polizei gemeldet. Eine der Frauen schilderte den Ermittlern laut Anklage, wie der Mann sie vor über zehn Jahren damals bei Fernsehabenden mit ihrer Familie, bei der der Mann ebenfalls als ein Freund dabei gewesen sei, mindestens in zwei Fällen auf den Schoß genommen und sie unter ihrem Oberteil berührt habe, was den Angeklagten spürbar sexuell erregt habe.

Bis heute habe das Opfer unter dieser traumatischen Erfahrung zu leiden, legte die Rechtsanwältin der Nebenklägerin dar. Bestimmte „Trigger“ führen demnach bei der jungen Frau bis heute zu Panikattacken, immer noch greife sie regelmäßig auf psychologische Hilfe zurück.

Angeklagter gibt die Taten zu 

Der 39-Jährige hält sich mit Angaben zu den Taten und zur Person zurück, räumt aber den gesamten Tatvorwurf gleich zu Beginn der Verhandlung vollumfänglich ein. Dadurch muss das zweite, inzwischen erwachsene Opfer nicht im Zeugenstand aussagen - eine große Erleichterung für die junge Frau, so die Vertreterin der Nebenkläger, da diese den Mann am liebsten nicht wiedersehen wolle.

Dieser beteuert, dass es ihm sehr leidtue und er sich bei den Geschädigten und ihren Angehörigen aufrichtig entschuldigen wolle. Auch wenn er wisse, dass er seine Taten nicht mehr rückgängig machen könne. Seit über einem Jahr befindet er sich wegen seiner „Gesinnung“, wie er seine sexuelle Neigung nennt, in Therapie und habe nach Bekanntwerden der Vorwürfe sofort den Wohnort gewechselt.

Der Mann will selbst traumatisierende Dinge erlebt haben

Die Therapeutin attestiert dem ehemaligen Weinstädter „traumatisierende Kindheitserinnerungen“, die gerade bei der Reflexion zu seiner Sexualität in den monatlichen Therapiestunden viel Raum einnähmen. Außerdem habe der 39-Jährige mit weiteren schlimmen Erfahrungen zu kämpfen.

Der Angeklagte habe inzwischen seine „Pornosucht“ hinter sich gelassen und sei sehr motiviert, seine Probleme in der Therapie anzugehen. Ob die Therapie ihm helfe, wollte Richter Martin Luippold vom Angeklagten wissen. Dieser bejaht entschieden.

Urteil: Drei Jahre auf Bewährung und Strafzahlungen

Das Jugend-Schöffengericht und die Staatsanwaltschaft sind sich einig, dass das Geständnis des Angeklagten wie auch die freiwillig angetretene Therapie für ihn sprechen. Doch der Mann hat auch schon einige Vorstrafen: Neben Betrug und mehreren Vergehen im Straßenverkehr hat er vor zehn Jahren auch schon eine Geldstrafe wegen des Besitzes von kinderpornografischen Schriften bezahlen müssen.

Das Jugend-Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Luippold verurteilt den Mann grob dem Plädoyer der Staatsanwalt folgend schließlich zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr und sechs Monaten Haft, die zu drei Jahren Bewährung ausgesetzt werden. Außerdem soll der Mann in 200-Euro-Monatsraten 2000 Euro an die inzwischen erwachsene Geschädigte und weitere 1000 Euro an den Kinderschutzbund Schorndorf zahlen.

Über eine halbstaatliche amerikanische Internetbehörde hat die Waiblinger Kriminalpolizei Anfang 2021 einen Tipp bekommen, dass von einer IP-Adresse in Weinstadt unter Umständen kinderpornografisches Material im Internet verbreitet werde.

Bei einer Hausdurchsuchung stellen die Ermittler kurz darauf auch tatsächlich mehrere Datenträger mit über 300 belastenden Fotos und Videos sicher. Ein Foto macht die Ermittler stutzig - und führt schließlich zu einem Verfahren wegen mehrfachen

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